Kirche in der Region Mönchengladbach
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BEsucher bestaunen Spuren eines Vorgängerbaus in der Citykirche Mönchengladbach

Die Archäologin Stefanie Grohmann-Trol zeigt den Baustellen-Besuchern, wo noch die alten Mauern der ersten Kirche auf dem Abteiberg zu sehen sind.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 35/2012

Zeugen der Geschichte

Historische Funde bei der Sanierung der Citykirche gemacht

Wer ein altes Haus renoviert, kann manchmal einige Überraschungen erleben: Hinter der Tapete wird ein Wandgemälde entdeckt, unter dem alten Teppich ruht ein antiker Holzboden, auf dem Speicher findet sich ein wertvolles Gemälde.

So geht es auch den Verantwortlichen bei der Sanierung der Citykirche in Mönchengladbach, der ehemaligen Hauptpfarrkirche. Bei den Bauarbeiten wurden Spuren eines früheren Kirchengebäudes gefunden.

Der Staub hat eine feine Schicht über alles gelegt. Die Lautsprecher an den Säulen sind mit Folien geschützt, genauso wie Tabernakel, Marienfigur und der Altar. Am Rand des Kirchenraumes stehen große Beutel mit Baumaterial, Säcke mit Zement und Steine sind aufgestapelt. Die Sanierungsarbeiten in der ehemaligen Hauptpfarrkirche Mönchengladbachs am Alten Markt, die heute als Citykirche genutzt wird, gehen gut voran. Aber wie es so ist, wenn alte Bauten saniert werden: Mit den Jahren haben sich einige Geheimnisse angesammelt.

Die Citykirche macht da keine Ausnahme. Wer hier gräbt, stößt schnell auf Zeugen aus 800 Jahren Geschichte. Als die Bauarbeiter die Schächte für die Rohre der neuen Heizungsanlage zogen, stießen sie auf Relikte der Historie der ältesten Kirche Gladbachs. Sie legten Mauern aus Tuff sowie Fliesen aus Naturstein und Terrrakotta frei. Zudem fanden sie Teile des Skeletts eines Mannes und eine Münze, die mit Sicherheit aus dem 13. Jahrhundert stammt.

Schon früher hatte es Knochenfunde bei der Sanierung des Gotteshauses gegeben. Bisher aber waren diese außerhalb der Kirchenmauern entdeckt worden, was die Annahme erhärtete, dass schon vor diesem Bau eine Kirche am selben Ort gestanden hatte, die auch zu Begräbnissen genutzt wurde. Von einer archäologischen Sensation, wie die Funde in der Öffentlichkeit schon enthusiastisch gefeiert wurden, will die Archäologin Stefanie Grohmann-Troll aber nicht sprechen. Wenn auch die Funde für Mönchengladbach etwas Besonderes sind. Sie zeigen, dass bereits zwei Kirchenhäuser auf dem Platz der heutigen Citykirche gestanden haben: in der karolingischen sowie in der romanischen Zeit.

 

Unter den Bodenplatten ist ein zweiter Kirchenboden zu sehen

Stolz zeigt Dirk Heinemann, Vorsitzender des Bauvereins Hauptpfarrkirche, auf eine freigelegte Fläche. Dort, wo die Bodenplatten der Kirche abgetragen wurden und das durch die Kirchenfenster fallende Sonnenlicht farbige Muster zeichnet, ist ein zweiter Boden zu sehen. „Das ist der Boden der gotischen Erstkirche“, freut sich Heinemann. Gleich daneben klafft ein großes, rechteckiges Loch, das wie fünf andere Fundstellen, mit einem kniehohen Zaun gesichert ist. Hier zeigt Grohmann-Troll, aus welchen Spuren sie die Kirchengeschichte liest.

Mit ihrem Zeigestock deutet sie in ein kleines Loch im Boden. „Das stammt von einem Gerüst, das einmal für einen Erweiterungsbau der Kirche gebraucht wurde“, erklärt sie Besuchern, die die Gelegenheit genutzt haben, einen kleinen Blick hinter die Sanierungskulissen zu werfen. Eine dunkle Erdschicht in einer anderen Fundstelle liest die Archäologin als Brandreste von einem Kirchendach aus Holz. Die Ausgrabungen zeigten, dass eines der früheren Kirchenhäuser fast genauso groß war wie die heutige Citykirche, sagt die Wissenschaftlerin. Der Altarraum sei im Laufe der Jahrhunderte Stück für Stück erhöht worden, wie die Mauerschichten in diesem Bereich zeigten.

„Zum ersten Mal wird hier nach wissenschaftlichen Methoden gegraben. So erhalten wir eine Vorstellung davon, wie die Vorgängerbauten ausgesehen haben“, sagt der städtische Denkmalpfleger Karl-Heinz Schumacher. Allerdings dürfen die Archäologen keine weiteren Ausgrabungen vornehmen. Nur wo ohnehin Sanierungsarbeiten stattfinden, dürfe gegraben werden, betont Schumacher.

Der Zeitplan der Sanierungsarbeiten soll von den Funden und Untersuchungen nicht beeinflusst werden. Nach wie vor soll die Citykirche Ostern 2013 frisch saniert wieder eröffnet werden. Sobald die Arbeiten für die Heizungsanlage fertiggestellt sind, wird das Gerüst für die Innensanierung aufgebaut. Rund zehn Tonnen Material muss der Kirchenboden dann über fast sechs Monate tragen.

 

Die Vergangenheit bleibt auch in Zukunft für Besucher sichtbar

Die Vergangeheit der Kirche wird auch in der Zukunft gegenwärtig bleiben. „Wir werden drei der Fundstellen mit Glasplatten abdecken, um sie für die Besucher sichtbar zu lassen“, sagt Heinemann. Der Bauverein Hauptpfarrkirche finanziert maßgeblich die Sanierung der Citykirche. Dafür sammeln seine Mitglieder eifrig Spenden. Allein für die Sanierung und die Umbauarbeiten im Innenraum sowie den Bau von sanitären Anlagen an der Südwand werden die Gesamtkosten auf rund 1,7 Millionen Euro kalkuliert. Davon werden die substanzerhaltenden Arbeiten eine Millionen Euro kosten, die vom Bistum mit 370000 Euro bezuschusst werden. Den Umbau zur Citykirche unterstützt das Bistum mit weiteren 600000 Euro.

 

Weitere Info

www.citykirche-mg.de

www.bauverein-hauptpfarrkirche.de


Von Garnet  Manecke

Veröffentlicht am 01.09.2012

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