Kirche in der Region Mönchengladbach
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Küchenchef Antonio Silvani und sein Team vom mobioiel Mahlzeitdienst der Caritas in Mönchengladbach

Frische Produkte aus der Region verarbeiten Küchenchef Antonio Silviani (rechts oben, M.) und sein Team für den mobilen Mahzeitendienst. Die Gerichte werden in den Küchen der drei Seniorenzentren in Giesenkirchen (rechts unten), in Holt und Rheydt zubereitet.

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Aus der Kirchenzeitung, Ausgabe 01/2013

Essen für die Nachbarn

Die Caritas startet mit dem mobilen Mahlzeitendienst neu durch

Im Oktober vergangenen Jahres hat die Caritas in Mönchengladbach ihren mobilen Mahlzeitendienst umstrukturiert. Frische Produkte, möglichst von regionalen Produzenten, zubereitet in den Küchen der Altenheime, sind im Angebot.

Jeden Tag stehen zwei Menüs mit Suppe, Hauptgang und Dessert zur Auswahl. Ein Besuch in der Küche in Giesenkirchen.

Um elf Uhr ist alles vorbei. Werner Eßer wischt mit seinem Küchentuch über die Arbeitsplatte, auf der er vor drei Stunden noch Gemüse geschnitten, Kohlrouladen gewickelt und Fleisch pariert hat. Mit dem Schlauch wird der Küchenboden abgesprüht und mit einem Wischer abgezogen. „Unsere Fahrer holen die Portionen jeden Tag um zehn Uhr ab und beginnen dann ihre Tour“, erklärt Eßer. Der 63-Jährige ist seit 22 Jahren Koch im Caritas Seniorenzentrum Giesenkirchen. Seit Oktober wird in der Küche nicht nur für die 84 Bewohner des Altenheims und die durchschnittlich 30 Besucher, die täglich zum Essen kommen, gekocht. Für den mobilen Mahlzeitendienst bereiten die zwölf Mitarbeiter rund um Küchenchef Antonio Silviani pro Tag 50 Menüs mehr zu. Noch einmal die gleiche Anzahl Mitarbeiter richtet das Essen auf den Etagen an.

Während in der Cafereria und auf den Etagen der Frühstückskaffee in den Tassen dampft, wird in großen Töpfen aus Suppenhühnern eine kräftige Hühnerbrühe, die auch die letzte Faser des Körpers mit Energie und Wärme versorgt. Dazu gibt es heute Eisebein mit Sauerkraut und Püree oder Zigeunerbraten mit Kartoffeln und Bohnensalat. Zum Dessert wird Obst gereicht. „Die Bewohner bestimmen selbst, was sie essen wollen“, sagt Adrianna Domogalla, Leiterin des Pflegewohnhauses in Giesenkirchen. „Da unsere Bewohner das Gleiche essen wie im mobilen Mahlzeitendienst, bekommen wir gleich eine Rückmeldung, wie es schmeckt. Für uns ist das ein klarer Vorteil.“

Sauerbraten und Wirsing gehören

zu den Lieblingsspeisen

Der Geschmack hat sich in den vergangenen 22 Jahren kaum verändert, findet Werner Eßer. „Nach wie vor sind traditionelle Gerichte wie Sauerbraten, Rouladen, Möhrengemüse oder Wirsing sehr beliebt“, sagt er. „Das sind auch oft Essen, mit denen Erinnerungen verbunden sind.“ Hin und wieder werde auch mal Steak gewünscht. „Aber damit haben einige Senioren Schwierigkeiten beim Kauen“, sagt Eßer. Auch die Zubereitung ist bei so einem Essen schwierig. Denn während der eine sein Steak gerne blutig hat, möchte der nächste es medium auf dem Teller haben und ein anderer hat es lieber durchgebraten. „Deshalb ist es wichtig, dass man möglichst Gerichte nimmt, die viele Menschen mögen und die bei Bedarf leicht nachgewürzt werden können“, sagt Eßer.

