Kirche in der Region Mönchengladbach
http://kirche-in-der-region-mg.kibac.de/nachrichtenansicht?view=detail&id=bdd1adb6-ca39-4edf-b746-b90813d9fb95
 
 
Themenwoche in der Citykirche Mönchengladbach beschäftigte sich mit Tibet

Auch feinste Linien werden mit dem Sand gezogen. Dabei ist eine hohe Konzentration gefragt, denn eine Korrektur ist bei Fehlern nicht möglich.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 50/2013

Erleuchtung in der Citykirche

Tibetische Exil-Mönche streuten ein Sandmandala

In der Citykirche waren vier tibetische Exil-Mönche aus dem Kloster Drepung Lukhil Khangtsen (Mundgad/Südindien) zu Gast. Über den Zeitraum von acht Tagen haben sie ein Sandmandala erstellt. Viele Neugierige schauten ihnen dabei zu. Eine Aktion zwischen Religiösität und Folklore.

Sobald vom Dalai Lama die Rede ist, fühlen sich auch Menschen, die ansonsten religionsfern und unpolitisch sind, angesprochen und friedensbewegt. Der Mann strahlt große Ruhe und Freundlichkeit aus, unterstrichen wird das von den intensiven, warmen Gewürzfarben seiner Gewänder. Die Aura des Friedens und der Reinheit, die den Dalai Lama umgibt, strahlt auch auf die tibetischen Mönche in der Citykirche ab. Dabei schaut der Dalai Lama auf dem Bild, das am Rande der Szene auf einer Staffelei steht, ungewohnt streng. Die Augenbrauen hochgezogen, die Stirn in Falten gelegt, als wollte er sagen: „Benehmt euch.“ Eine Aufforderung, der Folge geleistet wird. Sobald Besucher die Kirche betreten, werden sie ganz ruhig. Sogar Schulklassen, die vor der Kirche noch aufgeregt miteinander geredet haben, sind jetzt still.

Vor dem Altar ist ein kleiner Platz abgetrennt, auf einer Holplatte ist das Mandala mit feuchtem Kalk skizziert. Darüber beugen sich die Mönche, nehmen den gefärbten Sand mit einem röhrenförmigenTrichter aus den Schälchen auf und lassen ihn ganz langsam auf die Platte rieseln. Dafür reiben sie mit Stangen an den Trichtern, die dadurch entstehende Vibration macht es möglich, den Sand fast Korn für Korn abzugeben und so auch feinste Linien zu zeichnen. Eine Arbeit, die höchste Konzentration erfordert, denn eine Korrektur ist nicht möglich.

 

Symbolisches Bild des Universums oder des Himmelspalastes

Das Sandmandala ist Cherenzig, dem Schutzgott der Tibeter, gewidmet. Der Kreis als Form ist dabei nicht zufällig gewählt. Denn ein Kreis gilt als Symbol der Vollkommenheit und Ausgeglichenheit. Ein Symbol, das auch in der frühen christlichen Tradition für Rosettenfenster und Christusdarstellungen in Kreisbildern verwendet worden sei, berichtet Anja Real, Mitarbeiterin der Tibet Initiative Deutschland (TIB), bei der Eröffnungsveranstaltung zur Sandmandala-Woche. Acht Tage haben die vier Mönche täglich acht Stunden an dem 1,70 mal 1,70 Meter großem Sandmandala gearbeitet. Dabei wurden sie von Interessierten aller Altersstufen besucht, die ihnen bei ihrer Arbeit über die Schultern schauten.

Auch an den religiösen Zeremonien, die die Entstehung des Mandalas begleiteten, durften Besucher teilnehmen. „Das bildhafte, buddhistische Mandala wird oft als symbolische Darstellung des Universums oder auch des Himmelspalastes eines Buddha verstanden“, erklärt Real in ihrem Vortrag. Im Zentrum halte sich die transzendente Gottheit auf, die in diesem Sandmandala als Lotusblüte dargestellt wird. Die Lotusblüte steht in der buddhistsichen Lehre für Reinheit und Transzendenz. So ist auch der innere der drei Kreise, die das Zentrum von der Außenwelt abschirmt, aus Lotusblüten geformt. Der mittlere Kreis besteht aus Vajras, wie die Diamantdonnerkeile genannt werden. Ein typisches tibetisches Symbol, das für unzerstörbare Materie und unaufhaltsame Energie steht. Der äußere Kreis schließlich besteht aus einem Flammenring, der die Umwandlung des grobstofflichen in das feinstoffliche Sein symbolisiert.

 

Die Herstellung eines Mandalas ist ein religiöser Akt mit Ritualen

Die Herstellung eines solchen Mandalas ist ein religiöser Akt, der von genau festgelegten Ritualen begleitet wird. Bevor der erste Skizzenstrich mit feuchtem Kalk gezogen wird, segnen die Mönche den Ort und stimmen sich meditativ auf ihre Aufgabe ein. Die Form und Farben für das Mandala sind festgelegt, einen Spielraum für spontane, kreative Eingebungen gibt es nicht. Gearbeitet wird vom Mittelpunkt nach außen. Das fertige Mandala wird mit Blumen geschmückt und zum Abschluss von außen nach innen zusammengekehrt. Danach füllen die Mönche den Sand in eine Urne und verstreuen ihn in einem fließenden Gewässer. In Mönchengladbach haben sich die Mönche dafür die Mündung von Niers und Gladbach ausgesucht.

 

Verkaufsstand mit Büchern, Schmuck und anderen Dingen zum Thema Tibet

Auch wenn es sich bei der Schaffung eines Mandalas um einen religiösen Akt handelt, den nur ermächtigte oder geweihte Mönche durchführen dürfen, hat die Szene in der Citykirche auch einen Anstrich von Folklore. Am Ausgang der Kirche steht ein Stand mit Schmuck, der im Kloster hergestellt wurde, am Infopoint können Bücher, Bilder und andere Dinge rund um die Themenkreise „Tibet“ und „Buddhismus“ erstanden werden. Mit den Erlösen wird das Leben im Kloster finanziert. Mönchengladbach ist die letzte Station einer Tour durch Deutschland. Der interreligiöse Dialog steht in der Citykirche ganz oben auf der Agenda. In Mönchengladbach steht vor allem der Austausch zwischen den Abrahamischen Religionen im Mittelpunkt. Mit der Einladung der Mönche hat das Team der Citykirche den Besuchern auch einen kleinen Einblick in eine ganz andere Tradtion ermöglicht. Begleitet wurde die Aktion von Vorträgen, Filmabend und Konzert.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 16.12.2013

 
Test