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Bischöfliche Marienschule Mönchengladbach lud Grundschüler zum Experimentieren ein

Eine Kakerlake auf die Hand nehmen, ist nicht jedermanns Sache. Die Schülerinnen der 3a der Grundschule Bettrath-Hoven haben es trotzdem versucht.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 40/2012

Forschen in der Schule

Bischöfliche Marienschule lädt Grundschüler zu Experimenten ein

Die Bischöfliche Marienschule ist vor allem für die Förderung der musischen Begabungen ihrer Schüler bekannt. Dass auch die Naturwissenschaften ein starkes Standbein der Schule sind, wollten Lehrer und Schüler in einer Projektwoche zeigen.

An vier Tagen haben sie Grundschüler zu Experimenten in Biologie, Chemie und Physik eingeladen.

„Und wann knallt es?“, will Kevin wissen. Der Achtjährige schaut staunend durch seine große Schutzbrille auf das Reagenzglas vor sich, aus dem eine grüne Flüssigkeit gerade dichten Nebel verströmt. Zusammen mit seiner Klassenkameradin Felicia (9) sitzt er im Chemie-Raum und schaut sich die chemischen Reaktionen verschiedener Flüssigkeiten an. Im Mörser haben sie Rosenblätter mit Hilfe von etwas Sand und etwas Alkohol zerrieben und dann gefiltert. In dem dünnen Reagenzglas glänzt eine rote Flüssigkeit. Danach geben sie Kernseife, Natron, Essig und Zitronensaft zur Lösung und sehen, wie sich die Farbe der Flüssigkeit jedes Mal verändert: Grün, Lila, helles Rot.

Rund 400 Drittklässler aus Mönchengladbach und Viersen tummeln sich an vier Tagen durch die Gänge der Bischöflichen Marienschule und pendeln zwischen Chemie-, Biologie- und Physiksaal hin und her, um in kleinen Experimenten einigen Geheimnissen der Naturwissenschaften auf die Spur zu kommen. Unter dem Motto „Naturwissenschaften entdecken“ werden die Sieben- bis Neujährigen dabei von Schülern aus den 8. und 9. Klassen des Gymnasiums begleitet. „Das Tollste, das ich bei diesem Projekt entdecke, sind die Fähigkeiten unserer Schüler“, freut sich Physikleherer David Klein. „Im Umgang mit den Kleinen lernen sie viel und nehmen da auch einiges mit.“ Sie lernten konzeptionell zu arbeiten und ganz nebenbei vertieften sie den Unterrichtsstoff.

Gleich nebenan, im Biologiesaal, herrscht großer „Iiih“-Alarm. Auf dem Arm von Biologielehrer Roman Förster krabbelt eine Kakerlake. Fasziniert schauen drei Mädchen auf das flinke Tier. Nur zögernd halten sie ihre Arme hin. Immer, wenn das Tier von Försters Arm auf eine Mädchenhand wechseln soll, ziehen die Kinder kieksend ihre Hände zurück. „Ich trau mich nicht“, sagt eine. Aber irgendwann traut sie sich doch. Die Kakerlake krabbelt auf ihrer Haut. „Das kitzelt“, ruft sie und kichert.

 

Im Biologiesaal gibt es interessante Tiere mit hohem „Iiiih“-Faktor

Gekicher begleitet die Experimente an allen Plätzen. Wenn sich der Wasserteufel in der Flasche nicht bewegt und der 14-jährige Jannis versucht, den kurzen, mit Wachs und Büroklammer präparierten Trinkhalm in der Wasserflasche zum Auf- und Absteigen zu bewegen, amüsieren sich Jolina (8), Carola (7) und Ariane (8) prächtig. Auch als Ariane etwas zu viel flüssiges Wachs an ihren Trinkhalm gegeben hat und den Überschuss mit einem leisen Plopp auf den Tisch pustet.

