Kirche in der Region Mönchengladbach
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Für Stücke des Münsterschatzes Mönchengladbach wurden spezielle Vitrinen angefertigt.

Azubi Lukas Lethmate bringt Korrosionsschutz auf die Sockel auf.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 25/2014

Münsterschätze ab jetzt immer sichtbar

Vor der Heiligtumsfahrt wurden extra spezielle Vitrinen gebaut

Alle Augen richteten sich bei der Heiligtumsfahrt in Mönchengladbach auf das Stück helles Tuch, das in der Vitrine im Zentrum des Münsters lag. Doch auch die Vitrine ist einen Blick wert.

Sie ist Teil einer Gruppe von insgesamt sechs Vitrinen, in denen einige besondere Stücke des Münsterschatzes dauerhaft der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die KirchenZeitung schaute in den Wochen vor der Heiligtumsfahrt bei der Produktion den Metallbauern über die Schulter und besuchte die Architektinnen in Aachen. Die Anforderungen an die Vitrinen waren hoch: Optisch sollten sie sich an die Architektur des Münsters anpassen, gleichzeitig aber auch modern sein. Funktionalität war wichtig und natürlich die Sicherheit. Neben dem Abendmahlstuch, das alle sieben Jahre zur Heiligtumsfahrt gezeigt wird, sollten auch die wertvollsten Stücke aus dem gerade restaurierten Münsterschatz in der Basilika dauerhaft präsentiert werden.

Seit der Heiligtumsfahrt erstrahlen in der Krypta die Büsten von St. Vitus und St. Laurentius, in der alten Sakristei sind das Elfenbeinkästchen und der mittelalterliche Tragaltar zu sehen und in der Martinskapelle steht die Vitrine mit dem goldenen Abendmahlsschrein, in dem die Tuch-Reliquie aufbewahrt wird. Vier Jahre wurde von der ersten Idee bis zur Realisierung gearbeitet. „Die Präsentation der Stücke sollte keinen musealen Charakter bekommen“, sagt Anne Kloeters. „Trotzdem müssen die Vitrinen alle Voraussetzungen von Museumsvitrinen erfüllen.“ Die Aachener Innenarchitektin hat das Konzept zusammen mit Gabriela Mirazon-Hahn vom Architekturbüro Hahn-Helten entwickelt. Der Denkmalschutz und die niedrigen Decken in der Krypta waren dabei Herausforderungen, für die praktikable Lösungen gefunden werden mussten.

„Die Büsten von St. Vitus und St. Laurentius sollten so präsentiert werden, dass der Betrachter ein wenig aufschaut“, erklärt Kloeters. Die Krux: Wollte man die Glasvitrine über die Büsten stülpen, wäre die Decke in der Krypta im Weg gewesen. Die Lösung: Im Sockel der Vitrinen befinden sich Hubbühnen, auf denen die Büsten ausgerichtet und anschließend einfach hochgefahren wurden. Auch für die Vitrine, in der die Tuchreliquie während der Heiligtumsfahrt präsentiert wurde, haben sich die Architektinnen etwas Besonderes ausgedacht. Das Leitmotiv „Du deckst mir den Tisch“ sollte thematisiert werden. Was lag da näher, als das Tuch in einer Tischplatte zu zeigen? So könnte die Vitrine gleichzeitig als Altar genutzt werden. „Im Tischfuß sollte die Form des Kreuzes beibehalten werden“, erklärt Mirazon-Hahn. Die ursprüngliche Idee war es, die Tragekonstruktion möglichst transparent zu machen. „Aber im Gespräch mit dem Metallbauer kam dann heraus, dass es statisch nicht geht“, sagt Kloeters.

Immerhin muss der Sockel eine 40 Kilo schwere Glasvitrine tragen. Um die Tuchreliquie ohne viele Umstände zu den Heiligtumsfahrten in die Vitrine legen zu können, wurde sie als Tablar entwickelt, das sich komplett vom Gestell abnehmen lässt. „Das Tablar besteht im Prinzip aus einer Wanne und einer Glashaube, die fest miteinander verbunden sind“, erklärt Kloeters. Mit Hilfe eines Schubladenauszuges kann das Tuch ohne viele Umstände hineingelegt und wieder herausgenommen werden. Was sich so einfach anhört, hat war in der Produktion zum Teil kompliziert. „Wir waren ständig in Kontakt mit der Metallwerkstatt“, berichtet Kloeters. Michael Stratmann, dem die Werkstatt in Essen gehört, hat sich auf solche Arbeiten spezialisiert. Wer die Werkstatträume auf dem alten Hof betritt, den empfängt die typische Geruchsmischung aus Metall und Öl, begleitet vom Kreischen des Winkelschleifers.

 

Mit Hochdruck wurde an den Sockeln für die Vitrinen gearbeitet

Vier Mitarbeiter haben in den vier Wochen vor Pfingsten mit Hochdruck an den Vitrinen gearbeitet, die eine Woche vor Beginn der Heiligtumsfahrt im Münster aufgestellt wurden. Um einen Sockel vom Werktisch heben zu können, müssen drei Mann anfassen. Während an den Sockeln noch geschraubt, geschweißt, geschliffen und poliert wurde, warten die fertigen Glasaufsätze in einem Nebenraum auf ihren Einsatz. Standfestigkeit ist für die Vitrinen ein wesentlicher Punkt. „Weil das Münster dem Denkmalschutz unterliegt, dürfen keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden“, erklärt Mirazon-Hahn. Schrauben in den Steinboden sind genauso verpönt wie Kabelkanäle an den Wänden. Da gilt es, kreative Lösungen für die Beleuchtung zu finden.

 

Das Abendmahlstuch wird nur alle sieben Jahre in das Tablar gelegt

Eine Woche vor Beginn der Heiligtumsfahrt wurden die fertigen Vitrinen angeliefert und eingerichtet. Nur die Vitrine für den Abendmahlsschrein blieb leer. Der Schrein wurde erst nach Ende der Heiligtumsfahrt hineingestellt. Und auch auf das Abendmahlstuch mussten die Besucher eine Woche warten, um es schließlich im Mittelgang der Kirche von allen Seiten in Augenschein zu nehmen.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 20.06.2014

 
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