Kirche in der Region Mönchengladbach
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St. Michael Mönchengldadbach Holt schützt Flüchtlinge vor rechter Demo

Das interkulturelle Frühstück wurde zu einem bunten Familienfest.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 24/2015

Mit Kakao gegen plumpe Parolen

Während einer rechten Demonstration lud St. Michael Holt Flüchtlinge zum Frühstück ein

Mit 2000 Demonstranten hatte die Initiative „Mönchengladbach stellt sich quer“ gegen den NPD-Aufmarsch am 1. Mai protestiert. Als jetzt Rechte vor einer Flüchtlingsunterkunft demonstrierten, schützte das Bündnis die Bewohner in einem ganz speziellen Kirchenasyl.

Die Rechten machen sich bereit: Die Kofferraumlade eines Kleinwagens wird aufgeklappt, die Lautsprecher werden installiert. Direkt vor der Flüchtlingsunterkunft an der Aachener Straße, im ehemaligen Ladenlokal eines Discounters in Mönchengladbach, hält die blonde Maria aus Köln eine Rede. Es könne nicht sein, sagt sie, dass Deutsche aus ihren Wohnungen verdrängt werden, damit Asylsuchende darin unterkommen. Eva Vaßen, Leiterin der Jugendfreizeitstätte St. Michael Holt, hat keine Angst vor Flüchtlingen. Sie hat auch nicht die Erfahrung gemacht, dass Asylsuchende Deutsche verdrängen. Wer die Bretterverschläge kennt, hinter denen die Familien zum Teil ohne Tageslicht leben, kann sich auch nicht vorstellen, dass hier jemals ein deutscher Bürger eine Unterkunft bezogen hat. Vaßen kennt viele der Familien, vor allem die Kinder, die hier wohnen. Sie werden von der Leiterin der Jugendfreizeitstätte immer wieder zu deren Angeboten eingeladen. Damit sie etwas zu tun haben und wenigstens hin und wieder das Gefühl eines normalen Lebens.

 

Kindern und Erwachsenen bleibt die Hetze erspart

Zusammen mit anderen Aktiven der Initiative „Mönchengladbach stellt sich quer“ hat Vaßen die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft während der Demonstration zu einem interkulturellen Frühstück eingeladen. Auf diese Weise bleiben den Kindern, Frauen und Männern die rechten Parolen vor ihrer Hausür erspart. „Die Idee fanden wir ganz toll“, sagt Christoph Habrich, Gemeindereferent der Pfarrei St. Benedikt Mönchengladbach, zu der St. Michael Holt gehört. Schon gut eine Stunde vor Beginn des Aufmarsches ist Vaßen in die Unterkunft gegangen, um die Menschen einzuladen. „Es sind alle mitgekommen“, freut sie sich.

„Außer denjenigen, die krank im Bett liegen.“ Währenddessen haben ihre Mitstreiter in der Jugendfreizeitstätte Tomaten und Gurken aufgeschnitten, Wurst- und Käseteller angerichtet, Kaffee gekocht, Kakao gerührt und Marmeladengläser aufgeschraubt. An der Außenfassade hängt ein bunter Schriftzug „Interkulturelles Frühstück“, Luftballons schmücken den Eingang und den Saal. Die Tische sind liebevoll gedeckt. „Der Hans hat die Brötchen gestiftet“, freut sich Habrich über die Unterstützung von Bio-Bäcker Hans Oehmen. Die Kinder stürmen zuerst rein. Manche kennen sich schon etwas aus, sie waren bereits bei einer Ferienfreizeit dabei. „Wo steht denn der Kicker?“, fragt ein kleiner Junge und läuft direkt in den Keller, um eine Runde zu spielen.

 

Aus dem Frühstück wird ein Familienfest

Vor der jetzt leeren Flüchtlingsunterkunft stehen laut polizeilichen Angaben 35 rechte Demonstranten und hören Dominik Roeseler zu. Man wolle die Nachbarn beschützen, ruft der ins Megaphon. Drei Häuser weiter zeigt ein Nachbar, was er davon hält: „Wir sagen Nein zur Hetze gegen Flüchtlinge“, steht da auf einem weißen Pappschild im Vorgarten. In St. Michael wird das Frühstück zu einem bunten Familienfest mit Musik, Tanz und Spielen auf dem Freigelände entwickelt. Eva Vaßen tanzt mit jungen Müttern, die ihre Kinder dabei auf dem Arm tragen. Ein Mann malt mit Kreide Bilder auf das Pflaster. Bedroht fühlt sich hier niemand.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 10.06.2015

 
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