Kirche in der Region Mönchengladbach
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IN Mönchengladbach feierten 65 Jugendliche aus dem Bistum Aachen Weltjugendtag at Home

31_WTJ: Am ersten Tag wurden die Jugendlichen im Mönchengladbacher Rathaus empfangen.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 31/2013

Gemeinsam unterwegs

Beim Weltjugendtag@home in Mönchengladbach feierten 65 Jugendliche ein Fest des Glaubens

Für die Jugendlichen, die nicht zum Weltjugendtag nach Rio reisen konnten, hat das Bistum Aachen mit dem Weltjugendtag@home (WJT) eine Alternative angeboten.

Mädchen und Jungen im Alter von zwölf bis 25 Jahren nutzten die Gelegenheit, um viel zu erleben und ihren Glauben neu kennenzulernen.

Nun ja, auch der größte Optimist wird an der Niers nichts finden, dass auch nur im entferntesten an die Copacabana erinnert. Der kleine Fluß zieht seine Bahn ruhig durch die niederrheinische Landschaft, Pappeln und Gräser säumen seinen Weg. Aber wenn die Jugendlichen vom WJT in die Boote steigen und der sportliche Ehrgeiz erwacht, dann schlägt auch die Niers hohe Wellen. Kommandos, die die Boote auf Kurs halten sollen, klingen durch die Landschaft, Paddel schlagen ins Wasser, jeder hat seine Aufgabe, will man nicht am Ufer stranden.

Die zweistündige Kajak-Fahrt über den Fluss ist der erste Ausflug der 65 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von zwölf bis 25 Jahren, bei dem sie eine andere Seite ihres Glaubens kennenlernen. Sechs Tage waren sie in Mönchengladbach beim WJT@home des Bistums Aachen zu Gast. „Wir wollten eine Alternative anbieten für diejenigen, die aus finanziellen Gründen oder wegen der Sicherheit nicht nach Rio de Janeiro können“, sagte Ingrid Beschorner, Referentin für Kirchliche Jugendarbeit in der Region Mönchengladbach und Heinsberg.

Auch wenn der WJT in Gladbach wesentlich kleiner ausfällt als der Bruder in Rio, die Ziele sind doch dieselben. „Wir wollen die Begegnung von Jugendlichen aus unterschiedlichen Kulturen ermöglichen, die sich kennenlernen und über ihren Glauben austauschen können“, betonte Gerhard Nellessen, Projektreferent Weltjugendtag im Bistum Aachen. Und da gibt es einige Unterschiede im Umgang mit dem Glauben, wie in den Gesprächen mit den elf Jugendlichen, die aus Toledo/ Spanien angereist waren, immer wieder festgestellt wurde. „Es gibt Unterschiede, aber die sind lustig“, sagt José Manuel. „Deutsche sind immer so organisiert und pünktlich. Das sind wir nicht.“

Vorurteile und Klischees haben sich die Teilnehmer gleich am ersten Abend bei einem Pantomimenspiel vorgeknöpft. Wie der große Bruder in Rio stand auch der WJT@home unter dem Motto „Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern“. In Gladbach haben die Organisatoren aber noch jeden Tag unter ein eigenes Motto gestellt. Die Kajak-Fahrt stand unter dem Titel „Unterwegs sein“. „Es ging darum, dass die Jugendlichen darüber nachdenken, wie sie unterwegs sind, wer sie auf ihrem Weg begleitet, wem sie begegnen“, sagte Beschorner.

Auch das Zusammenspiel in der Gemeinschaft war ein Punkt, über den die Jugendlichen nicht nur nachdenken, sondern den sie praktisch erfahren sollten. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg, um ein Ziel zu erreichen. Das Vertrauen in einen anderen war dagegen das Thema „Zu zweit sein“, das in der Kletterkirche über allem stand. Während die Jugendlichen an den Wänden hoch hinaus wollten, wurden sie am Boden von einem Partner gesichert. Dabei erlebten die Mädchen und Jungen nicht nur ihre eigene Stärke, sondern auch Erik Pühringer, Regionaldekan für die Region Eifel, von seiner sportlichen Seite. „Ich bin ganz beeindruckt von den Jugendlichen“, lobte Klettercoach Isa (20). Sie selbst hat sich als Kind bei den Messdienern engagiert und selbst im Alter von zwölf Jahren den Weljugendtag in Köln erlebt.

