Kirche in der Region Mönchengladbach
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In Mönchengladbach-Pesch hat sich eine Netzwerkkriche gegründet.

Gemeindereferent Dieter Praas (l.) unterstützt die Netzwerkkirche Pesch bei ihrer Arbeit. Manuela Pfeiffer und Christoph Sochart gehören zum Pfarrgemeinderat, dessen Mitglieder das neue Konzept entwickelt und umgesetzt haben.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 46/2012

Neues Leben in der Gemeinde

Mutig, innovativ und professionell: Die Gemeinde St. Marien Pesch hat sich neu erfunden

Welche Anforderungen haben die Gemeindemitglieder an ihre Kirche? Was schätzen sie? Was vermissen sie? Auf der Suche nach den Antworten haben sich engagierte Mitglieder in Korschenbroich-Pesch wissenschaftlicher Methoden bedient.

 Das Ergebnis ist die Netzwerkkirche Pesch, die traditionelle wie neue Zielgruppen vereint.

Fünf schwungvolle Linien, die sich in der Mitte vernetzen, zeichnen das stilisierte Kreuz. Jede Linie hat eine andere Farbe, jede Farbe steht für einen der fünf Kernwerte, die die Gemeinde St. Marien Korschenbroich-Pesch für sich definiert hat: Aufnahme finden, Talente leben, Sicherheit erfahren, Gott entdecken und Stärke entwickeln. Das Logo ziert Einladungen und Briefe, ist bei Veranstaltungen auf Fahnen gedruckt. Ein äußeres Zeichen für einen Wandlungsprozess, der vor gut zwei Jahren begann.

Mit den Pfarrgemeinderatswahlen setzte die neue Zeitrechnung ein. „Nach den Wahlen waren fast nur neue Leute in dem Gremium“, sagt Christoph Sochart, Mitglied des Pfarrgemeinderats. „Wohin wollen wir uns entwickeln?“, war die zentrale Frage, die sich das Gremium stellte. Für die Suche nach der Antwort wurden nicht nur zwei ehemalige Pfarrgemeinderatsmitglieder mit ins Boot geholt, sondern auch wissen- schaftliche Methoden angewandt.

 

Eine Umfrage unter den Gemeindemitgliedern

Gemeinsam mit einer vom Bistum gestellten Moderatorin hat das Gremium eine Umfrage vorbereitet. „Nach den vom Sinus-Institut definierten Sinus-Millieus wollten wir wissen, wie die Gemeinde strukturiert ist“, sagt Sochart. Die Sinus-Millieus beschreiben Modelle von Zielgruppen, die nach ihren Lebensauffassungen und Lebensweisen gruppiert werden. Für die Zuordnung werden Indikatoren wie Bildungsstand, Lebensgewohnheiten, Familienstand, Konsumverhalten oder Wohnort ausgewertet.

In über 30 ausführlichen Interviews fanden die Initiatoren heraus, was von einer modernen Kirche erwartet wird, was an bestehenden Angeboten geschätzt und was vermisst wird. Dabei haben sie Erstaunliches festgestellt: „Wir hätten erwartet, dass hier viel mehr Traditionalisten wohnen, die hier im Ort verwurzelt sind, hier leben und arbeiten“, sagt Sochart. Aber: Gerade in Pesch leben viele Menschen, die zugezogen sind, hier wohnen, aber in Städten wie Düsseldorf oder Köln arbeiten.

 

Neue Zielgruppen finden, traditionelle halten

Und es gab noch eine Überraschung: „Wir haben gemerkt, dass wir weder ein Angebot machen für die, die hier wohnen, noch eines, das wir selber nutzen würden“, sagt Manuela Pfeiffer. Der Pfarrgemeinderat stand vor der Herausforderung, neue Zielgruppen anzusprechen, ohne die traditionellen Kirchenbesucher vor den Kopf zu stoßen.

„Der Schlüssel war die Ansprache“, sagt Sochart. „Neuerungen haben wir transparent kommuniziert.“ Veranstaltungstermine werden im Pfarrbrief und per elektronischem Newsletter bekannt gemacht. Jeder Gast wird persönlich am Eingang begrüßt. Diese direkte Ansprache zeigt den Gemeindemitgliedern, dass sie willkommen sind. Per Ideenbox und E-Mail können sie eigene Anregungen einbringen.

Der Zuspruch zeigt, dass sich die Menschen angesprochen fühlen: Neue Gottesdienstformen wurden etabliert, beim ersten Emmaus-Gang kamen trotz strömenden Regens 40 Teil- nehmer, zur Frühmeditation wurden schon bis zu 80 Teilnehmer gezählt und bei der Kunstspur öffneten neben der Kirche auch Privatpersonen ihre Räume für die Nachbarn.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 30.11.2012

 
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