Kirche in der Region Mönchengladbach
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Pfarrer Albert Damblon, Mönchengladbach

Albert Damblon ist heute trotz der Krisen, die er im Priesterberuf erlebte, froh, nicht vor einer Klasse zu stehen oder eine Lok zu fahren.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 29/2013

Eine Laufbahn, wie sie üblich war

In Kindheit und Jugend von Pfarrer Albert Damblon war die Gemeinde ein Lebens- und Glaubenselixier

Ich bin nach meiner Berufungsgeschichte gefragt worden. Abgesehen davon, dass ich nicht genau weiß, was Berufung ist, fällt mir keine spannende Geschichte ein. Es beginnt in der Zeit, als ich mir wie fast jeder Junge überlegte, Lokführer, Lehrer oder Pfarrer zu werden.

Lokführer war mein Onkel, und die dampfenden Loks im Hauptbahnhof Aachen fand ich faszinierend. Lehrer war der Vater eines Freundes. Einen roten Lehrerkalender hätte ich gerne gehabt, um meine Klassenkameraden zu benoten. Den alten Pfarrer erlebte ich sonntags. Denn ich war Messdiener, und ab und zu hatte ich Dienst. Mehr als der Pfarrer interessierten mich die Kapläne, die die Jugendarbeit in unserer Gemeinde verantworteten. Katholisch sein gehörte zu unserer Familie. Darüber wurde zu Hause wenig gesprochen, und die Frömmigkeit hielt sich in Grenzen. Sonntags zur Messe, ab und zu in eine Maiandacht, zu mehr waren meine Eltern kaum zu bewegen.
Als Messdiener hatte ich zwar öfter in der Kirche zu sein. Weil ich aber dann meine Kumpels traf, freute ich mich sogar auf eine langweilige Rosenkranzandacht. Meine Eltern brauchten mich überhaupt nicht zu ermahnen, meine freiwilligen Pflichten zu übernehmen. Ich merkte auf dem Gymnasium das Unverständnis meiner Mitschüler. Sie akzeptierten den Einsatz und mich, ohne jedoch besonderes Interesse zu zeigen. Und ich schwieg.


Kirchlich wohlbehütet herangewachsen  

Ein Bekenner auf dem Gymnasium war ich nicht. Immerhin gab es dort eine Gruppe Neudeutschland, die ein Oberprimaner leitete. Über allem schwebte der geistliche Studienrat. Ich wurde Mitglied und machte regelmäßig die Zeltlager zu Pfingsten mit. Auf diese Weise wuchs ich kirchlich wohlbehütet heran. Selbst die Pubertät trieb mir nicht das kirchliche Leben aus.
Zum Heranwachsen gehörte meine Gemeinde dazu. Vielleicht war sie es, die die Überlegung, Priester zu werden, in mir wachhielt und im Laufe der Zeit verstärkte. Dennoch blieb ich bis zum Abitur unsicher. Als mich mein Klassenlehrer nach meinem Berufswunsch fragte, zuckte ich mit den Schultern. Ein kleines Zeichen hätte meine Abiturprüfung im Französischen sein können. Der Prüfer legte mir einen Text von Bernanos vor: „Journal d’un Curé de Cam-pagne – Tagebuch eines Landpfarrers“. Sein einziger Kommentar nach der Prüfung: „Sie sprechen ein Französisch mit Aachener Akzent.“
Das erste Studiensemester verbrachte ich an der Technischen Hochschule. Vielleicht war Lehrer für Mathematik und Chemie doch das Richtige. Aber irgendwie bekam ich den alten Pfarrer und die jungen Kapläne nicht aus dem Kopf. Ich meldete mich im Bistum und bekam genaue Anweisungen. 1967 begann ich an der Uni Bonn, Theologie zu studieren. Ich habe durchgehalten. Nach zehn Semestern ging ich in unser Priesterseminar und wurde 1973 geweiht. Alles verlief ohne Komplikationen. Auch die große Liebe ist während meines Studiums an mir vorübergegangen. Ich habe eine kirchliche Karriere durchlaufen, die früher häufig üblich war: Kommunionkind – Messdiener – Obermessdiener – Theologiestudent – Kaplan – Pfarrer.
Trotz der Krisen, die ich dann im Beruf durchstehen musste, bin ich froh, heute keine Lok zu fahren und in keiner Klasse zu stehen. Was mich nach 40 Jahren Beruf umtreibt, ist das Verschwinden der Gemeinde, die mich geprägt hat. Sie war für mich das Lebens- und Glaubenselixier. Die Heimatpfarrei ist
fusioniert worden, und sie gibt es heute nicht mehr. Gut, dass es sie zu meiner Jugendzeit gegeben hat.

Der Autor ist seelsorglich in der Pfarrei St. Vitus Mönchengladbach tätig.


Veröffentlicht am 23.07.2013

 
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