Kirche in der Region Mönchengladbach
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Vater-Kind-Veranstaltung in MG-Herrenshof

Wenn Papa ein gutes Pferd ist, dann kann man auch wie eine Zirkusprinzessin mit ausgebreiteten Armen auf seinem Rücken balancieren.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 13/2013

Ein Zirkus mit Papa

Erster Vater-Kind-Tag im Familienzentrum Herrenshoff

Trotz Erziehungsurlaubs und Elternzeit sind es immer noch überwiegend die Väter, die sich intensiv im Beruf engagieren und weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen als die Mütter. Beim Vater-Kinder-Tag im Familienzentrum Herrenshoff haben sie siich einen ganzen Tag Zeit für ihre Kinder genommen.

Gemeinam haben sie gespielt und sogar eine ganze Zirkusvorstellung auf die Beine gestellt. Die Mütter waren nur als Publikum zur Vorstellung zugelassen.
Eigentlich hatte sich Felix ja vorgenommen, an diesem Tag zuhause mit seiner Kinder-Stichsäge etwas zu bauen. Sein Papa hat an Samstagen kaum Zeit für ihn, weil er als Zeltverleiher an den Wochenenden arbeiten muss. Deshalb war es eine richtig große Überraschung, als sein Vater dem Sechsjährigen beim Frühstück sagte, dass sie heute den ganzen Tag zusammen verbringen wollten, ohne Mama und ohne die acht Monate alte Schwester. Und wenn Papa sich extra frei für ihn frei nimmt, dann ist auch Felix flexibel. Das hat sich gelohnt: Immerhin hat Felix seinen ersten Auftritt als Zirkusdirektor vor großem Publikum absolviert.
„Väter gehen anders mit Kindern um als die Mütter“, sagt Olaf Schmeißer vom Mitmach-Zirkus Düsseldorf. Der 52-Jährige ist mit seinem feuerroten Zirkus-Mobil angereist, in dem er die Zutaten für eine kleine Zirkusshow hat. „Während die Mütter schauen, was ihren Kindern wohl Spaß machen könnte und ihre eigenen Wünsche zurückstellen, suchen Väter nach Aktivitäten, die ihnen Spaß machen und die sie dann mit den Kindern zusammen machen könnten“, weiß Schmeißer. Als Vater von zwei Teenagern ist er zu seinem Zirkus gekommen, weil seine Tochter  vor einigen Jahren ein Einrad geschenkt bekam. „Das fand ich spannend“, sagt der gelernte Zimmermann. Sein Wissen nutzt der Erlebnispädagoge heute, um Väter und Kinder näher zusammenzubringen.
Dafür ist der Zirkus bestens geeignet. Denn jedes Kind und jeder Vater kann etwas, dass sich in einer Zirkusnummer einbringen lässt. Dazu erlernen sie kleine Kunststücke. Dabei setzt Schmeißer auf die Kreativität von Vätern und Kindern. „Wir machen hier keine Pädagogik“, sagt er. „Wenn eine Eigendynamik einsetzt, dann lassen wir das geschehen.“ Denn es gehe nicht darum, wertvolle pädagogische Konzepte an den Mann zu bringen, sondern Kindern und Vätern ein eigenes, gemeinsames Thema zu ermöglichen, mit dem sie zuhause weiter spielen können.

 

„Papa ist ein gutes Pferd“,  lobt  die sechsjährige Lilly ihren Vater

Deshalb sind die Mütter auch erst am Ende des Tages zugelassen, in der Rolle des bewundernden Publikums. Dann erleben sie, wie sich ihr Nachwuchs mutig als Zoodirektoren vor das Publikum stellt, um die nächste Nummer anzusagen. Wie Töchter und Söhne über den Leiterparcours balancieren, sich auf die Hilfestellung der Väter verlassend, und wie der Nachwuchs flink auf wackelige Leitern klettert, die die Väter mit eigener Körperkraft halten, während sie darauf stehen.
13 Väter mit rund 30 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren sind zur Zirkustruppe gestoßen. „Meine Frau hat den freien Vormittag genutzt, um sich eine Massage zu gönnen“, erzählt Jörn Rebeg. Der 32-Jährige ist mit seinen beiden Töchtern (5 und 3) dabei. „Ich fand den Tag superentspannt“, sagt Rebeg. Dabei hat er sich im Laufe des Tages nicht nur um seine Kinder gekümmert, sondern ist auch in die Rolle eines Zirkuspferdes geschlüpft. Mit anderen Vätern ist er dafür auf allen vieren durch den Raum gekrochen, seine Tochter auf dem Rücken. Die Parade wurde geübt und am Ende haben die Kinder sich auf den Rücken der Väter aufgestellt wie Zirkusprinzessinnen.
Was Lampenfieber ist, hat Felix hier zum ersten Mal erfahren und das schöne Gefühl, Applaus zu bekommen. „Vor dem Publikum habe ich im Bauch ein Grummeln gespürt“, erzählt der Knirps, der zur Käfer-Gruppe gehört. Die Teller auf den Stöcken zu balancieren hat dem Sechsjährigen heute besonders gut gefallen – und das Jonglieren. Das will er zuhause auch ausprobieren. Für Lilly war die Pferdenummer das Beste. „Papa ist ein gutes Pferd“ lobt die Sechsjährige. Der so gelobte Dominik Manns freut sich darüber, dass er mit seiner Tochter einmal richtig viel Zeit verbringen konnte. „In der Woche gibt es halt viel Arbeit.“ Trotzdem versucht der 33-Jährige am Wochenende für die Familie dazusein und gemeinsam etwas zu unternehmen. Das könnte auch eine Zirkusvorstellung im heimischen Wohnzimmer sein. Als Pferd will er da zwar nicht zur Verfügung stehen, aber: „Beim Jonglieren hat mich der Ehrgeiz gepackt“, sagt er.
Seine Frau Daniela Findeisen ist mit dem zweijährigen Geschwisterchen von Lilly zuhause geblieben. Bei der Vorstellung hat sie dann gesehen, was Vater und Tochter so auf die Beine gestellt haben. „Dieser Tag ist eine superschöne Idee“, findet die 30-Jährige. Die Väter sind sich einig: Sie würden so einen Tag gerne wieder machen. „Die Kinder waren gut drauf und wir konnten uns untereinander auch mal anders unterhalten“, sagt Jörn Rebeg.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 02.04.2013

 
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