Kirche in der Region Mönchengladbach
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in Mönchengladbach findet zum 40. Mal der Christkindlsmarkt der sozialen Vereine statt

Alle machen mit: Der Christkindlmarkt ist seit 40 Jahren der Treffpunkt für die Mönchengladbacher und der Auftakt in die Weihnachtszeit.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 47/2012

Hand in Hand

Zum 40. Mal findet der Christkindlmarkt in Mönchengladbach statt

Am Samstag vor dem 1. Advent findet der traditionelle Christkindlmarkt zugunsten behinderter Kinder und Jugendlicher zum 40. Mal statt. Die Initiatorinnen Ruth Walter und Renate Gliemeroth sowie Anka Reiners, Vorsitzende des Sozialvereins Christkindlmarkt, erzählen.

Ruth Walter kann sich noch gut an die Einnahmen des ersten Christkindlmarktes 1973 erinnern. 18000 Mark hatten die Teilnehmer damals in den Kassen. „Euphorisiert, wie wir waren, haben wir die ganzen Einnahmen an unserem Stand gesammelt“, erzählt die 65-Jährige. „Aber so eine Summe in Kleingeld ist so schwer, dass man das gar nicht tragen kann.“ Das Technische Hilfswerk ist eingesprungen und hat das Geld zu Renate Gliemeroth gebracht. „Dort haben wir dann am Esszimmertisch gezählt“, berichtet Walter. „Das Geld war furchtbar fettig und hat nach Würtchen gerochen. Alles klebte.“

In den 40 Jahren Christkindlmarkt-Historie haben Ruth Walter, Renate Gliemeroth und Anka Reiners viel erlebt. Als der Markt 1973 zum ersten Mal stattfand, waren alle drei junge Mütter. „Am 10. Oktober 1973 stand zum ersten Mal in einer Zeitungsanzeige, dass wir für den Markt Mitstreiter suchten“, erinnert sich Walter. „Mein Sohn war gerade geboren und ich war einen Tag zuvor aus dem Krankenhaus entlassen worden. Da stand ich dann und das Telefon hat ständig geklingelt. Mit dem Baby auf dem Arm habe ich den Leuten erklärt, wie wir uns das vorstellen.“ Zu den Marktbeschickern der ersten Stunde gehört Heide Finger, die bis heute jedes Jahr über 1000 Gläser Marmelade einkocht und beim Christkindlmarkt verkauft. „Ein echtes Original war auch Leni Newiger, die immer Trödel verkauft hat“, erinnert sich Walter. „Ein Jahr hat sie eine Pickelhaube gehabt und sie beim Verkauf den ganzen Tag auf dem Kopf getragen“, ergänzt Gliemeroth.

 

18000 DM, die nach Würstchen rochen und vom Fett klebten

An 15 Ständen boten die Marktbeschicker weihnachtliche Bastelarbeiten, Adventskränze und Leckereien auf dem Theaterplatz an. 1986 zog der Adventsmarkt auf den Alten Markt in Mönchengladbach. Würstchen wurden auf dem offenen Holzkohlegrill zubereitet. „Von Anfang an gehörte es zu unserem Konzept, dass wir die Einnahmen nicht nur spenden, sondern dass auch die Einrichtungen für behinderte Kinder und Jugendliche, die wir unterstützen, aktiv mitmachen“, sagt Gliemeroth.

Heute arbeiten 500 Frauen und Männer ehrenamtlich mit. Das THW sorgt für die Stromversorgung, Mönchengladbacher Unternehmen kümmern sich um die Logistik und den Aufbau der Buden, alle zwölf Service-Clubs in Mönchengladbach machen genauso mit wie auch Privatleute, Vereine, Förderschulen und -kindertagesstätten. Zwei Orchester mit behinderten Jugendlichen spielen auf, der Oberbürgermeister tritt als Nikolaus an.

Die Idee für den Christkindlmarkt hatten Ruth Walter und Renate Gliemeroth. Die beiden haben immer gerne zu Weihnachten gebastelt und ihre Erzeugnisse verschenkt oder verkauft. „Dabei ist uns aufgefallen, dass jede Förderschule ihren eigenen kleinen Weihnachtsmarkt hatte und wir dachten, es wäre sinnvoll, die Aktivitäten zu bündeln“, sagt Gliemeroth. Als die heute 68-Jährige 1996 von Mönchengladbach wegzog, intensivierte Anka Reiners ihr Engagement in dem Verein und wurde in den Vorstand gewählt. Seit sich Ruth Walter aus dem Vorstand zurückgezogen hat, leitet Anka Reiners die Organisation allein.

 

Vom Winde verweht: Ein nächtlicher Sturm zerstörte den Markt komplett

Mit dem Christkindlmarkt haben die drei Frauen eine Marke geschaffen. Der Samstag vor dem ersten Adventssonntag ist für viele Gladbacher wie für Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur ein fester Termin, zu dem sich alle auf dem Alten Markt treffen. Oberbürgermeister Bude hat den Organisatorinnen versichert, dass der Standort des Christkindlmarkts bis 2014 gesichert ist und dieser Markt die Vorweihnachtszeit in Mönchengladbach offiziell einläutet. Eine Zusage, die gut tut. Denn der Erfolg des Adventsmarktes weckt Begehrlichkeiten. Immer wieder versuchen kommerzielle Weihnachtsmarktorganisatoren den Christkindlmarkt von seinem Platz zu verdrängen.

Aber auch der Winter mit Regen, Sturm und Eiseskälte hat den Damen schon oft Eisberge in den Weg gelegt. „Einmal kam ich morgens um sechs auf den Platz und der Markt lag in Trümmern“, erinnert sich Walter. „Ich habe ganz aufgeregt bei der Polizei angerufen und erfahren, dass der Sturm in der Nacht alles zerstört hat.“ Teile der Buden wurden mehrere hundert Meter durch die Straßen geweht. Die damals noch in Gladbach ansässige Hannen-Brauerei sprang ein und schickte Schank- wagen, das THW hat aus den Trümmern gerettet, was zu retten war, der Markt eröffnete um zehn Uhr.

Zur Feier des 40. Christkindlmarktes haben sich die Damen einige Überraschungen überlegt. „Der Oberbürgermeister hat die Schirmherrschaft übernommen und wird wieder als Nikolaus dabeisein“, sagt Anka Reiners. Für sie ist der Jubiläumsmarkt der letzte, für den sie verantwortlich sein wird. Ihre Aufgaben übergibt sie an Tochter Charlotte Lorenz. Als „Kind des Christkindlmarktes“ hat auch die 40-Jährige schon einiges erlebt. Zum Beispiel den Mann, der den Glühwein mit 100 Euro bezahlte und auf das Wechselgeld verzichtete.

Mit Eva Fink, Uta Schmölder-Herrmann und Edda Schürenkrämer stehen ihr erfahrene Weggefährtinnen zur Seite. „Wir alle sind mit dem Christkindlmarkt aufgewachsen“, sagt Lorenz. Die persönliche Atmosphäre und die gelassene Fröhlichkeit, die den Markt charakterisieren, sollen auch in Zukunft erhalten bleiben. Sie schätzt das Hand in Hand des Marktes – der Kerngedanke des Christkindlmarkts.

Der 40. Christkindlmarkt öffnet am Samstag, 1. Dezember, von 9 bis 18 Uhr auf dem Alten Markt in Mönchengladbach.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 23.11.2012

 
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