Dass schließlich auch Schwester Edna, die einen Tag zuvor noch mit einem Bericht über ihre Heimat Brasilien die Jugendlichen beeindruckt hatte, in luftiger Höhe in den Seilen hing, wurde von den Jugendlichen mit viel Applaus bedacht. Kommt bei all dem Spaß die Auseinandersetzung mit dem Glauben nicht zu kurz? „Im Gegenteil, die Jugendlichen setzen sich ernsthaft und intensiv damit auseinander“, sagte Pühringer. So gebe es in der morgendlichen Katechese viele Diskussionen und Denkanstöße der Jugendlichen untereinander. Jeden Tag wurde ein Gottesdienst gefeiert und in einem Kunstprojekt haben die Teilnehmer in der Jugendkirche St. Albertus auf Staffeleien ihre Gedanken festgehalten. „Das ist gute Theologie“, sagte Pühringer. „Die Jugendlichen geben von sich selber viel und das ist das Entscheidende.“ Auch Nellessen war dieser Meinung: „In diesen Tagen setzen sich die Jugendlichen viel intensiver mit ihrem Glauben auseinander als sonst.“

Nicht nur die Spiritualität stand dabei im Mittelpunkt, auch die Integration des Glaubens im praktischen Alltag war Thema. Glauben zu leben im Dienst für die Mitmenschen war eine Übung, die die Jugendlichen bei der Mitarbeit an verschiedenen Sozial- und Umweltprojekten meisterten. Während sich die einen mit Besen und Fugenkratzern bewaffnet aufmachten, um den Vorplatz zum Gladbacher Münster, dem Wahrzeichen der Stadt, zu reinigen, postierten sich die nächsten vor Supermärkten und baten die Kunden darum, auch etwas für die Tafel einzukaufen. Und so füllten sich ihre Einkaufswagen nach und nach mit Reis, Nudeln, Konserven und Körperpflegemitteln.

Wie sich Schuhputzer in Rio fühlen, erfuhren die Mitglieder einer dritten Gruppe, die auf dem Alten Markt ihre Dienste anboten. Einen ganzen Vormittag brachten sie Schuhe auf Hochglanz – der Erlös sollte für ein Drogenprojekt in Brasilien gespendet werden.

Den Bückenschlag nach Rio, dem Gastgeber des offiziellen Weltjugendtages, schlugen die Organisatoren nicht nur mit Hilfe von Live-Übertragungen der Vigil und des Abschlussgottesdienstes. Auch der Besuch von Schwester Edna, die in großer Runde vom Leben, der Lebensfreude, aber auch der Probleme in ihrer Heimat berichtete, stellte für die Teilnehmer eine Verbindung in das lateinamerikanische Land dar. Für Kevin hatte der WJT in Gladbach noch eine ganz andere Bedeutung: Der 18-Jährige wurde im Abschlussgottesdienst mit Weihbischof Johannes Bündgens getauft. „Ich bin ziemlich aufgeregt“, gestand er noch zwei Tage zuvor. „Aber ich freue mich sehr darauf.“ Vor zwei Jahren ist er zur WJT-Gruppe in Wegberg gestoßen und hat dort seine erste Begegnung mit dem Glauben gehabt. Auch Benni ist sein Glaube wichtig. „Man hat immer im Hinterkopf, dass Gott bei Dir ist, in Deinem Herzen und auf Dich aufpasst“, sagte der 14-Jährige. Beim WJT habe er das vielfältig gespürt. „Ich bin gerne gekommen und würde immer wieder kommen“, sagte Benni begeistert. Denn eines ist allen klar geworden: Glaube kann viel Spaß machen.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 02.08.2013

 
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