Kirche in der Region Mönchengladbach
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Kita-Kinder bereiten sich auf Mönchengladbacher Heifa vor

Die persönlichen Heiligtümer sind Schätze, die in einer Schatzkiste aufbewahrt werden. Zusammen mit den Kindern spricht Erzieherin Barbara Haase darüber, was ein Heiligtum ausmacht.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 22/2014

Die Heiligtumsfahrt aus Sicht der Kinder

In den Kindergärten bereiten sich die Jüngsten auf das Ereignis vor

Die Heiligtumsfahrt ist nicht nur ein Ereignis für Erwachsene. Für Vorschulkinder etwa ist es eine Gelegenheit, den Glauben zum ersten Mal sinnlich zu erfahren und mit ihrem eigenen Leben in Verbindung zu bringen. Darauf bereiten sich die Fünf- bis Sechsjährigen seit vielen Wochen intensiv vor.

Ein Besuch bei der „Schulkinder-Gruppe“ des Katholischen Kindergartens Liebfrauen. Ryans (5) Heiligtum ist seine Rakete, mit der er so gerne spielt, Paulina (5) ist ihre Katze Milka heilig, Lotta (6) findet ihre Familie und Freunde besonders wichtig, für Nina (5) und Sena (5) sind ihre Kuscheltiere sehr wertvoll. Mit konzentriertem Blick schauen die Kinder auf das Papier vor ihnen auf dem Tisch. Beherzt greifen sie zu den Buntstiften in der blauen Schale und geben ihren Heiligtümern eine Form. „Was ist mir heilig?“, lautet die Frage des Tages, ihre Antwort darauf sollen die Kinder malen. Seit Januar bereiten sich die „Schulkinder“ des Katholischen Kindergartens Liebfrauen auf die Heiligtumsfahrt vor. Jeden Mittwoch treffen sich die elf Fünf- und Sechsjährigen im Gruppenraum, sprechen über Reliquien und über Heilige, denken über Gebete nach, üben Lieder oder basteln Pilgerutensilien.

Heute werden die ganz persönlichen Heiligtümer gemalt. Jedes Kind hat einen eigenen Zugang zu dem Thema. Die Kinder ihrem Alter entsprechend an Themen heranzuführen, die selbst für Erwachsene oft schwer zu verstehen sind, ist die große Kunst, die Erzieherin Barbara Haase und ihre Kolleginnen vollbringen. Denn jedes Thema muss auf die Ebene der Kinder heruntergebrochen und spannend aufbereitet werden. Die große Ausstellung zum Münsterschatz im Schloss Rheydt kam dafür nicht infrage. „Mit meiner zwölfjährigen Tochter habe ich die Ausstellung besucht“, erzählt die Erzieherin. „Ich fand sie sehr gut, aber für die Kindergarten-Kinder ist das zu viel.“

Mit den Vorschulkindern hat sie eine Münster-Rallye gemacht. Schon vor dem Besuch der Basilika haben die Kinder auf Fotos markante Heiligenfiguren und Kunstwerke aus dem Gotteshaus kennengelernt. „Mit den Bildern in der Hand haben sie sich dann auf die Suche gemacht, die Dinge im Münster wiederzufinden“, erzählt Haase. Dabei haben die Kleinen spannende Entdeckungen gemacht. Zum Beispiel die, dass es eine Zeit ohne Zahnfee gab. „Die Kinder fanden es ganz spannend, dass es früher Brauch war, den ersten Zahn eines Kindes der heiligen Appolonia zu opfern“, berichtet Haase. Ryan, Sena, Nina und die anderen haben die Schutzpatronin der Zahnärzte kurzerhand zu ihrer „Heiligen Zahnfee“ erklärt.

