Kirche in der Region Mönchengladbach
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28_Zaubern

Der Trick mit den Billardkugeln erfordert große Fingerfertigkeit.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 28/2013

Ein Pfarrer, der verzaubert

Manfred Riethdorf aus St. Marien Rheydt bringt mit seinem Hobby auch Skeptiker zum Staunen

Es gibt Menschen, die scheinen von Gott gesandt, um die Welt ein bisschen freundlicher zu machen. Der Mönchen-gladbacher Pfarrer Manfred Riethdorf ist so ein Mensch. Der Pfarrvikar von St. Marien Rheydt weiß die Menschen zu verzaubern.

Noch immer staunt er über seine eigenen Zaubertricks. Dabei steht sein Programm schon seit Jahren. Der Zettel, den er sauber zwischen zwei Pappdeckeln in der dunkelbraunen Zaubertasche aufbewahrt, sei schon 50 Jahre alt. Aber immer müsse er nochmal darauf schauen – eine Erinnerungsbrücke auf der Bühne für den reibungslosen Ablauf des Programms. „Auch nach so vielen Jahren freue ich mich immer noch über einen gelungenen Trick“, sagt Manfred Riethdorf und lässt einen seiner fröhlichen Lacher in den Raum schallen.
Im Alter von zehn Jahren hat Riethdorf seine Leidenschaft für die Zauberei entdeckt. Bei seinem ersten Trick ließ er Punkte auf einem Hölzchen verschwinden oder sich vermehren. „Damals habe ich gemerkt, dass ich damit Menschen in Staunen versetzen kann“, erinnert sich der 69-Jährige heute.
Auf einem Pfarrfest schließlich erfuhr der kleine Manfred, was in der Zauberei alles möglich war. „Damals trat der bekannte Zauberkünstler Alexander Adrion auf“, erzählt Riethdorf. „Ich war fasziniert.“ Der Magier wurde sein Idol. „In meinem ganzen Zimmer hingen Bilder von ihm.“ Riethdorf erarbeitete sich weitere Zaubertricks. Die Familie und Freunde wurden zum Testpublikum, bevor er damit auf Schulfesten auftrat. Irgendwann hatte der Zauberlehrling ein eigenes Programm zusammen.


Der Bischof hat sich gefreut wie ein Kind

Zaubern ist für Manfred Riethdorf nicht einfach nur Unterhaltung. „Jeder staunt, man stellt sich Fragen. Zaubern hat auch eine philosophische Seite“, sagt er. Das funktioniert auf einem Schulfest genauso wie auf Pfarr- und Bistumsfesten, Ordensschwestern und -brüder staunen genauso wie Ministranten oder die älteren Priester, wenn sie zusammenkommen. Auch Bischöfe lassen sich gerne von Riethdorf verzaubern.
Bischof Klaus Hemmerle freute sich darüber, wie der Zauberer silberfarbene Ringe auf magische Weise verbindet, Heinrich Mussinghoff durfte bei der Nummer mit dem Wunder-Ei assistieren. „Der hat sich gefreut wie ein Kind“, erinnert sich Riethdorf. Auch die Schwarz-Weiß-Verwandlung zweier Hasen in golden glitzernden Boxen kommt beim Publikum immer sehr gut an. Und schließlich sind auch diejenigen, die ganz fest an Wunder glauben, immer wieder verblüfft über die Kanne voll „Wasser aus Indien“. Denn zwischen den Zauberkunststücken wird dasGefäß immer wieder geleert – und scheint sich ganz von selbst wieder aufzufüllen.