1968 gründete die Caritas den mobilen Mahlzeitendienst unter dem Namen „Essen auf Rädern“. In den Gründerjahren wurden die Gerichte in der Caritas-eigenen Küche produziert, 2006 stellte die Caritas dann auf einen externen Produzenten um. „Wir hatten nie Schwierigkeiten, Kunden zu gewinnen, aber damit, die Kunden zu halten“, sagt Waltraud Grusemann, Leiterin des mobilen Mahlzeitendienstes. Oft haben die Kunden nach einem Krankenhausaufenthalt für zwei bis drei Wochen bestellt und sich dann wieder abgemeldet. Mit der Umstellung auf Eigenproduktion ist die Nachfrage nachhaltig gestiegen. „Wir sind inzwischen an unsere Kapazitätsgrenze geraten“, freut sich Grusemann.

Produziert wird in den Küchen der Seniorenzentren in Giesenkirchen, Holt und Rheydt, jeweils für die Kunden in der Region rund um die Heime. „Die Speisepläne sind unterschiedlich, daher bekommt der Kunde in Rheydt ein anderes Gericht als der in Holt“,erklärt Grusemann. Zwei Wochen im voraus verteilen die Fahrer des mobilen Mahlzeitendienstes bei der Lieferung der Essen die Bestellzettel. Die Kunden haben eine Woche Zeit, ihre Wahl zu treffen und die Bestellung über die Fahrer an die Caritas zu senden. „Dort werden dann die Bestellungen in unsere EDV eingepflegt, so dass die Küche die entsprechenden Zutaten bestellen kann“, sagt Domogalla. Insgesamt werden in allen drei Küchen pro Tag etwa 500 Mahlzeiten ausgegeben.

 

Zur Vorbereitung wurden Folien auf ihre Reißfestigkeit getestet

Rund ein Jahr dauerten die Vorbereitungen für die Umstrukturierung. Denn in den Küchen mussten dafür einige Arbeitsabläufe verändert werden. Neben Neueinstellungen von Mitarbeitern mussten die passenden Behältnisse für die Speisen ausgesucht werden. „Wir haben versucht, an alles zu denken, aber in der ersten Phase sind uns dann doch einige Dinge aufgefallen, die wir verbessert haben“, sagt Grusemann. Dass die Deckel für die Suppenschalen nicht so hitzebeständig waren wie die Schalen selbst, sei zum Beispiel so eine Überraschung gewesen, sagt Grusemann. Folien mit unterschiedlichen Perforationen wurden auf ihre Reißfestigkeit geprüft. Auch die optimale Temperatur für die Verschweißung der Folie auf den Tellern habe erst getestet werden müssen. „Ist es zu heiß, bekommt man nachher die Folie gar nicht oder nur stückweise ab“, sagt Grusemann. „Ist die Temperatur zu niedrig, wird es nicht dicht.“ Das aber ist nicht nur wichtig, um nachher die Soße nicht aus den Thermokisten putzen zu müssen. Auch beim letzten belieferten Kunden muss die Temperatur des Essens mindestens 65 Grad betragen. Ganz reibungslos verlief der Start trotzdem nicht. „Gleich am ersten Tag sind zwei Autos ausgefallen“, erzählt Grusemann. Was vor ein paar Monaten Aufregung verursachte, darüber lachen die Verantwortlichen heute.

 

Zahl der externen Essensgäste ist nach der Werbung angestiegen

Auf dem Herbstmarkt in Giesenkirchen hat das Caritas-Team im Vorfeld für den mobilen Mahlzeitendienst geworben. Äpfel mit Mini-Löffeln wurden vom Team verteilt. „Das hat uns auch bei den externen Besuchern bekannter gemacht“, sagt Domogalla. Die Zahl derer, die aus der Nachbarschaft zum Essen kommen, ist danach angestiegen. Für das Heim sind sie eine wichtige Verbindung zum Ort.


Von Garnet  Manecke

Veröffentlicht am 04.01.2013

 
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