Kirche in der Region Mönchengladbach
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Weihnachtsfeier im Haus Sebastian in Kelinenbroich, seit einem Jahr leben hier 16 Menschen mit psychischer Erkrankung

Ein kleiner Plausch bei Kaffee, Tee und Keksen: Stephan Könen (1. v. l.) und Betreuerin Heike Delvos (2. v. r.) ist die Wohlfühl-Atmosphäre im Haus Sebastian wichtig.

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Aus der KirchenZietung, Ausgabe 51/2012

Weihnachtssehnsucht

Im Haus Sebastian in Kleinenbroich löst das Fest Erinnerungen aus

Seit einem Jahr leben 16 Frauen und Männer mit psychischer Erkrankung im Haus Sebastian in Kleinenbroich. Sie haben hier eine neue Heimat gefunden. Wer eintritt, spürt direkt die warme Atmosphäre und wird liebevoll aufgenommen.

Der erste Eindruck: Ein ganz normales Wohnhaus. Links von der Eingangstür hängen graue Briefkästen, auf denen Namen stehen. Geht man weiter, kitzelt der zarte Duft der Tanne schon in der Nase. Bäume sind mit glänzenden Kugeln und Lichtern geschmückt, die Fenster zieren weihnachtliche Motive. „Wir backen auch zusammen und kochen“, erzählt Hans-Jochen Günther. Der 69-Jährige wohnt in einer der vier Wohngemeinschaften.

Im Ergeschoss ist die Tages- und Begegnungsstätte für die 16 Bewohner des Hauses. Hier treffen sie sich bei Kaffee und Tee, erzählen, basteln, planen Ausflüge und Veranstaltungen. Aber bei aller Harmonie: Das bevorstehende Weihnachtsfest ist für manchen Bewohner eine schwere Zeit. Die eigene Familie wird vermisst, wehmütige Erinnerungen an die eigene Kindheit und ein früheres Leben kommen hoch. „An solchen Tagen brauchen wir im Betreuungsteam viel Präsenz, weil über die Erinnerung bei den Bewohnern auch viele Sorgen und Nöte hochkommen“, sagt Stephan Könen, stellvertretender Leiter des Haus Sebastian.

 

„Wir singen gerne und oft auch falsch“

Gefeiert wird sehr traditionell mit selbst gebackenem Stollen und vielen Liedern. „Wir singen gerne und viel und oft singen wir auch falsch“, sagt Könen, „aber es macht uns sehr großen Spaß.“ Dabei kann jeder Bewohner selbst bestimmen, ob und in welcher Intensität er dabei sein will. Auch von außen kommen Gäste. Luise Kölling wohnt alleine in ihrer Wohnung in Pesch. Dreimal pro Woche kommt sie in die Begegnungsstätte. „Die gute Atmosphäre gefällt mir“, sagt die 60-Jährige.

Die Öffnung nach außen soll in den kommenden Monaten noch weiter intensiviert werden. „Wir sind in Kleinenbroich sehr gut aufgenommen worden“, freut sich Könen. „Viele Fürsprecher in der Kirchengemeinde und bei den Schützen haben uns den Start erleichtert. Das ist gelebte Inklusion.“


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 21.12.2012

 
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