Kirche in der Region Mönchengladbach
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Propst Albert Damblon mit Ausstellungsstücken des Münsterschatzes Mönchengladbach

Propst Albert Damblon zeigt in der Münsterschatzkammer unter anderen Kunstwerken auch die Kirchenglasscheibe, die nach dem Krieg in den Trümmern des zerstörten Münsters gefunden wurde.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 45/2011

Der Münster-Schatz

Kostbarkeiten und Fundstücke erzählen die Geschichte der Stadt

Im Krieg wurde das Münster zerstört. In den Trümmern fand ein junger Mann Scherben der Fenster aus der Südseite der Kirche. Jahrelang bewahrte er die Scherben auf, bis er sie vor kurzem der Pfarrei in Mönchengladbach zurückgab.

Die Scherben sind nun Teil des Münsterschatzes, der von der wechselvollen Geschichte der Abtei erzählt. Zu jedem Stück in der Münsterschatzkammer kann Propst Albert Damblon eine Geschichte erzählen. Zum Beispiel, wie es zu den Zwillingsbechern kam. Der erste wurde 1875 von einem Kempener Golschmied gefertigt. Der Kelch war ein Geschenk für einen Priester zu seinem silbernen Priesterjubiläum. 1876 kam Pater Gottfried Noever, der aus der Hauptpfarre Mönchengladbach stammte, zum Heimaturlaub aus Amerika, wo er als Missionar tätig war. „Er sah den Kelch und wünschte sich auch so einen“, sagt Albert Damblon. Noevers Familie ließ einen zweiten Kelch fertigen, der dem ersten auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sieht. „Aber in dem zweiten ließ die Familie die Heiligen, mit denen sie in Verbindung stand, eingravieren“, erzählt Damblon. Zudem ziert das Wappen des Bistums Alaska den Kelch. „Pater Noever soll das Bistum angeboten worden sein“, berichtet Damblon. „Aber er hat es abgelehnt.“ Die Geschichte der Familie Noever wird auch durch ein silbernes Kreuz repräsentiert, das dem Münster erst vor kurzem von einer alten Dame übergeben wurde. „Das Kreuz ist ein Geschenk zum silbernen Priesterjubiläum, das 1894 von der Witwe eines Conrad Noever gestiftet wurde“, berichtet Damblon. Er glaubt, dass es sich bei dem Priester um Pater Gottfried Noever gehandelt haben könnte.

Als Gladbach 1801 an Frankreich abgetreten wurde, räumten die Franzosen die Schatzkammer aus und schmolzen Kunstgegenstände aus Gold und Silber ein. Daher ist der Bestand in der Münsterschatzkammer heute klein. Die meisten Gegenstände,, die heute darin präsentiert werden, stellen zwar kunsthistorisch keinen großen Wert dar, dafür aber sind sie von hohem ideellen Wert für die Gemeinde.

 

Ein tragbarer Altar für den Abt und ein Zwillingsbecher für den Priester

Dazu gehören die Scherben aus den früheren Südfenstern des Gotteshauses. Die hat einst ein junger Mann nach der Zerstörung des Münsters 1943 und 1944 in den Trümmern gefunden. Die Kanten der Porträts hat er glatt schneiden lassen und abgeschliffen. Jetzt gehören die Glasscherben zum Münsterschatz. „Der Finder hat die Scherben an das Münster zurückgegeben, weil er meinte, dass sie hierhin gehören“, freut sich Damblon. Die Scherben sind ein Teil der Antwort auf die Frage, wie die Fenster früher einmal ausgesehen haben. „Man weiß, das 1908 die Südseite mit Christusbildern verglast wurde“, sagt Damblon.

Eines der wertvolleren Stücke ist der Tragaltar aus der romanischen Zeit, der um 1160 in Köln geschaffen wurde. Auf dem Deckel, in die eine Scheibe von grünem Porphyr eingearbeitet wurde, sind alttestamentarische Szenen abgebildet. „Wenn die Äbte früher auf Reisen waren, nahmen sie solch einen Tragealtar mit, um unterwegs ihre Gottesdienste zu feiern“, erzählt Damblon aus der Geschichte. Der kleine Altar ist gerade groß genug, dass Kelch und Hostie Platz darin finden. Dass er heute in der Münsterschatzkammer zu bewundern ist, haben die Besucher Prior Cornelius Kirchrath zu verdanken. Als erster Pfarrer der neuen Hauptpfarre hat er den Tragaltar 1802 vor den Franzosen versteckt und so gerettet.

Neben Kelchen, Büsten, Kreuzen, Weihrauchgefäßen und anderen Kunstgegenständen, findet sich unter den Exponaten auch eine Urkunde und das Siegel von Bischof Albertus Magnus, der im Jahr 1622 selig und am 16. Dezember 1931 von Papst Pius XI. heilig gesprochen wurde. Der gelehrte Dominikaner, nach dem die Albertuskirche in Mönchengladbach benannt wurde, hat am 28. April 1275 den Hochaltar des Münsters geweiht. „Die Siegel sind erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder entdeckt worden“, erzählt Damblon.

Auch Stücke der Moderne sind in der Münsterschatzkammer zu finden. So befindet sich hier mit der Figur „Christus auf dem kalten Stein“ von Elmar Hillebrandt aus dem Jahr 1957 eine der früheren Arbeiten des Künstlers. Von Hillebrandt sind im Münster weitere Werke zu sehen. Das Triumphkreuz zur 1000-Jahrfeier der Stadt 1974 und der Ambo im Altarraum sind ebenfalls Arbeiten des Kölner Bildhauers.

 

Druckplatten mit Textfragmenten gehören heute zum Kirchenboden

Frei zugänglich ist die Münsterschatzkammer für Besucher des Münsters nicht. In Gruppen aber können die Exponate nach Terminabsprache besichtigt werden. Aber auch, wer nicht die Gelegenheit zur Besichtigung hat, kann im Münster eine Menge zur Geschichte der alten Abtei entdecken. Dabei stößt man auch auf einige Kuriositäten. Wie zum Beispiel ein Teil der Bodenplatten, die aus ehemaligen Druckplatten einer Galdbacher Druckerei bestehen. Mit ihnen wurden einst religiöse Bücher und auch Werbeprospekte und -plakate gedruckt. So kommt es, dass man auf dem Boden die Konterfeis von Heiligen und Textfragmente genauso entdecken kann wie die Werbung für eine Schnapsmarke.

 

Kontakt

Terminvereinbarungen für Gruppen zur Besichtigung der Münsterschatzkammer sind unter der Telefonnummer 02161/46233222 möglich.

 


Von Garnet  Manecke

Veröffentlicht am 09.11.2011

 
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