Kirche in der Region Mönchengladbach
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Amnesty International macht auf den internationalen Menschenhandel aufmerksam

Menschenhändler behandeln ihre Opfer wie eine Ware. Zusammengepfercht in Verstecken werden sie illegal über Grenzen gebracht und verkauft. Mit diesem Bild macht Amnesty International auf die Qual der Opfer aufmerksam. 79 Prozent der Opfer sind Kinder.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 27/2012

Die Geschichte von Florinita

Schüler des Berufskollegs Rheydt-Mülfort informierten sich über das Thema Menschenhandel

Seit einigen Wochen beschäftigt sich Simone Hilgers mit ihren Schülern am Berufskolleg Rheydt-Mülfort für Wirtschaft und Verwaltung mit den Themen Menschenhandel und Zwangsprostitution.

Obwohl die 17- bis 19-Jährigen gut vorbereitet waren, entsetzte sie, was sie beim Besuch einer Mitarbeiterin der Aachener Beratungsstelle Solwodi hörten und sahen.

Ihr Name soll nicht in der Zeitung stehen und fotografieren lassen möchte sie sich auch nicht: Immerhin geht es bei Menschenhandel und Zwangsprostitution um organisierte Kriminalität – und ein Millionen-Geschäft. Aber gegenüber den Schülern ist die Sozialpädagogin der Organisation Solwodi Aachen ganz offen. Solwodi kümmert sich um Frauen und Mädchen, die von Menschenhändlern verschleppt und zur Prostitution gezwungen werden.

Ein Projekt, das Solwodi anbietet, ist Stella, die erste Beratungsstelle für Frauen in der Prostituion in Aachen. Drei Mitarbeiterinnen helfen Frauen mit Migrationshintergrund, stehen ihnen bei Problemen zur Seite und helfen auch beim Ausstieg. Besonders letzteres erweist sich in der Praxis oft als schwierig. Eine, die es geschafft hat, ist die 19-jährige Florinita, deren Geschichte in der ZDF-Dokumentation „Balkanroute“ von Ulrike Baur gezeigt wird. Der Film, den die Sozialpädagogin nach ihrem Referat zeigt, macht deutlich, dass die Zahlen und Umstände, die Grün-de für das Schweigen der Opfer vor der Justiz und der große Druck der Angst bei den betroffenen Frauen real sind.

Die Rumänin Florinita bekam von dem Nachbarn ihres Elternhauses, mit dem sie jahrelang Tür an Tür gelebt hatte, das Angebot für eine gut dotierte Stelle als Kellnerin in Deutschland. Die Armut und Enge ihres Elternhauses, die Aussicht auf einen Auslandsaufenthalt gemischt mit Abenteuerlust ließen Florinita die Reise antreten. Doch das Lokal, in dem sie arbeiten sollte, entpuppte sich als Bordell, der Chef war ein Zuhälter, mit Schlägen und Vergewaltigungen wurde das junge Mädchen gefügig gemacht. Bis ihr die Flucht gelang.

 

Korruption macht die Strafverfolgung schwierig

Dass Florinita vor der Kamera über ihr Schicksal sprach, ist ein äußerst mutiger Schritt. Denn noch immer ist sie vor ihren Peinigern nicht sicher. Der Zuhälter droht ihr im Interview mit der Reporterin sogar vor laufender Kamera.

In ihrem Arbeitsalltag erleben drei Mitarbeiterinnen von Solwodi die Angst bei den Frauen. „Wenn man sie anspricht, steht in der Nähe meist ein Bewacher, der versucht mitzuhören“, berichtet die Sozialpädagogin aus ihrem Alltag als Streetworkerin. Auch in Deutschland werden Frauen zur Prostitution gezwungen. Die meisten kommen aus Moldawien, Bulgarien, Rumänien oder einem afrikanischen Land. Dabei sind nicht nur Frauen betroffen. „Laut Amnesty International sind 80 Prozent der Opfer von Menschnehändlern Kinder“, sagt die Referentin.

Korruption mache die Strafverfolgung der Täter schwierig, erfahren die 20 Schüler, die merklich betroffen sind. Das Bild von Menschen, die im Boden eines Busses eingepfercht sind, macht sie genauso sprachlos, wie der Film über Florinita. Sie hören, wie Opfer durch fehlende Sprachkenntnisse und mangelnde Ortskenntnisse isoliert sind, dass Eltern ihre Töchter, Männer ihre Frauen und Freundinnen verkaufen. Eine Lösung kann nur grenzüberschreitend gefunden werden.

www.solwodi.de


Von Garnet  Manecke

Veröffentlicht am 06.07.2012

 
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