Kirche in der Region Mönchengladbach
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Im Rahmen der Misereor-Fastenaktion besuchen auch Menschen aus dem Parnterland Kolumbien das Bistum Aachen, hier Mönchengladbach

Seine bunte Kette weist Rafael Yepez Gaitán als Gemeindeführer aus. Im Jugendheim St. Georg Neuenhoven hat er mithilfe einer Dolmetscherin von seiner Arbeit berichtet.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 08/2013

Neue Lebensräume schaffen

Im Jugendheim St. Georg in Neuenhoven erzählte Rafael Yepez Gaitán von seiner Arbeit in Kolumbien

Zur Fastenaktion 2013 reisen Vertreter von Misereor-Partnern aus Paraguay, Niger, Bangladesch und Kolumbien durch das Bistum Aachen, um über ihre Arbeit vor Ort zu berichten. In Neuenhoven war Rafael Yepez Gaitán zu Gast und sprach über die Probleme und Chancen seiner Gemeinde in Kolumbien..

Unter dem seit fast fünfzig Jahren in Kolumbien tobenden Krieg zwischen links orientierten Guerillagruppen auf der einen Seite und staatlichen Sicherheitskräften auf der anderen Seite hat besonders die ländliche Zivilbevölkerung zu leiden. Menschenrechte werden missachtet, Bauern von ihrem Grund und Boden vertrieben, wenn dort Bodenschätze gefunden werden.

Auch wenn internationale Großkonzerne sich ansiedeln, müssen die Bauern weichen. Die Unternehmen bauen dort in großem Stil Zuckerrohr und afrikanische Ölpalmen für die Herstellung von Biotreibstoffen an. Die Bauern bekommen neue Landareale zugewiesen, die meist in der Savanne liegen. „Das Problem ist, dass den Bauern nur die Oberfläche und ein Meter Erde darunter gehören", erzählt Rafael Yepez Gaitán. Der indigene Gemeindeführer stammt aus dem Gebiet Wacoyo und lebt jetzt in der Orinoko-Region des Landes, die in erster Linie durch weitläufige Savannen und Galeriewälder gekennzeichnet ist. Sobald die Bauern auf Bodenschätze stoßen, greift die Hand des Staates danach und vertreibt die Bauern wieder. Kolumbien ist reich an Bodenschätzen: Gold, Erdöl, Kohle, Kupfer, Eisen, Coltan und Uran sind dort zu finden. Der Kampf darum ist hart.

 

Ein harter Kampf um die Bodenschätze

Die indigene Bevölkerung muss unter diesen Bedingungen neu erlernen, den Boden der Savanne zu bewirtschaften. 2006 begann Rafael Yepez Gaitán deshalb, sich im Agrarökologischen Zentrum der Stiftung La Cosmopolitana fortzubilden, um dieses Wissen in seine Gemeinde zu bringen. Die Stiftung wird von Misereor unterstützt.
Für Yepez steht der biologische Anbau im Blickpunkt. „Seit 1993 werden in Kolumbien intensiv Pestizide eingesetzt", berichtet Yepez. „Das ist ein großes Problem." Dazu leide die Umwelt unter den Monokulturen von Palmen und Eukalyptus, aus denen Öle gewonnen werden. Diese Monokulturen laugen auf Dauer den Boden aus. Vom Staat werden sie wegen der guten Verdienstmöglichkeiten vielfach gefordert.
„Für uns ist es wichtig, auch in kleineren Strukturen zu denken", sagt Yepez, „ohne dabei den Weltmarkt aus den Augen zu verlieren." Deshalb geht es für Yepez in seinen Projekten nicht darum, jemanden zu bekämpfen, sondern akzeptable Lebensbedingungen und -räume für alle zu schaffen. Dazu gehöre auch, dass sich die indigenen Gemeinschaften gegen Menschenrechtsverletzungen wehrten, betont er.

 

 

Unterernährung und Diabetes nehmen zu

Die Verlockungen der modernen Welt sind ein weiteres Problem in einer von Armut geprägten Bevölkerung. „Die Jugend sieht vor allem das schnelle Geld und will lieber in den Fabriken arbeiten und früh Geld verdienen", erzählt Yepez. „Sie sehen nicht, dass sie zuerst studieren sollten." Auch der biologische Anbau wird nicht von allen Bauern weiter verfolgt. „Viele, die 2003 mit biologischem Anbau begonnen haben, haben wieder aufgehört, weil sie in der Ölproduktion größere Arbeits- und Verdienstchancen gesehen haben", sagt Yepez. Die Folgen für die Bevölkerung sind spürbar: Diabetes und Unterernährung der Kinder nehmen zu.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 23.02.2013

 
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