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Donum Vitae kritisiert frühe Bluttests zur Diagnose des Down-Syndroms

Silke Merse (l.), und Julie Kerstin Billmann (r.) – hier beim Teamgespräch – sind Beraterinnen im Team der Beratungsstelle von Donum Vitae in Mönchengladbach.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 03/2014

Jede hat das Recht auf Nichtwissen

Die Beratungsstelle Donum Vitae kritisiert die frühen Bluttests zur Diagnose des Down-Syndroms

Seit über zehn Jahren engagiert sich Donum Vitae in der Schwangerschaftskonfliktberatung. Die Beratung ist immer ergebnisoffen, weil jede Schwangere eine individuelle Lösung für sich finden muss.

Die aktuelle politische Entwicklung bei den frühen Bluttests macht dem Verein Sorgen. Die Idealvorstellung sieht so aus: Wenn eine Frau merkt, dass sie schwanger ist, dann jauchzt sie vor Freude, die Schwangerschaft verläuft unkompliziert und nach der Geburt wiegt die junge Mutter selig lächelnd ein rosiges, gesundes Baby in ihren Armen. Doch die Realität ist oftmals ganz anders: Frauen, die die Beratungsstelle von Donum Vitae in Mönchengladbach aufsuchen, sind oft verzweifelt. Oft sind sie allein stehend und fühlen sich überfordert, der Mann, Freund oder die Familie wollen das Kind nicht und fordern den Schwangerschaftsabbruch oder die Frauen selbst wollen kein weiteres Kind. Für das Beratungsteam geht es erst einmal darum, zuzuhören und sich ein Bild von der Gefühlslage und der persönlichen Situation der Frau zu machen, um die optimale Hilfe anzubieten. Und viele Frauen finden danach eine Weg für sich und ihr Kind.

Die Ängste der Frauen sind vielfältig, auch die Angst, dass ihr Kind eine Behinderung haben könnte, gehört dazu. Denn das Leben mit einem behinderten Kind können sich viele nicht vorstellen. Zu stark sind die Bilder von großem Leid und gesellschaftlicher Rand-Existenz. Die Anforderungen der Gesellschaft nach perfekten Kindern macht die Situation nicht leichter. Vor diesem Hintergrund sieht Gaby Dohmesen, Vorsitzende des Donum-Vitae-Regionalverbands Mönchengladbach, die Möglichkeit der frühen Bluttests zur Feststellung der Wahrscheinlichkeit von Trisomie 21, wie das Down-Syndrom medizinisch heißt, beim Kind festzustellen. „Solche Untersuchungen sind nur dann sinnvoll, wenn eine diagnostizierte Krankheit im Mutterleib behandelt werden könnte“, sagt Dohmesen. Aber beim Down-Syndrom ist das nicht der Fall. „Wir befürchten, dass die Tests lediglich der frühestmöglichen Selektion dienen.“

 

Die Tests sind teuer, die Krankenkasse zahlt nicht

Damit spricht Donum Vitae ein Problem an, das zwar noch nicht akut ist, es aber noch werden könnte. Derzeit werden diese PraeNa-Tests nur bei Schwangeren durchgeführt, bei denen ein erhöhter Verdacht auf Down-Syndrom beim Ungeborenen vorliegt. Außerdem ist der Test sehr teuer und muss von der Patientin selbst bezahlt werden. Dazu ist der Test erst ab der 12. Schwangerschaftswoche möglich, daher fällt er nicht in die Zeit, in der ein Schwangerschaftsabbruch nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz innerhalb der ersten zwölf Wochen möglich wäre.

 

Der Traum vom perfekten Kind ist heute groß

Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte und des damit verbundenen Wertewandels sieht Dohmesen dennoch Grund zur Sorge: „Bei einem so frühen Test besteht irgendwann die Gefahr der medizinischen Indikation.“ Obwohl das Testergebnis eine Wahrscheinlichkeit von 98 Prozent ausweist, wird eine anschließende Fruchtwasseruntersuchung unternommen, um das Ergebnis abzusichern. „Wir müssen uns fragen, wie wir in Zukunft damit umgehen wollen“, sagt Gaby Dohmesen. Der Traum vom perfekten Kind dürfe nicht über allem stehen. „

Wir müssen auf Gefahren in der gesellschaftlichen Entwicklung hinweisen, weil diese Tests den Wert des Menschen untergraben“, sagt Gaby Dohmesen. Dabei hat sie nicht nur das Leben der ungeborenen Kinder im Blick, sondern auch die Seelennot der Mütter. „Auch Schwangere haben ein Recht auf Nichtwissen“, sagt sie. In der Beratungspraxis erlebt das Beratungsteam oft, dass Untersuchungen und Verdachtsmomente zu tiefer Verunsicherung bei den Frauen führen kann. „Kein Test ist 100-prozentig“, weiß Dohmesen. „Und die Pränataluntersuchungen sind recht unsicher.“

 

438 Frauen suchten 2012 zum ersten Mal Rat

Allein 2012 führten die beiden Beraterinnen in Mönchengladbach 1177 Beratungsgespräche durch, 438 davon waren Erstberatungen. Gut die Hälfte fiel in die Kategorie der Schwangerschaftskonfliktberatung, in 104 Fällen waren Probleme in der Schwangerschaft der Anlass , 24 Frauen wandten sich nach der Geburt an das Team. Acht Frauen brauchten Beistand nach dem Tod ihres Kindes. www.donumvitae-mg.de


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 17.01.2014

 
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