Kirche in der Region Mönchengladbach
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pater Wolfgang Thome, Franziskaner Mönchengladbach

Um die pastorale Versorgung sowie die Finanzierung und Verwaltung des Klosters zu organisieren, werden Pater Wolfgang Thome neben geistlichen auch Management-Qualitäten abverlangt.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 42/2011

Ein Leben in Armut

In wechselvollen Zeiten blieben die Franziskaner ihren Werten treu

Mit Pater Wolfgang Thome und Bruder Alfred Rupp leben und arbeiten nur noch zwei Mönche in dem großen Franziskanerkloster an der Bettrather Straße. Wie der Ordensgründer Anfang des 13. Jahrhunderts haben sich auch die Gladbacher Franziskaner für ein Leben in Armut entschieden.

Ihre Arbeit haben sie der Liebe und Hingabe an die Menschen gewidmet. Arm kann man diese Gegend in Mönchengladbach nun wirklich nicht nennen. In direkter Nachbarschaft zum Bunten Garten ist die imposante Anlage des Franziskanerklosters von Altbauten und Villen umgeben. Die Bewohner dieses Stadtteils gelten als wohlsituiert. Fehl am Platze fühlt sich Pater Wolfgang Thome in dieser Gegend trotzdem nicht. „Zum einen ist im Laufe der Geschichte die Stadt quasi über das Kloster hinweggeschwappt“, sagt er. „Bei der Gründung lag das Kloster außerhalb der Stadtgrenze. Erst später haben sich drumherum Menschen angesiedelt.“ Und zum zweiten bräuchten auch Menschen mit höheren Einkommen bisweilen geistlichen Beistand, um ihr Leben zu bewältigen, sagt Pater Wolfgang. „Im Alten Testament heißt es: Arm sind Menschen, die fern von Gott sind. In diesem Sinne können auch reiche Menschen eine geistige Armut haben, bei der sie Hilfe bnötigen.“

Zwei Mönche allein in einer so großen Klosteranlage: Widerspricht das nicht der Idee von der Gemeinschaft in einem Orden? Pater Wolfgang lächelt und verweist auf die Organsisation des Ordens. Dezentral srukturiert sind die Mönche nicht an bestimmte Orte gebunden. Um die Gemeinschaft zu leben, treffen sich die 400 Franziskaner der deutschen Ordensprovinz regelmäßig. „Wir sind oft eingeladen in Nachbarkonvente, feiern Geburtstage und andere Feste zusammen und stehen uns in Trauer bei, wie in einer Familie“, sagt Pater Wolfgang. „Kein Haus lebt für sich. Wir verstehen uns als Provinzgemeinschaft.“

In Mönchengladbach arbeitet der Franziskaner als dritter Pfarrer der Innenstadtgemeinde St. Vitus, neben Wolfgang Bußler und Albert Damblon. Neben der geistlichen Betreuung der Gemeinde kümmert sich Pater Wolfgang vor allem darum, Kloster und Kirche zu finanzieren und zu verwalten. Dafür wurden große Teile des Klosters vermietet: Das Hardter Josefshaus hat hier für die Zeit seines Umbaus eine neue Bleibe gefunden, an die Nichtsesshaften-Hilfe des Volksvereins und den B. Kühlen-Verlag wurden ebenfalls Räume vermietet. Dazu wurden Teile des Geländes in Erbpacht vergeben. Wo die Mönche früher auf 8100 Quadratmetern im Klostergarten Hühner gehalten und Obst, Gemüse und Kräuter angebaut haben, wurde von einem externen Investor eine Senioren-Residenz gebaut.

Gegründet wurde das Franziskanerkloster 1887. Damals gelang es mit Hilfe des sozial engagierten Unternehmers Franz Brandts und des Reichstagsabgeordneten Franz Hitze, Franziskaner-Brüder nach Gladbach zu holen. Ihre Aufgabe sollte die Seelsorge für die arbeitende Bevölkerung sein. Der Bau des Klostergebäudes und der Kirche wurde durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert.

 

Der Bezug in die Welt ist den Franziskanern sehr wichtig

Neben den seelsorgerisch tätigen Mönchen gab es viele Laienbrüder, die vor ihrem Eintritt ins Kloster einen Beruf erlernt und Militärdienst abgeleistet hatten. Ihre Fähigkeiten setzten sie ein, um den großen Klostergarten, aus dem sich die Mönche selbst versorgten, zu bewirtschaften und die Gebäude instandzuhalten. 1927 wurde eine Ordenshochschule gegründet. Neben Ordensbrüdern studierten auch andere Theologen an der theologischen Fakultät. Nach der Verlegung der Hochschule nach München wurde hier die Johannes-Duns-Skotus-Akademie gegründet, die mit einem Bestand von rund 50000 Büchern noch heute ihren Sitz im Kloster hat. 1943 wurde das Kloster zerstört und wieder aufgebaut. Von 1983 bis 2005 gab es eine Kranken- und Seniorenstation für Patres und Brüder aus Deutschland.

Die Klosterkirche ist vor allem bei anderen Ordensleuten in der Region Mönchengladbach beliebt, die kommen, um hier die heilige Messe zusammen zu feiern oder zu beichten. „Viele Schwestern geben hier mit uns ein Zeugnis für das Ordensleben in der Stadt“, freut sich Pater Wolfgang. Auch viele Passanten kommen spontan herein, um das Gotteshaus zu besichtigen. Der Bezug in die Welt ist den Franziskanern sehr wichtig. „Wir sind ein pastoraler Orden“, sagt der Geistliche. „So bin ich immer viel unter Menschen.“ Früher, als in dem Kloster noch bis zu 80 Brüder lebten, hätten sie auch in anderen Gemeinden ausgeholfen, wenn der örtliche Priester nicht konnte.

 

Der Orden muss mit der Zeit gehen, ohne seine Werte zu verraten

„Diese Aushilfsdienste waren für uns eine Einnahmequelle“, sagt Pater Wolfgang. Die fällt nun weg. Um Spenden zur Finanzierung der Arbeit zu sammeln, sind Beziehungen eine wichtige Basis. Denn nur wenn die Spender von der Qualität und Wichtigkeit der Arbeit überzeugt sind, sind sie auch bereit zu geben.

Dafür muss der Franziskaner-Orden mit der Zeit gehen, ohne seine Werte zu verraten. „Als ich vor 30 Jahren in den Orden eintrat, hatten noch nicht alle Mönche ein Telefon“, erinnert sich Pater Wolfgang. Aber der technische Fortschritt mit Telefon und Internet, die theoretische Verfügbarkeit rund um die Uhr stellt die Mönche auch vor die Herausforderung der Abgrenzung. „Wir müssen uns fragen: Wann bin ich für mich erreichbar?“, stellt Pater Wolfgang fest. Denn eines gilt wie zu Anfang der 13. Jahrhunderts: „Es kommt darauf an, in Übereinstimmung mit Jesus zu leben.“

 


Von Gernet  Manecke

Veröffentlicht am 15.10.2011

 
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