Kirche in der Region Mönchengladbach
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Schüler aus Mönchengladbach forschten zur Präsenz von Religion im Alltag

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 08/2014

Wo im Alltag Religion drin steckt

Schüler zeigen Foto-Ausstellung im Museum Schloss Rheydt

Welche Rolle Religion im Alltag spielt, wo und in welcher Form sie uns begegnet, haben Schüler der 7. und 8. Klasse der Bischöflichen Marienschule, des Mathematisch-Naturwissenschaftlichen-Gymnasiums (Math-Nat.) und des Hugo-Junkers- Gymnasiums in einem Fotoprojekt untersucht.

Ihre Arbeiten werden zurzeit in einer Ausstellung im Städtischen Museum Schloss Rheydt präsentiert. Wenn man es genau nimmt, ist das Thema zu Beginn des Projekts bei den Schülern nicht gerade auf Begeisterung gestoßen. „Religion im Alltag“ – was soll man da schon fotografieren? Kirchtürme? Kreuze? Kerzen? Auch, aber es gibt viel mehr Motive als sich die Schüler zu Beginn des Projekts bewusst waren. Und mit der Übung kamen auch die Ideen. Im März vergangenen Jahres haben 52 Schüler der 7. und 8. Klassen des Math.-Nat.-Gymnasiums, der Bischöflichen Marienschule und des Hugo-Junkers-Gymnasiums eine Digitalkamera in die Hand genommen, um ihre ersten Versuche zu starten.

Unter der Anleitung von Céline Thiem, museumspädagogische Mitarbeiterin am Museum Schloss Rheydt, haben sie sich mit der Rolle des Lichts, Motivsuche und Bildaufbau beschäftigt. Die ersten fotografischen Versuche in Exkursionen brachten mäßige Ergebnisse. Aber mit der Zeit entwickelten die Schüler ein Auge für Motive und wurden auch da fündig, wo man auf den ersten Blick keine Religion wähnt. Das zeigen die beeindruckenden Ergebnisse in der Ausstellung. Aus über 1000 Fotos mussten die Kuratoren die besten auswählen. Die Aufnahmen zeigen, wie sich der Blick der Schüler für Motive geschärft hat und öffnet auch den Blick der Besucher dafür.

Das Bild des Papstes ist so ein Beispiel. Klar, eine Papstwahl kommt nicht so oft vor und viele sind neugierig, wer der neue Mann an der Spitze der katholischen Kirche ist. Das gilt konfessionsunabhängig. Und die Nachrichten bringen den Neuen gleich in die heimischen Wohnzimmer. Hier kommt Religion live und in Farbe direkt zu uns. Anna Schlickmann hat das Ereignis zu einem Fotomotiv für das Projekt angeregt. Sie hat die Fahrt von Papst Franziskus im Papa-Mobil über den Petersplatz abgelichtet – vom Fernsehbildschirm aus. Letzteres aber sieht der Besucher der Ausstellung erst auf dem zweiten Blick: An der leichten Unschärfe, an den feinen Streifen, die sich durchs Bild ziehen, und schließlich am Logo des Fernsehsenders oben rechts in der Ecke.

 

Einfache Motiv-Ideen mit spektakulären Ergebnissen

Die Idee ist einfach, das Ergebnis spektakulär. Ein Effekt, der in dieser Ausstellung öfter zu beobachten ist. So zeigt Margarita Guriyanowa in ihrem Beitrag „Osterschmuck“ ganz beiläufig, wie das höchste Fest der Christen im Alltag zwischen Kitsch und Religiösität steht: Auf einem Regal ist ein mit bunten Kunststoff- eiern geschmückter Strauß Zweige arrangiert. Darum gruppiert sich eine fröhliche Schar bunter Osterhasen – und ein kleines Marienbild. Dem Betrachter ist auf den ersten Blick klar, dass das Marienbild hier seinen festen Platz hat, während die Osterdekoration nur ein paar Tage im Jahr hier sein darf.

Solche kleinen Überraschungsmomente stimmen die Besucher nachdenklich oder lassen sie ein wenig schmunzeln. Bekannte Bilder, die im täglichen Leben kaum mehr beachtet werden, sind hier hervorgehoben. So entdeckte Paul Radermacher auf der Tischtennisplatte im Schulhof des Hugo-Junkers-Gymnasiums ein weißes Kreuz - die Spielfeldeinteilung. Und Jan Schippers hat sich dem „Klettern auf geweihtem Boden“ gewidmet. Wo früher Gottesdienste gehalten wurden, ist seit 2010 eine Kletterhalle eingezogen. Von außen aber hat sich das Gebäude der ehemaligen Pfarrkirche St. Peter in Waldhausen nicht verändert. Die klassischen Motive wie Kirchen, Kerzen, Kreuze und Friedhöfe sind in der Ausstellung ebenfalls zu sehen. Dabei haben die Jugendlichen ihren Blick darauf gelenkt, was nicht ins Bild passt. So sieht man eine Reihe Kreuze und darunter, in einer Ecke, die Gießkannen für die Grabpflege, die hier einen irrealen Eindruck machen. Dem Blick in Kirchenräume folgen die Betrachter bereitwillig und überlegen dabei unwillkürlich, in welchem Gotteshaus dieses Kreuz hängt, wo die Bänke so aufgestellt sind und die Kerzen diese Form haben.

 

Der Blick über die Mauer offenbart eine unbekannte Welt

Bei ihrer Arbeit haben sich die Schüler mutig über Grenzen hinweg gesetzt und sich auch nicht von scheinbar Unmöglichem abbringen lassen. Der Besuch des jüdischen Friedhofs ist in Mönchengladbach nicht so ohne weiteres möglich. Der Friedhof ist von einer großen Mauer umgeben, die Tür dazu fest verschlossen. Und jemanden zu finden, der den Schlüssel dazu hat, ist gar nicht so einfach. Ihr Foto haben die Schüler trotzdem gemacht: Sie haben sich einen Hügel gesucht und über die Mauer fotografiert. Dem Betrachter gibt diese Perspektive das Gefühl, selbst neugierig an der Mauer hängen, um einen Blick zu erhaschen. Auch das ist den Schülern gelungen: Einen Einblick in unbekannte Welten zu gewähren. Das offenbart auch Skurriles. Anna Hamacher hat eine Mauer entdeckt, auf der Todesanzeigen plakatiert sind – neben Werbeplakaten für Tanzveranstaltungen und Sonderangebote.

 

Finanziert mit Mitteln aus dem Förderprogramm Kulturrucksack

Die Schüler-Ausstellung „Religion im Alltag“ wird im Rahmen des Ausstellungsprogramms mit dem Themenschwerpunkt „Religion“ im Museum Schloss Rheydt gezeigt. Sie folgt der Präsentation der Gewinnerarbeiten des Euregionalen Fotowettbewerbs des Limburgs Museum in Venlo zum Thema „Religion“ im vergangenen Jahr. Finanziert wurde das Schülerprojekt mit Mitteln aus dem „Kulturrucksack”, einem Förderprogramm der Landesregierung Nordrhein-Westfalens. Religion im Alltag . Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 27. April, im Museum Schloss Rheydt zu sehen. Geöffnet dienstags bis freitags 11 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr www.schlossrheydt.de


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 24.02.2014

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