Kirche in der Region Mönchengladbach
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Das Schützenwesen ist in der region mönchengladbach sehr ausgeprägt

Die Majestäten der Bruderschaften und Vereine in Mönchengladbach und Korschenbroich stellen sich einmal im Jahr dem Fotografen zum gemeinsamen Foto. In der Mitte Bezirksschützenkönig Bernd Knitter (1. Reihe 4. v. l.).

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 19/2013

Mehr als großer Pomp in Uniformen

In der Schützen-Tradition geht es vor allem um die Gemeinschaft

Mit dem Schützenfest der St. Josef Bruderschaft Westend 1870 wurde am ersten Maiwochenende die Saison eröffnet. Bis Oktober laden in Mönchengladbach, Korschenbroich und Jüchen knapp 50 Bruderschaften und Vereine dazu ein, das Brauchtum zu feiern.

Dabei geht es um weit mehr als Paraden in schneidigen Uniformen und farbenfrohen Festkleidern.

Jenseits der großen Paraden und Königsbälle geht es im Schützenwesen weniger um das Feiern als um die Gemeinschaft. „Ein Schütze ist nie alleine“, charakterisiert Regionaldekan Ulrich Clancett das Schützenwesen in Jüchen. „Die Bruderschaften bilden ein dichtes Netz der gegenseitigen Unterstützung, wenn jemand Hilfe braucht. Das macht diese Region aus.“
Schützen engagieren sich in den Gemeinden: Sie besuchen alte und kranke Menschen, helfen, die Kommunion auszuteilen, engagieren sich in der Jugendarbeit und laden benachteiligte Menschen ein. Nicht umsonst haben sie das Motto „Bruder sein ist mehr“.
Die Tradition der Schützenbruderschaften reicht bis in das frühe Mittelalter zurück. Ursprünglich schützten sie als Selbstschutzgemeinschaften Haus und Hof vor Räubern und Brandschatzern. Im Laufe der Jahre wurden sie eingesetzt, kirchliche Veranstaltungen wie Feste und Prozessionen zu schützen. Ab dem 17. Jahrhundert verloren die Schützen ihre militärische Funktion, die zunehmend von bezahlten Militärangehörigen übernommen wurden. Die Schützen, die sich in Gilden organisiert hatten, begannen, Feste mit Schießübungen und Wettbewerben auszurichten. Die ersten „Schützenfeste“ wurden gefeiert.


Auf einer Silberplatte glänzt die Lilie des französischen Königs

In der Region Mönchengladbach, Korschenbroich und Jüchen sind Unges Pengste und das Stadtschützenfest in Mönchengladbach  die größten ihrer Art. Seit 500 Jahren wird an den Pfingsttagen in Korschenbroich die Tradition von Unges Pengste, das im Hochdeutschen „Unser Pfingsten“ heißt, gepflegt. Zu dem fünf Tage dauernden Fest, das jedes Jahr tausende Besucher anzieht, laden die Sankt-Sebastianus-Bruderschaft und die Sankt-Katharina-Junggesellen-Bruderschaft gemeinsam ein. Die ältesten Platten des Königssilbers, das die Brust des amtierenden Schützenkönigs ziert, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Gestiftet wurden die Silberschilde einst von Schützenmajestäten. Ganz frei von Eitelkeiten waren die Gaben nicht, denn sie dienten vor allem dazu, den Rang und Namen sowie der weltlichen Macht des Stifters Ausdruck zu verleihen.


Auch die werden mitgenommen, die nicht auf der Sonnenseite stehen

Am historischen Rückensilber der Sebastianer finden sich zwei Platten, die einst Klemens Zeno von Dorth, Herr von Haus Horst, stiftete. Auf dem Schild daneben glänzt die Lilie der französischen Könige. Diese Platte wurde von Kriegskommissar Dureville gestiftet. Im Namen seines Königs Ludwig XV. kam Dureville als Besatzer nach Korschenbroich. 1759 wurde er Schützenmajestät, was er auf der Erinnerungsplakette für die Nachwelt dokumentierte.
Mit dem Silber, das nur ein Juwelier putzen darf, pflegen die Schützen in Korschenbroich auch ihre Geschichte. Eine andere Form haben die Gladbacher Schützen für das große Stadtschützenfest, das jedes Jahr im September stattfindet, gewählt. Sie nehmen dafür historische Kostüme einer Epoche für ihre Parade. Trotz großem Pomp während der Feste ist es den Schützen wichtig, auch diejenigen in der Gemeinschaft mitzunehmen, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Behinderte Menschen werden zu Ausflügen eingeladen, während des Jahres wird bei verschiedenen Gelegenheiten für soziale und caritative Zwecke gespendet, in einem Kindergarten werden die Ärmel hochgekrempelt und Räume renoviert. Wie in ihrer Entstehungszeit begleiten sie große kirchliche Veranstaltungen und Feste, wenn auch ohne Waffen. So werden die Schützen auch die Heiligtumsfahrt 2014 in Mönchengladbach begleiten. Dass Kinder schon früh an das Brauchtum herangeführt werden, hat sich mittlerweile in vielen Betreuungseinrichtungen durchgesetzt. In Jüchen wird jedes Jahr der Kindergartenschützenkönig gewählt. Mit Softbällen „schießen“ die Anwärter einen Holzadler vom Sockel. Der ist speziell für das Kinder-Königsschießen angefertigt worden. So etwas hilft, die Tradition, die in vielen Familien seit Generationen gelebt wird, weiterzugeben.

Die Festtermine sind im Internet unter www.bruderrat-online.de abrufbar.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 11.05.2013

 
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