 

Auch Kindergartenkinder machen sich ernsthafte Gedanken

Bei der Beschäftigung mit der Geschichte der Heiligen und dem Grund der Heiligtumsfahrt machen sich auch Kindergartenkinder ernsthafte Gedanken. „Die Kinder sind wahnsinnnig interessiert an dem Thema“, beobachtet Haase. „Man merkt, dass sie wie ein Schwamm alles aufsaugen.“ Für die Wahl ihrer Heiligtümer haben sie gute Begründungen. Paulina hat von ihren zwei Katzen Milka und Mohri die Milka gewählt. Der Fünfjährigen ist ein wichtiger Unterschied im Charakter der Tiere aufgefallen. „Mohri ist nicht so nett wie Milka“, sagt das Mädchen. Auch mit Gebeten haben sich die Kinder intensiv auseinandergesetzt und ihre Gedanken in Bildern ausgedrückt. Jedes Kind hat sein eigenes Gebetsleporello illustriert, in dem Morgengebete, vier Tischgebete und Abendgebete drin stehen. Mit den eigenen Bildern ist so für jeden ein kleines Gebetbuch entstanden, das sie mit nach Hause nehmen konnten und zusammen mit Eltern oder größeren Geschwistern nutzen.

Als Grundlage für die Vorbereitung der Kinder auf die Heiligtumsfahrt dient Barbara Haase ein Leitfaden, den sie von der Vorbereitungsgruppe zur Verfügung gestellt bekommen hat. In einem Seminar ist den Erzieherinnen aus der Region Mönchengladbach der Ablauf der Heiligtumsfahrt zur ersten Orientierung vorgestellt worden. Das Interesse ist groß: Rund 600 Vorschulkinder sind zur Teilnahme angemeldet worden. Damit die Heiligtumsfahrt für Kinder wie Betreuer zu einem Erlebnis wird, werden an zwei Vormittagen jeweils 300 Kindergartenkinder dem Stück Tuch, das beim letzten Abendmahl auf dem Tisch gelegen haben soll, begegnen. Für die Liebfrauen-Kinder ist der Moment der Schatzkiste gekommen. Hier werden die Heiligtümer aufbewahrt. Ihr Zeichnungen haben sie beschriftet und laminiert, jetzt wird Bild für Bild in die mit bunten Edelsteinen geschmückte Kiste gelegt.

Dass es auch im Münster einige Schatzkisten gibt, haben die Kinder bei ihrer Rallye gelernt. Zwar sehen sie oft wie Gefäße aus, mit allerlei Schmuck sind sie aber auch verziert. „Wie heißen die Schätze darin?“, fragt Barbara Haase. Die Kinderstirnen legen sich in nachdenkliche Falten. „Das ist das schwierige Wort“, hilft die Erzieherin. Der entscheidende Tipp für Paulina, die stolz „Reliquien“ in die Runde ruft. Die Fünfjährige kennt auch die Namen der für die Stadt Mönchengladbach wichtigsten Heiligen: Benedikt, nach dem der Orden der Stadtgründer benannt ist, Vitus, in dessen Büste die Reliquien in einem kleinen Fach im Hinterkopf aufbewahrt werden, und Laurentius. „Und die heilige Nina“, ruft Paulina und schaut dabei kichernd auf das Mädchen mit den Zöpfen neben ihr. „Wir haben auch eine heilige Nina.“

Dass St. Martin und St. Nikolaus ebenfalls Heilige sind, fällt den Kindern nach einigem Nachdenken wieder ein. Wo und wie die Themen der Heiligtumsfahrt in ihrem Leben eine Rolle spielen, haben die Kinder erörtert, als sie über die Bedeutung des Satzes „Der Herr ist mein Hirte.“ gesprochen haben. „Dabei haben sie überlegt, was ein Hirte denn überhaupt macht. In Bezug auf ihr Leben haben die Vorschulkinder selbst den logischen Schluss gezogen, dass sie in der Beziehung zu Gott die Rolle des behüteten Schafes einnehmen.

 

Die Kinder als Schafe in einer von Gott behüteten Herde

Im Foyer des Kindergartens an der Bettrather Staße gibt es dazu eine Collage, die die Kinder erarbeitet haben. Im Zentrum steht ein lächelnder Hirte, um ihn herum stehen fröhliche Schafe. Jedes Schaf trägt den Namen eines Kindes. Umrahmt ist die kleine Herde mit tellergroßen Bildern, auf denen die Kinder gemalt haben, was ihnen Gott alles gibt: Essen, einen Platz zum Leben, ein Zuhause, in dem sie sich geborgen fühlen, Sonnenschein, Familie und Freunde.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 06.06.2014

 
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