Kirche in der Region Mönchengladbach
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Feierlicher Schlusspunkt der Heiligtumsfahrt: Die rote Ledermappe mit der Tuchreliquie wird wieder versiegelt und in den Abendmahlsschrein eingeschlossen.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 26/2014

Ein buntes Fest der Menschlichkeit

13000 Pilger kamen zur Heiligtumsfahrt in Mönchengladbach

Mit einer Fronleichnamsfeier unter freiem Himmel ging die Heiligtumsfahrt in Mönchengladbach zu Ende. Rund 4000 Gläubige waren Zeugen, wie die rote Ledermappe mit der Tuchreliquie wieder versiegelt und im Abendmahlsschrein verschlossen wurde.

Wie die gesamte Heiligtumsfahrt, die unter dem Leitwort „Du deckst mir den Tisch“ stand, war auch dieser Gottesdienst vor allem vom Geist der Ökumene geprägt.

Wie einen kleinen Kirchentag sähe sie die Heiligtumsfahrt, sagte die Pilgerin im Vorbeigehen: „Ich werde einige der Veranstaltungen besuchen, das Angebot ist so vielfältig.“ Ihr Satz hing noch in der Luft, da war sie schon um die nächste Ecke verschwunden. 65 Veranstaltungen gab es und 200 ehrenamtliche Helfer, die vor und hinter den Kulissen viele Stunden engagiert arbeiteten. Sie alle machten für die rund 13 000 Pilger die Heiligtumsfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis. „Du deckst mir den Tisch“: Das Leitwort wurde ernst genommen und in vielfältiger Weise umgesetzt.

Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft kamen an der Tischvitrine zusammen, in der die Tuchreliquie gezeigt wurde. Ein Stück Stoff, das Teil jenes Tischtuchs sein soll, das einst beim letzten Abendmahl auf dem Tisch gelegen hat. Das Motiv der Tischgemeinschaft zog sich wie ein roter Faden durch die sieben Tage der Heiligtumsfahrt, besonders aber wurde es spürbar, wenn es um die gelebte Ökumene ging.

Als Ökumene des Herzens bezeichnete Hermann Schenck, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Gladbach-Neuss, was da in Mönchengaldbach entstanden ist und offen gelebt wird. Auch wenn eine gemeinsame Eucharistie und Abendmahl wegen unterschiedlicher theologischer Auffassungen noch nicht möglich sei, so gebe es doch eine große Sehnsucht der Christen nach Gemeinsamkeit, stellte er fest.

Das neue, geschenkte Tischtuch trägt nicht die Spuren des Glaubenskrieges

Ein Punkt, den auch Bischof Heinrich Mussinghoff so sieht. „Ich habe die Sehnsucht nach gemeinsamer Kommunion und Abendmahl gespürt“, sagte er beim Fronleichnamsgottesdienst. Das Altartuch, das die evangelischen Gemeinden als Geschenk an die  Katholiken überreicht hatte, sei ein Symbol für die Zukunft. „Das neue Tischtuch ist nicht zerrissen, nicht zerschnitten, es trägt nicht die Spuren des Kampfes und Krieges“, sagte Mussinghoff, „es ist ein Hoffnungszeichen.“

Nicht fromme Sonntagsreden, sondern Taten waren das wesentliche Merkmal dieser Heiligtumsfahrt. Beim Abendmahlgottesdienst in der evangelischen Hauptkirche predigte der katholische Pfarrer Wilhelm Bruners, die Diskussionsreihe „Aufgetischt“ wurde von Manfred Rekowski, oberster Repräsentant der evangelischen Kirche im Rheinland, im Münster eröffnet. Evangelische wie auch katholische Christen zeigten eindrucksvoll, wie weit die ökumenische Zusammenarbeit in Mönchengladbach bereits gediehen ist.
„Ich bin ganz bewegt über das, was ich hier erlebe“, sagte Rekowski.

Bewegende Momente hatte die Heiligtumsfahrt einige zu bieten. Da waren zum einen die Pilgergruppen, die die ganze Vielfalt des Glaubens zeigten. Behinderte Kinder und Erwachsene zogen Seite an Seite mit Nicht-Behinderten unter Glockengeläut in das Münster ein, Priester verteilten ganz selbstverständlich Liedzettel und scherzten mit den Besuchern, Kindergartenkinder sangen fröhlich Lieder und klatschten dabei in die Hände, Flüchtlinge und Einheimische setzten sich gemeinsam an den Tisch, um zu essen.

Dabei gab es jede Menge Gelegenheiten, in Ausstellungen und Workshops über das eigene Leben zu reflektieren, mit anderen ins Gespräch zu kommen, Konzerte zu genießen oder in einem Gottesdienst einfach einen Moment der Ruhe zu finden. Ein buntes Fest des Glaubens sollte die Heiligtumsfahrt werden – bunt und menschlich ist sie geworden.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 02.07.2014

 
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