Kirche in der Region Mönchengladbach
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Vor 125 Jahren wurde der Orden der Salvatorianerinnen gegründet

Schwester Angela (l.) lernte den Orden der Salvatorianer während ihres Studiums in Münster kennen. Schwester Gisela ist eine der ältesten Schwestern und gehört noch zu der Gruppe, die im Januar 1961 das Kloster von den Franziskanerinnen wieder übernahm.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 34/2013

Erinnerung an eine emanzipierte Frau

Vor 125 Jahren wurde der Orden der Salvatorianerinnen gegründet

Feststimmung bei den Salvatorianerinnen im Kloster Neuwerk: Vor 125 Jahren, am 8. Dezember 1888, gründeten Pater Franziskus Jordan und Therese von Wüllenweber den Orden der Salvatorianerinnen.

 Das Jubiläum wird auch in Neuwerk mit Gottesdiensten gefeiert. Bei einer Wanderung werden die ersten Lebensstationen der Mitgründerin besucht, die aus Korschenbroich stammt. Was die Salvatorianerinnen auszeichnet, kann Schwester Gisela ganz klar benennen: „Die Offenheit und die Natürlichkeit“, sagt die 91-Jährige. 1949 ist sie dem Orden beigetreten. Von der Mitbegründerin des Ordens, Therese von Wüllenweber, hatte sie bis dahin noch nichts gehört. „Das kam erst, als ich schon mit dabei war“, erzählt sie.

Heute ist die erste Oberin der Gemeinschaft im Kloster Neuwerk allgegenwärtig. 125 Jahre ist es her, dass sie gemeinsam mit Pater Franziskus Jordan in Rom die Ordensgemeinschaft gründete. Seit 1961 sind die Salvatorianerinnen in Neuwerk tätig und leben seitdem in der direkten Nachbarschaft zu den ersten Lebensstationen der Ordensgründerin. Eigentlich war Therese von Wüllenweber ein ganz anderes Leben bestimmt. Als Älteste von fünf Töchtern einer Adelsfamilie wird sie 1833 auf Schloss Myllendonk geboren. Erzogen und ausgebildet wird sie mit ihren Schwestern durch ihre Mutter und französische Gouvernanten.

Im Alter von 15 Jahren kommt sie in ein Pensionat der Benediktinerinnen, wo ihre Ausbildung abgerundet wird. Zurück auf dem elterlichen Schloss wird die junge Therese in die Pflichten einer zukünftigen Schlossherrin eingeführt: Die Mutter bringt ihr bei, wie man einen herrschaftlichen Haushalt führt, der Vater unterrichtet sie darin, wie Schloss und Ländereien richitg verwaltet werden. Ihre Familie gehört zu den christlich gesinnten Adeligen, die es als ihre Aufgabe betrachten, sich auch um arme Menschen zu kümmern. So kommt Therese schon früh in Kontakt mit einer Welt, die ganz anders ist, als ihr elterliches Zuhause.

 

Therese lernte als Tochter ihrer Zeit, einen adeligen Haushalt zu führen

Eine praktische Ausbildung ist auch für die Salvatorianerinnen der Gegenwart eine Selbstverständlichkeit. „Wir haben Lehrerinnen, Erzieherinnen und Krankenschwestern hier“, sagt Schwester Gisela. Sie selbst hat in ihrer aktiven Berufstätigkeit in der Verwaltung des benachbarten Krankenhauses gearbeitet. 32 Ordensschwestern im Alter von 40 bis 96 Jahren leben heute noch im Kloster Neuwerk, einige arbeiten im Krankenhaus oder sind in der Gemeinde aktiv. Die Jüngste, Schwester Angela, ist Lehrerin an der Bischöflichen Marienschule und unterrichtet Mathematik und Biologie.

Vor drei Jahren hat die 40-Jährige ihre Profess auf Lebenszeit abgelegt. Während ihres Studiums in Münster lernte sie zwei Salvatorianer kennen. „Das waren ganz normale Menschen“, sagt sie. Sie selbst gehört zu den Schwestern, die keinen Habit mehr tragen. Therese von Wüllenweber ist eine für ihre Zeit sehr gebildete Frau, das gibt ihr Selbstbewusstsein und eine innere Unabhängigkeit. Sie ist in der Lage, auch dann ihren Weg konsequent zu gehen, wenn sie damit bei anderen auf Unverständnis stößt. Schon früh zeigt sich bei der jungen Frau ihre tiefe Religiösität. Auch wenn in ihrer Familie der Glauben eine große Rolle spielt, dürften die Eltern nicht gerade begeistert gewesen sein, dass Therese ihr Erbe nicht antreten wollte, sondern ihr Leben ganz Gott weihen wollte.

Dass Thereses Pläne bei deren Eltern nicht auf breite Zustimmung stießen, ist eine Erfahrung, die Schwester Gisela aus ihrem eigenen Leben kennt. „Meine Mutter hatte von Nonnen immer das Bild, dass sie auf den Knien die Fußböden schrubbten“, erzählt die 91-Jährige lachend. Als sie sich für das Ordensleben entschied, lebte sie im Berlin der Nachkriegszeit. „Damals gab es noch die Zonengrenzen. Meine Mutter riet mir deshalb, zu den Salvatorianerinnen zu gehen. Sie sagte: ,Wer weiß, ob das klappt mir dir und dem Kloster. Dann kannst du mit der S-Bahn nach Hause kommen‘“, erinnert sich Schwester Gisela.

 

Im Alter von 45 Jahren hatte sie ihr Lebensziel noch nicht gefunden

Diese Option zog Schwester Gisela nie - ebensowenig, wie es für Therese von Wüllenweber ein Zurück gab. „Sie hat sich mit Missionsgedanken getragen“, sagt Schwester Gisela. „In Pfarrer Ludwig von Essen, der damals in Neuwerk tätig war, fand sie einen Seelenverwandten.“ 1876 pachtet Therese den Ostflügel des Klosters Neuwerk, den sie drei Jahre später kauft. Sie nimmt Waisenkinder auf und unterrichtet Kinder und junge Mädchen – aber ihr Lebensziel hat sie auch im Alter von 45 Jahren noch nicht gefunden.

Die Wende kommt, als sie Pater Franziskus Jordan über eine Annonce kennenlernt. Sechs Wochen nach ihrer Begegnung legt Therese die Gelübde der Armut, des Gehorsams und der ehelosen Keuschheit ab. Doch es soll noch weitere sechs Jahre dauern bis die Schwesterngemeinschaft der Salvatorianerinnen gegründet wird. Erst im Herbst 1888 kommt für sie der Ruf aus Rom. Am 8. Dezember 1888 werden die ersten Salvatorianerinnen in Tivoli bei Rom eingekleidet – aus Therese von Wüllenweber wird Schwester Maria von den Aposteln. Am 13. Oktober 1968 wurde sie in Rom selig gesprochen. Noch heute ist sie in Neuwerk gegenwärtig. Die GdG aus Neuwerk, Bettrath und Uedding ist nach ihr benannt ebenso wie das Krankenhaus. An der Kirche St. Andreas Korschenbroich, ihrer einstigen Heimatgemeinde erinnert eine Gedenkplakette an die Mitgründerin der Ordensgemeinschaft. In ganz Deutschland gibt es heute elf Niederlassungen der Salvatorianerinnen. Gemeinsam mit der Ordensgemeinschaft der Salvatorianer sowie den salvatorianischen Laien bilden sie die drei Zweige der weltweiten Salvatorianischen Familie.

 

Info

www.klosterkirche-neuwerk.de und www.salvatorianerinnen.de


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 26.08.2013

 
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