Kirche in der Region Mönchengladbach
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Für eine große Ausstellung wird der Schaftz des Mönchengladbacher Münsters restauriert

Auf die richtige Mischung kommt es an: Restauratorin Julia Giebeler retuschiert die reparierten Stellen mit speziellen Farben.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 23/2013

Ein Lifting für Christina

Für eine große Ausstellung wird der Schatz des Mönchengladbacher Münsters aufgearbeitet

Ab 29. September wird der Schatz des Mönchengladbacher Münsters in einer großen Ausstellung im Museum Schloss Rheydt präsentiert. Zurzeit werden die rund 150 Skulpturen, Bilder und Gefäße gereinigt und restauriert. Ein Blick über die Schultern der Kölner Restauratorin Julia Giebeler.

Die Stirn von Christina ist wieder geglättet, aber noch ziehen sich tiefe Furchen von ihren Augen über die Wangen zum Kinn. Restauratorin Julia Giebeler nimmt einen Holzstab, dreht etwas Watte über die Spitze und taucht sie in ein Lösungsmittel. „Zur Reinigung benutze ich Shellsol T“, erklärt die 30-Jährige und streicht mit dem feuchten Watteende vorsichtig von oben nach unten über die Wange der Heiligenbüste. Wo sich die Originalfarbe gelöst hat, lässt sie mit einem dünnen Pinsel etwas Bindemittel unter die abstehende Farbpartie laufen und drückt das Stück vorsichtig mit einem weichen Silikon-Applikator wieder an. Mit dem Heizspachtel, unter den Giebeler eine dünne Folie legt, wird der Trocknungsprozess schließlich beschleunigt.

 

Man soll die Geschichte der Objekte noch sehen

Bevor die barocke Reliquienbüste zurück nach Mönchengladbach kommt, werden noch die schadhaften Stellen auf ihrer Rückseite gekittet und retuschiert. Dafür liegen Farbpalette und Pinsel bereit. Mit Gouachefarben korrigiert sie die Stelle, in der Endretusche kommen Aquarellfarben zum Einsatz. Von Weitem wird man später nichts mehr von den Schäden sehen. Nur wer ganz nah an die Holzbüste herangeht und genau hinsieht, wird später erkennen, wo die Restauratorin Hand angelegt hat. In der Ausstellung im Museum Schloss Rheydt wird die Büste der heiligen Christina in neuem Glanz präsentiert.
Mit der Büste der Christina, einem Kruzifix sowie den Figuren der heiligen Servatius und Nikolaus arbeitet Julia Giebeler an den letzten vier der insgesamt elf Münsterschatz-Objekte, die sie restauriert. Die Diplomrestauratorin für Gemälde, Skulpturen und zeitgenössische Kunst hat ihr Handwerk an der Fachhochschule Köln gelernt. Im Museum Abteiberg hat sie ihr Volontariat absolviert und dabei auch die Stele des Künstlers Heinz Mack im Bunten Garten restauriert.
Die Jahre haben den Objekten zugesetzt: Staub und Schmutz haben sich über die Skulpturen gelegt, Feuchtigkeit hat dem Schimmel einen guten Nährboden bereitet, an manchen Objekten sind Stücke abgebrochen. Wie bei der Jesusfigur vom Kruzifix, die fast schwarz war, als Julia Giebeler sie mit ins Atelier nahm. Der linke Arm der Figur war abgebrochen, in der rechten Achselhöhle klaffte ein Loch.
Jetzt liegt die Jesusfigur auf dem großen Werktisch im Atelier. Der Körper ist hell, der abgebrochene Arm angebracht, das Loch nicht mehr zu sehen. Nur wer der Figur ganz nah kommt, bemerkt an der feinen Pinselführung, dass die Striche etwas anders sind als auf dem Rest der Figur. Das darf durchaus so sein. „Bei den Objekten des Münsterschatzes ging es vor allem darum, den Status zu erhalten“, erklärt Giebeler. „Die Figuren haben alle eine Geschichte, die noch zu erkennen sein soll.“


Der Staub hatte keine Chance, die Farbe blieb

So glänzt der heilige Nikolaus zwar wieder in einem schönen Dunkelbraun, doch die feinen Risse, die sich durch das Holz ziehen, erzählen dem Betrachter, dass die Figur schon viele Jahre alt ist. „Er hatte wohl ursprünglich eine Farbfassung“, sagt Giebeler. Hinweise darauf hat sie in den Falten seines Gewandes gefunden, wo rote Farbreste zu sehen sind. „Über die Jahrhunderte hinweg wurden die Figuren dem Zeitgeschmack auch angepasst.“ Weil die Farbreste zur Geschichte der Figur gehören, werden sie belassen. Der Staub dagegen, der auf Nikolaus lag, hatte keine Chance. Mit nebelfeuchten Spezialschwämmen befreit die Restauratorin die Figur von den unschönen Spuren der vergangenen Jahrhunderte.
Bevor die Restauratorin mit ihrer Arbeit beginnt, greift sie zu einer Kamera, um die Objekte zu fotografieren. Bis zur Fertigstellung wird die Restaurierung in Bildern dokumentiert. So werden die schadhaften Stellen in der Büste der heiligen Ursula genauso festgehalten wie die restaurierte Fassung der Büste, die den Betrachter mit strahlenden Augen anlächelt. Auf ihren Bildern sind auch die Schimmelbeläge deutlich zu sehen, die sich auf den Schultern des Servatius angesiedelt haben. Grobe weiße Farbreste einer früheren Fassung haben die Figur blass und ungepflegt aussehen lassen.
Die Arbeit ist immer wieder neu. „Jede Skulptur hat ihre Eigenheiten“, sagt die Restauratorin. Mit Atemschutz und Skalpell ist Giebeler dem Schimmel zu Leibe gerückt. Weil die Arbeit an der Figur so filigran war, hat sie die Arbeitsfelder unter dem Mikroskop vergrößert. „Die Figur stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist das älteste Objekt, das ich im Atelier hatte“, berichtet sie. Vorsichtig hat sie mit dem Skalpell die Schimmelteppiche und weißen Flächen abgetragen. Dafür war eine ruhige Hand notwendig, denn mit dem Werkzeug durften die darunter liegenden Farbschichten nicht verletzt werden. „Man soll einen Eindruck davon bekommen, wie er einmal ausgesehen hat“, erklärt Giebeler und deutet auf die blauen Farbreste, die Servatius zieren. „Das könnten Hinweise auf die Originalfarbe sein. Man sieht die Feinheiten der Schnitzerei wieder und dass er wahrscheinlich ein blaues Gewand hatte.“
Wie die Objekte restauriert werden, ist nicht allein die Entscheidung der Restauratorin. Sie macht zwar im Vorfeld ein Konzept mit ihren Empfehlungen. „Doch wenn man sich entscheidet, etwas freizulegen, wird das im Vorfeld diskutiert und abgestimmt“, sagt sie. Nur noch wenige Tage sind die Figuren bei ihr im Atelier zu Gast. Zurück in Mönchengladbach erwartet die Heiligen ein Fotoshooting für den Katalog, bevor die Gladbacher die Kunstwerke in der Ausstellung bewundern können.


Von Garnet  Manecke

Veröffentlicht am 10.06.2013

 
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