Kirche in der Region Mönchengladbach
http://kirche-in-der-region-mg.kibac.de/nachrichtenansicht?view=detail&id=f2df8b85-9c04-4e43-a128-23bf63bcb127
 
 
Diskussion über Bestattungskultur in der Grabeskirche St. Elisabeth Mönchengladbach

In der Grabeskirche St. Elisabeth leitete Moderator Dieter Könnes (l.) die Diskussionsrunde.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 47/2014

Ein würdiger Platz für die Urne

Diskussion über den Bestattungszwang in der Grabeskirche St. Elisabeth Mönchengladbach

Die Bestattungskultur ändert sich. Aber wie weit darf das gehen? Ist es wünschenswert, dass Hinterbliebene die Urne mit der Asche des Verstorbenen zuhause aufbewahren dürfen? Oder droht damit der Zerfall der Gesellschaft? In der Mönchengladbacher Grabeskirche St. Elisabeth wurde darüber diskutiert.

Die Tüte ist unscheinbar, gefüllt ist sie mit Asche. Dieter Könnes, WDR-Reporter für Verbraucherthemen, nimmt die Tüte in die Hand. Ingrid Hoerner hat sie ihm gegeben. „Und was ist das?“, fragt Könnes. „Das ist ein Mensch“, antwortet Hoerner. Dass dem Journalisten in dieser Situation nicht ganz wohl ist, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Mit diesem Filmausschnitt aus einer Folge der Sendung „Könnes kämpft“ beginnt die Podiumsdiskussion in der Grabeskirche St. Elisabeth.

Pfarrer Wolfgang Bußler, der Landtagsabgeordnete Norbert Post, die Trauerbegleiterin und Bestatterin Lisa Höfflin, Trauerberaterin Ingrid Hoerner und der Kölner Bestattungsmeister Wilfried Odenthal sind der Einladung der Gastgeber von St. Elisabeth gefolgt, über ein provokantes Thema zu diskutieren: „Die Urne im Wohnzimmerregal – alternativer Trend oder Untergang der Bestattungskultur?“ Schnell wird an diesem von Dieter Könnes moderierten Abend klar: Nur Ingrid Hoerner sieht in der freien Wahl des Standortes für die Urne einen Fortschritt in der Bestattungskultur.

 

Jeder Trauernde braucht Zeit, um Abschied zu nehmen

„Ich habe gegen keine der üblichen Bestattungsformen etwas“, betont die Mönchengladbacherin. „Ich habe etwas gegen den Zwang zur Bestattung.“ Seit knapp 13 Jahren hilft die Trauerberaterin Hinterbliebenen dabei, ihre eigene Form des Abschiednehmens zu finden. Dabei ist die übliche Art der Beerdigung oft nicht die erste Wahl. Mit ihrem Angebot bewegt sich Hoerner in einem rechtlichen Grenzbereich, denn in Deutschland gilt der Bestattungszwang. Viele ihrer Klienten aber wollen die Urne mit der Asche erst einmal zuhause behalten. Ein Punkt, der bei den Diskussionsteilnehmern und dem Publikum für Erheiterung sorgt. „Ich glaube nicht, dass hier jemand einen kennt, der die Asche zuhause hat“, sagt Hoerner. „Nicht alle behalten die Asche, manche bestatten sie nach einiger Zeit.“ Was klar herauskommt: Jeder Trauernde braucht seine Zeit, um Abschied zu nehmen. Das findet auch Wolfgang Bußler, wobei er einen anderen Weg einschlägt. „Der Tod ist so etwas Endgültiges und Elementares, da steht der Schritt des Loslassens erstmal an“, sagt Bußler. Die Trauernden müssten lernen, die Verstorbenen mit den Herzen zu sehen. Dafür brauche es einen Ort zum Trauern, der mit einer Grabstätte gegeben sei.

 

Nicht alles ist direkt bei uns auch praktikabel

Dabei sieht Bußler einen weiteren Aspekt: „Wir legen als Kirche Wert darauf, dass der Mensch nicht einfach namenlos verschwindet“, betont er. „Das gehört auch zur Würde des Menschen.“ Die Vorstellungen, wie Abschied genommen werden soll, sind so unterschiedlich wie die Menschen. „Für manche Hinterbliebenen ist der Bestattungsort wichtig, für andere nicht“, ist die Erfahrung von Bestatterin Lisa Höfflin. Wie Bestattungsmeister Odenthal spricht auch Höfflin sich gegen das Aufbewahren der Urne zuhause aus. „Nicht alles, was irgendwoher zu uns kommt, ist direkt bei uns praktikabel“, sagt Odenthal auf die Frage von Moderator Könnes, ob die Schweiz und die Niederlande mit ihrem liberalen Ansatz falsch lägen. Dass hinter seiner Meinung wirtschaftliche Interessen stehen, weist er zurück.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 21.11.2014

 
Test