Er zaubert kleines Glück in die Herzen des Publikums

„Karl Borsch ist meine Werbeagentur“, sagt Riethdorf und lacht dabei wieder sein schelmisches Lachen. „Er vermittelt mich immer wieder an Klöster und Pfarreien.“ Wichtig sei ihm, dass er niemals zwei Mal an einem Ort auf-trete. „Denn dann kennen die Leute mein Programm ja schon, und das wäre für sie langweilig.“ Dabei ist jeder Auftritt von Riethdorf einzigartig.
Einfach auf der Bühne zu stehen und seine magische Kunst zu zeigen, kommt für den Geistlichen nicht in Frage. „Ich brauche den Kontakt zum Publikum“, sagt er. Er spricht mit den Besuchern, holt sich immer wieder Assistenten auf die Bühne, macht kleine Witze  und hat sichtlich Spaß an seinem Tun.
Mit seiner Zauberkunst bringt er ein kleines Glück in die Herzen seiner Zuschauer. Besonders deutlich hat Riethdorf das 1998 erlebt, als der Düsseldorfer Verein „Wünschdirwas“ bei ihm eine Privatvorstellung anfragte. Der Verein erfüllt Kindern, die lebensbedrohlich erkrankt sind, einen Herzenswunsch. Der kleine Andreas, in dessen Kopf insgesamt 13 Tumore wucherten, hatte sich den Besuch eines echten Zauberers gewünscht. Über den Rotary-Club Mönchengladbach kam der Kontakt zustande. Riethdorf hat eine Wohnzimmer-Vorstellung für den Jungen, seine Schwester und eine Freundin gegeben.


Im Unterricht hat Riethdorf nie gezaubert

Auch als alter Hase unter den Zauberern hat sich Riethdorf das Staunen über das Können anderer bewahrt. Im magischen Zirkel in Mönchen- gladbach genießt der 69-Jährige seit vielen Jahren Gast-Status. „Das ist ein sehr guter Kreis, in dem man neue Inspirationen bekommt“, sagt er über die monatlichen Treffen der Zauberer. „Da kommen auch aus Köln und Holland Zauberer dazu, die unglaubliche Sachen zeigen.“ Den Vorsitzenden des magischen Zirkels, Bernhard Hansen, hat Riethdorf vor vielen Jahren selbst mit der Zauber-Leidenschaft angesteckt.
Seine Schüler vom Gymnasium am Geroweiher kamen im Unterricht nie in den Genuss einer Zaubervorstellung. Die führte auschließlich über die Abiturprüfungen. Da halfen auch keine Tricks. „Ich bin dann auf dem Abi-Ball aufgetreten“, sagt Riethdorf. Trotzdem hat er seine Schüler verzaubert. Oder wie lässt sich sonst erklären, dass sie sogar einen Fanclub für ihren Lehrer gegründet haben? „Ihr Guten! Herr Riethdorf“ hieß er und zählte im Internet-Portal Schüler VZ knapp 200 Mitglieder. Riethdorf ist der erste und bisher einzige Lehrer in Mönchengladbach mit eigenem Fanclub.
Seine Gabe, die Welt von einer fröhlichen Seite zu sehen, in jedem Menschen das Gute zu entdecken und zu wecken, seine offene Persönlichkeit, die kleinen Lacher, die seine Erzählungen immer wieder begleiten: Manfred Riethdorf bezaubert schon alleine durch seinen Charakter. Das kindliche Staunen, das er bei seinem Publikum hervorruft, ist ein Wesenszug, der ihm selbst eigen ist. Wer mit ihm redet, hat das Gefühl, Riethdorf sieht die Welt jeden Tag neu – und staunt darüber, was Gott da geschaffen hat.


Trotz aller Technik staunen auch Jugendliche noch

Das hat nicht nur seine Schüler für ihn eingenommen. Auch das Lehrer-Kollegium hat ihm 2009 einen großen Abschied bereitet, als er den Schuldienst aufgab. Sogar ein Lehrer-Ballett hat für ihn getanzt. Die Tradition, auf dem Abi-Ball seiner ehemaligen Schule aufzutreten, wurde beibehalten. In diesen Tagen verzaubert „Magic Manni“ wieder  Schüler, deren Eltern und Lehrer gleichermaßen. „Und es ist doch interessant: Trotz der Computer und der vielen Technik, mit der sie heute umgehen, staunen auch die Jugendlichen beim Zaubern“, stellt er immer wieder fest.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 12.07.2013

 
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