Kirche in der Region Mönchengladbach
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In der Region Mönchengladbach gedenken Menschen Opfern von Terror und Krieg

Bei der Aktion „Eine Millionen Sterne“ der Caritas gedachten die Menschen auch der Opfer der Attentate in Paris und der getöteten Babys aus Wallenfels.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 47/2015

Wo ist Gott in diesen Tagen?

In der Region Mönchengladbach gedenken die Menschen der Opfer von Terror und Krieg

In Paris starben Menschen bei Terror-Attentaten, in Wallenfels wurden acht Baby-Leichen gefunden, Gedenktage im November erinnern an die Opfer von Verfolgung und Krieg. Das wirft eine Frage auf, die sich Gläubige immer wieder stellen: Was macht Gott?

Das vergangene Wochenende stand in vielen Kirchen in der Region Mönchengladbach, Korschenbroich und Jüchen unter dem Eindruck der Bilder aus Paris. Terroristen, die auf Menschen schießen und sich in die Luft sprengen. „Gott ist groß“, sollen sie geschrien haben, als sie den Tod brachten. „Als in der Nacht zu Samstag klar wurde, dass es sich um Terror handelt, habe ich gedacht: Ist Gott wirklich groß?“, sagt Pfarrer Ulrich Clancett, Regionaldekan für die Region Mönchengladbach.

Wie kann Gott das zulassen? Diese Frage stellt sich nicht erst seit den Attentaten in Paris. Seit es die Menschheit gibt, leidet die Welt auch unter Kriegen und Unterdrückung. Vor einigen Tagen, am 9. November, wurde an die Pogromnacht 1938 in Deutschland erinnert. In deren Folge waren über 13 Millionen Menschen in ganz Europa dem Terror der Nazi-Diktatur zum Opfer gefallen. Kann man da von Gottes Größe sprechen?

 

Nur Frieden kann Gewalt auflösen – Stück für Stück

„Gott ist groß“, ist Clancett überzeugt. „Er ist so groß, dass er dem Menschen die Freiheit lässt. Auch die Freiheit, Böses zu tun.“ Wer sich auf die Suche nach Gott mache, finde ihn in den leisen Momenten. „Ich habe ein Bild gesehen, das zeigt, wie ein Polizist einer alten Dame über die Straße hilft“, nennt Clancett als Beispiel. „Um die beiden herum ist Chaos, dem Polizisten steht die Panik ins Gesicht geschrieben. Aber trotzdem hilft er der alten Frau, die nicht schnell laufen kann.“ In Momenten, in denen Menschen anderen helfen, die in Not sind, zeige sich Gott. Mit dieser Überzeugung ist Clancett nicht alleine, wie das Friedengebet, das die Gemeinschaft Sant’Egidio spontan in der Citykirche organisiert hatte, eindrucksvoll zeigt. Einträchtig stehen Gläubige aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, singen, beten und sprechen Fürbitten.

„Gewalt erzeugt neue Gewalt“, sagt eine Teilnehmerin. „Nur Frieden kann Gewalt auflösen. Stück für Stück.“ „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm 12,21) gilt einigen Mitgliedern der Gemeinschaft in diesen Tagen als Leitwort. In ihrer Arbeit zeigt die Gemeinschaft eindrucksvoll, wie das Miteinander funktionieren kann: In der Regenbogenschule kommen Kinder aus verschiedenen Kulturen und Religionen zusammen. Sie lernen, spielen, singen und beten gemeinsam. Beim traditionellen Weihnachtsessen sitzen Christen, Muslime und Angehörige anderer Religionen in der Citykirche an einem Tisch, um gemeinsam zu essen und zu feiern.

 

Gott in Gestalt eines kleinen Kindes im Stroh

Das sind Situationen, wie sie auch Clancett beschreibt. „Da zeigt sich Gott. Er ist nicht laut, er ist leise“, betont der Geistliche. Es gibt viele Bereiche, in denen Menschen Gott erfahren. Die Flüchtlingsarbeit, in der Menschen sich ehrenamtlich um jene kümmern, die vor Krieg und Terror geflohen sind, sei einer davon. In Garzweiler organisierten die Firmlinge für Flüchtlinge ein Familienfest. „Es wurde gefragt, ob das in dieser Situation zu machen sei“, berichtet der Regionaldekan. Die Jugendlichen sind zu dem Schluss gekommen, dass das Fest wichtig ist. Die Botschaft an die Gäste lautete: Wir sind für euch da. Eine Botschaft, die auch Weihnachten gesendet wird, wenn Gott in der Gestalt eines kleinen Kindes im Stroh einer Krippe erscheint.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 18.11.2015

 
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