„Dass so viele Kinder kommen, hätten wir gar nicht erwartet“, sagt Förster. „Ziel ist es, die Kinder selbst experimentieren zu lassen, um das Interesse an Naturwissenschaften zu wecken.“ Das will auch die Marienschule bei ihren eigenen Schülern erreichen. Die Labore für die Naturwissenschaften wurden vor kurzem renoviert und neu ausgestattet. So ist es möglich, an elektronischen Mikroskopen in Biologie zu forschen und die Bilder von jedem Gerät direkt auf eine Wand zu übertragen und der ganzen Klasse zu präsentieren. „In Arbeitsgruppen (AG) werden die Schüler an die Naturwissen- schaften herangeführt“, sagt Lydia Sonntag-Werkes, Lehrerin für Biologie und Chemie. In den AGs machen die Schüler ihre ersten eigenen Schritte in Sachen Forschung. „Dabei kommen die Schüler auch immer mit eigenen Ideen“, beobachtet Sonntag-Werkes. Wie bei dem Schüler, der zuhause die ungeliebte Pflicht des Geschirrspülens hatte. Weil sich Reste eines roten Tees beim Kontakt mit Spülmaschinentabs grün färbten, forschte er in der Schule, welche chemischen Reaktionen dafür verantwortlich waren. „Er ist nachher ein richtiger Experte auf dem Gebiet der Farbchemie geworden“, berichtet Sonntag-Werkes.

Auch Michèle (16) und Anna (16) sind Expertinnen auf ihrem Gebiet. Die beiden haben einen Konzentrationstest mit Hilfe eines elektronischen Spiels entwickelt. „Je mehr sich der Proband konzentriert, umso stärker ist der Luftstrom“, erklärt Anna. Die Konzentration wird über eine Art Kopfhörer übertragen. Mit einem Regler wird der Luftstrom gesteuert, auf dem ein kleiner blauer Ball durch einen Parcours balanciert wird. Mit ihrem Konzentrationstest haben die beiden Marien- schülerinnen beim Wettbewerb „Jugend forscht“ einen Sonderpreis gewonnen.

Wie bekommt man ein Ei in die Glasflasche, ohne dass es kaputt geht? Können Regenwürmer riechen? Wie finden Schnecken ihren Weg? Und können sie auch beißen? Wie funktioniert ein Stromkreislauf? Die Fragen, zu denen die Grundschüler forschen können, sind zahlreich. Ihr Wissensdurst ist unbegrenzt. Sie wollen wissen, was Schnecken fressen und schauen genau hin, wenn die kleinen Tiere auf ihren Armen eine Schleimspur hinterlassen.

„Im Sachunterricht machen wir immer viele Experimente, aber die Möglichkeiten, die es hier gibt, davon können wir nur träumen“, sagt Anette Senger, Lehrerin der 3a der Grundschule Bettrath-Hoven. „Wir haben ja weder die Ausstattung noch die Möglichkeit der vielen Helfer, die es hier gibt.“ Aber trotz der Begleitung durch ältere Schüler, hat David Klein die kleinen Gäste vorher instruiert, dass auch in der Wissenschaft auf Sicherheit geachtet werden muss. „An den Wasserkocher geht ihr nicht, da sagt ihr einem der großen Schüler Bescheid“, mahnt der Pädagoge die Kleinen. „Wer ein Experiment anfängt, muss es auch zu Ende machen. Und im Chemiesaal setzt ihr eine Schutzbrille auf.“

 

Am Ende knallt es im Chemiesaal – die Kinder freuen sich darüber

„Am meisten hat mir das Experiment mit den Rosen gefallen“, sagt Ariane. Auch Carola und Jolina fanden den blumigen Versuch am besten. Dass ihre Wasserteufel in der Flasche hoch und runter schwimmen, wie sie sollen, fasziniert das Mädchen-Trio auch. Am Ende bekommt Kevin doch noch seinen Knall zu hören, es raucht – die Schüler sind glücklich. Aufgeregt erzählend verlassen sie die Schule. In den kommenden Tagen wird sie der Tag noch beschäftigen.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 07.10.2012

 
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