Kirche in der Region Mönchengladbach
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In Mönchengladbach #geht die Seelroge der Maria-Hilf-Kliniken neue Wege

Die Figur des heiligen Franziskus bleibt.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 10/2014

Die Klinikkirche wird mobil

Mit „Kirche macht Station“ geht die Krankenhausseelsorge Mönchengladbach direkt ans Patientenbett

In Mönchengladbach bauen die Kliniken Maria Hilf ihr Krankenhaus St. Franziskus zur Großklinik aus. Für das Team der Seelsorger birgt das ein Problem: Der Standort der Krankenhauskapelle verschiebt sich von einer zentralen Lage an den Rand der Klinik.

Um den Patienten weite Wege zu ersparen, bringen sie die Kirche ans Krankenbett. Die Holzversion musste verworfen werden – der Brandschutz erlaubte es nicht. Dabei wäre Holz so passend gewesen: Es symbolisiert die Verbundenheit zur Natur, die dem heiligen Franziskus so wichtig war. Es ist ein schlichtes Material, das mit seiner Maserung einen Kontrast zu den glatten, glänzenden Flächen im Foyer des Krankenhauses bildet. Und schließlich strahlt es Wärme und Vertrauen aus. Aber die Vorschriften des Brandschutzes sind da unerbittlich, und so wurde das Konzept ein Fall für den Papierkorb. Rund eineinhalb Jahre hat das ökumenische Team der Krankenhausseelsorger zusammen mit Designer Johannes Jansen an Ideen gefeilt. Im Mönchengladbacher Krankenhaus St. Franziskus heißt es ab Ostern „Kirche macht Station“.

 

Mit mobilem Ambo wird am Krankenbett gebetet

Die Idee der mobilen Kirche ist einfach: Zu den Patienten, die den Weg in die Kapelle nicht bewältigen können, kommt die Kirche einfach direkt ans Krankenbett. Mit einem mobilen Ambo besuchen die Seelsorger die Patienten, um mit ihnen einen Gottesdienst zu feiern und ins Gespräch zu kommen. Die ersten Überlegungen zu dem Projekt entstanden durch den Ausbau des Krankenhauses in Mönchengladbachs Norden: Mit jedem Bauabschnitt rückte der bis dahin zentrale Standort der Krankenhauskapelle mehr und mehr an den Rand. Damit veränderten sich auch die Wegstrecken für die Patienten, die gerne einen Gottesdienst besuchen wollten. „Die Onkologie liegt 500 Meter von der Kapelle entfernt“, sagt der katholische Krankenhausseelsorger Jürgen Schmitz. Für Krebspatienten ist diese Strecke unüberwindbar. Dabei ist der Weg noch vergleichsweise kurz: Die längste Strecke misst derzeit 1800 Meter. Mit den weiteren Bauabschnitten wird sich der Weg noch verlängern.

 

Rund 1800 Meter von der Station bis zur Kapelle

Für die Krankenhausseelsorger stellte sich die Frage, wie den Patienten trotzdem die Teilnahme an Gottesdiensten ermöglicht werden könnte. Die Lösung: Kann der Patient nicht zur Kirche kommen, geht die Kirche halt zu ihm. Für die Realisierung der Idee holte das Seelsorger-Team Johannes Jansen von der Gesellschaft für Objekt- und Raumgestaltung Freimeister mit ins Boot. Der Querdenker brachte die Seelsorger mit seinen Fragen von der ersten Idee eines fahr- und aufklappbaren Modells einer Kirche ab. „Interessant für uns war, dass wir von ihm aus der Distanz auf ganz neue Wege gelockt wurden“, sagt Jürgen Schmitz. „Wenn man eine Kernidee hat, ist die Frage, wie man das Anliegen so umsetzt, dass es ein schönes Ritual ist“, fasst Jansen die Grundbedingungen zusammen. Die Rahmenbedingungen änderten sich, als die Seelsorger von der Krankenhausleitung gebeten wurden, auch eine Wand im Foyer der Klinik zu gestalten. Die sollte ein Blickfang werden, aber nicht aufdringlich sein. Und die Figur des heiligen Franziskus musste darin integriert werden.

 

Schatten skizzieren ein Kreuz an der Wand

Im Bereich des Haupteingangs, direkt gegenüber des Empfangs, wird nun eine reliefartige Wandfläche aus weißen Quadraten gestaltet. Durch den Schattenwurf der vorstehenden Kanten wird an der Wand ein Kreuz skizziert. Auf einem kleinen Podest findet die Figur des heiligen Franziskus ihren neuen Platz am alten Standort. Herzstück ist der mobile Ambo, der die geschwungene Form des Franziskus-Kreuzes erhält. „Wir wollten dem Triumph des rechten Winkels im Foyer etwas entgegensetzen“, beschreibt Herbert Schimanski, evangelischer Seelsorger, augenzwinkernd die Form. Als Kunstwerk sollte der Ambo ein Blickfang sein, aber auf keinen Fall protzig aussehen. Gleichzeitig durfte er nicht zu schwer werden, damit er leicht transportiert werden kann. Die Wahl des Materials fiel auf brüniertes Messing. „Das sieht ein wenig verwittert aus“, sagt Jansen. „Die Wirkung von hochglänzendem Messing wäre mit der franziskanischen Bescheidenheit nicht vereinbar gewesen.“ Wichtig war dem Team, dass eine Möglichkeit der Kommunikation zwischen Patienten, Angehörigen, Besuchern und den Seelsorgern entstand. Ein Briefkasten sollte es sein, aber in einer anderen Form als üblich. Denn auf keinen Fall sollte der Eindruck eines Kummerkastens entstehen. Auch wenn Sorgen und Nöte zentrale Themen in der Patienten-Seelsorge sind, sollte auch dazu eingeladen werden, positiven Gefühlen Ausdruck zu geben.

 

Tisch, Altar, Kunstwerk und Briefkasten in einem

Inspiriert von der Klagemauer, in die Gläubige kleine Zettel mit ihren Wünschen, Hoffnungen, Sorgen und Fürbitten stecken, sollte auch in der Wandgestaltung eine solche Möglichkeit bestehen. Das Konzept mit einem mobilen Stein, in den viele Löcher für die Zettel gebohrt werden sollten, wurde aus Kostengründen wieder verworfen. Insgesamt drei umsetzungsreife Konzepte mussten im Verlauf des Planungsprozesses wieder aufgegeben werden. Für die Seelsorger eine frustrierende Erfahrung. Schwierig war vor allem, dass von außen immer wieder neue Anforderungen an das Konzept gestellt wurden. Geholfen hat in dieser Situation, dass die Geschäftsführung der Klinik die kritischen Punkte direkt mit dem Designer geklärt hat. „Damit hat sie schnell in den Prozess hineingefunden“, sagt Jansen. „Der Vorteil ist, dass hinter dem jetzigen Ergebnis jeder steht“, ergänzt Seelsorger Andreas Kamphausen. Auch für den Briefkasten wurde eine unkonventionelle Alternative zu der Steinlösung gefunden: Der Ambo dient nicht nur als mobiler Altar, Tisch und Schrank, sondern auch als Briefkasten. Ein kleiner Zettelblock lädt dazu ein, seine Gedanken aufzuschreiben. Der Zettel kann dann in einen in die Oberfläche eingeworfenen Schlitz eingeworfen werden. Knapp 20000 Euro wird die mobile Kirche kosten. Finanziert wird sie zum größten Teil aus Spenden, einen Teil der Kosten übernimmt die Klinik.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 07.03.2014

 
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