Kirche in der Region Mönchengladbach
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In Mönchengladbach fing Garnet Manecke verschiedene Stimmen zur Papstwahl ein

Bis zur offiziellen Amtseinführung des Papstes am vergangenen Dienstag waren die Vatikan- und Kirchenfahnen am Franziskaner-Kloster gehisst.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 12/2013

Akt der Barmherzigkeit

Hilfe für Gestrauchelte wird von Papst Franzsiskus erwartet

Die Wahl des Papst-Namens ist Programm: Im Einklang mit Gott und der Natur lebte einst Franz von Assisi. In einer wohlhabenden Familie geboren, entsagte er dem Reichtum und widmete sich den Armen.

Auch von Papst Franziskus ist bekannt, dass sich der Jesuit als Bischof in Buenos Aires dem einfachen Leben zuwandte.

Fotos zeigen ihn, wie er Obdachlosen die Füße wäscht, er benutzte Straßenbahn und Bus. In seinem ersten Angelus-Gebet predigte er Barmherzigkeit. Das gibt auch denen Hoffnung, die sich in Gladbach um diejenigen kümmern, die am Rande der Gesellschaft leben.


Edmund Erlemann, Vorsitzender des Volksvereins, ist das Gesicht des Volksvereins, der sich für Langzeitarbeitslose und arbeitslose Jugendliche einsetzt. Für sein Engagement wurde er 2011 von Zeitungslesern zu „Gladbachs Bestem“ unter 50 Prominten gewählt.
„Die Schlichtheit, mit der Papst Franziskus nach seiner Wahl aufgetreten ist, hat mir sehr gut gefallen“, sagt der 78-Jährige. „Er hat ein einfaches Kreuz, statt des mit Edelsteinen und Gold geschmückten, getragen und auf den Hermelin-Umhang verzichtet, obwohl es auf dem Balkon sicher recht kalt war.“ Auch dass sich der Papst von den Gläubigen habe segnen lassen und sich dabei verneigt habe, sei ihm aufgefallen. „Das bedeutet, dass das Volk Gottes auch Kompetenz hat.“
Dass er den Namen Franziskus für sich gewählt habe, sei Ausdruck eines persönlichen Programms. „Wenn er dem folgen kann, ist er ein wahrer Schmuck innerhalb dieser Kurie, in der mit Reichtum geprotzt wird“, sagt Erlemann. „Ich wünsche mir, dass er die Kraft hat, diese Kurie auszutrocknen.“ Erlemann hofft auch, dass das Thema der globalen Armut präsenter wird. „Ich wünsche mir, dass der neue Papst klar sagt, was dahinter steckt“, hofft Erlemann. „Mit einer eindeutigen Verurteilung des international agierenden Kapitalismus, der mit dem Evangelium und dem franziskanischen Bild unvereinbar ist.“
Aber der Geistliche hat auch Bedenken, wenn er auf das Pontifikat blickt. „Ich habe die Sorge, dass er in innerkirchlichen Fragen ebenso konservativ ist, wie alle anderen“, sagt Erlemann. „Ich befürchte, dass wiederverheiratete Geschiedene weiter exkommuniziert bleiben, dass wir bei Fragen der Sexualmoral nicht weiterkommen und auch die ungeklärten Fragen in Sachen Homosexualität nicht gelöst werden.“ Erlemann glaubt, dass Papst Franziskus in kirchlichen, moralischen und liturgischen Fragen zu sehr von konservativen Gedankengängen geprägt sei. Im Sinne des heiligen Franziskus hofft Erlemann darauf, dass das neue Kirchenoberhaupt in Rom Mut und Kraft hat, Widerständen gegenüberzutreten.


Gabriele Brülls, Sant’ Egidio, engagiert sich zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Manuela seit fast 20 Jahren in der Gemeinschaft Sant’Egidio. Neben der Regenbogenschule, in der Kinder betreut werden, werden zu Weihnachten Arme und Obdachlose zu einem großen Fest eingeladen. Die Gemeinschaft versteht sich dabei als Familie auf Augenhöhe. Für ihr Engagement wurden die Schwestern von der KG „Immer lustig“ geehrt und dürfen sich nun auch offiziell „Menschen der guten Tat“ nennen.
„Ich habe mich gefreut, dass die Wahl auf einen Bischof aus Lateinamerika fiel“, sagt Gabriele Brülls. „Er bringt ganz andere Erfahrungen mit. Das wird der Kirche gut tun.“ Brülls glaubt, dass man viel von dem Papst erwarten kann und ist überzeugt, dass er eine tiefe Spiritualität hat. „Ich erhoffe mir, dass er nahe an den Menschen ist“, sagt sie. „Ich weiß zu wenig von ihm, um das beurteilen zu können. Aber er hat den Ruf, dass er nah an den Armen ist.“ Von der Gemeinschaft Sant’Egidio in Buenos Aires weiß sie, dass er als Erzbischof Jorge Mario Bergoglio auch am Weihnachtsessen mit den Armen teilnahm und zusammen mit Mitgliedern der Gemeinschaft Brot zu den Obdachlosen der Millionenmetropole brachte. Beeindruckt habe sie, dass Papst Franziskus die Gläubigen um ein Gebet für ihn bat. „Ich denke, er ist jemand, der sich auf uns verlässt und erwartet, dass wir ihm helfen“, sagt Brülls.


Pater Wolfgang Thome, Guardian des Franziskaner-Klosters, lebt in der Tradition des heiligen Franziskus. Teile des Klostergebäudes werden heute von einer Einrichtung für betreutes Wohnen für Obdach- lose genutzt. Bis zur Amtseinführung des Papstes am vergangenen Dienstag wurden am Kloster die Vatikan- und Kirchenfahnen gehisst. „Wir haben viele Glückwünsche bekommen, weil sich der Papst nach Franziskus benannt hat“, erzählt Pater Wolfgang Thome. „Als Orden sind wir ihm direkt unterstellt. Insofern ist es wichtig, dass wir eine gute Beziehung zum Papst haben.“ Er hoffe, dass der Papst die Orden positiv im Blick habe, da er selbst ein Ordensmann sei. Dabei wünscht sich der Geistliche, dass auch der Orden als Lebensraum mehr in den Blickpunkt kommt.
Auch das Thema Barmherzigkeit liegt dem Franziskaner am Herzen. „Es gibt viele Leute, die sich Dinge vorgenommen haben, die sie aber nicht durchhalten“, erfährt er immer wieder. Priester, die heiraten wollen; Ehen, die auseinander gehen; Ordensleute, die ihre Gelübde brechen. „Könnte der Papst für diese Fälle nicht Räume schaffen, in denen sie leben und sich auch weiter engagieren können?“, fragt Thome. „Könnte ein Priester, der geheiratet hat, nicht weiter priesterlich tätig sein, ein Ordensmann nicht weiter seelsorgerisch, Geschiedene eine neue Partnerschaft eingehen?“ Im Moment gebe es nur den Ausschluss aus der Kirche. Das zu ändern, sei ein Akt der Barmherzigkeit in der Kirche. „Je mehr Menschen wir auf dem Weg zu Jesus mitnehmen, umso besser“, findet Pater Thome.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 23.03.2013

 
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