Kirche in der Region Mönchengladbach
http://kirche-in-der-region-mg.kibac.de/nachrichtenansicht?mode=detail&action=details&siteid=1030022&type=news&nodeid=deb1a847-aa45-43bc-8636-f675fa883e26
 
 
streitpunkt_schule-161x135

streitpunkt_schule.jpg

Vollbild

 
 

 

Was bei der Wirtschaft geht, sollte auch in der Bildung gehen

Fachgespräch des Aachener Diözesanrats der Katholiken benennt wichtige Felder, in die der Staat bei den Schulen investieren muss

Der Staat investiert zu wenig in die Bildung und überfrachtet zugleich die Schulen mit neuen Anforderungen. Außerdem verschlechtert sich der gesellschaftliche Rahmen, viele Eltern sind in der Erziehung überfordert. Dieses eher düstere Szenario skizzierte ein interdisziplinär zusammengesetztes Fachgespräch, das der Aachener Diözesanrat der Katholiken am 10. März 2009 in Mönchengladbach moderierte.

Schulleiter, Schulpsychologen, Lehrerinnen, Erziehungsberater, Familienbildnerinnen und Verbandsvertreter trugen ihre Beobachtungen und Einschätzungen zusammen. Ein Fazit: Die Schulen müssen vielfach Erziehungsarbeit leisten, die in den Elternhäusern nicht geschieht. Auch müssen sie soziale Probleme auffangen oder psychische Sondersituationen handhaben, etwa bei Kindern aus getrennten Partnerschaften.

In Zeiten, wo der Staat aberwitzige Summen in die Wirtschaft pumpe, müsse er auch Geld in die Hand nehmen können, um die schulische Bildung zu verbessern, hieß es in Mönchengladbach. Das heiße zum einen, kleinere Klassen zu bilden und mehr Lehrer einzustellen, um qualifizierten Unterricht und zugleich Beziehungsarbeit zu ermöglichen. Zum anderen gelte es, die Lehrkräfte im Alltag zu entlasten, nicht zuletzt, um dem gefürchteten Burn-out vorzubeugen.

Das Spektrum möglicher Maßnahmen ist recht breit. Die Schulsozialarbeit müsse an den Schulen, wo es brenne, gestärkt werden. Der Ganztagsbetrieb müsse mit Fachkräften von außerhalb qualifiziert gestaltet werden. Viel versprechend seien auch Ansätze, Eltern und Schüler in Aufgaben einzubeziehen, die nicht dem eigentlichen Lehrerauftrag entsprächen. Nicht zuletzt braucht es nach Ansicht der Fachleute auch einen starken Praxisbezug in der Lehrerausbildung und die Einführung von Supervision für die Kollegien.

Die Schulen sind allerdings nicht der einzige Ansatzpunkt, um die Situation zu verbessern, so lautete eine weitere Erkenntnis aus Mönchengladbach. Eltern seien frühzeitig auf ihren Erziehungsauftrag vorzubereiten. Jugendämter müssten besser ausgestattet werden, um stärker präventiv arbeiten zu können. Eine zentrale Herausforderung nicht nur der Schulen, sondern auch der Familienbildung oder der Verwaltung sei dabei die Frage, wie man die bildungsfernen Schichten erreiche. Die Zukunft ihrer Kinder sieht man mit größten Sorgen.

Das Fachgespräch in Mönchengladbach war das erste von vieren, das der Aachener Diözesanrat mit Blick auf die nordrhein-westfälischen Landtagswahlen 2010 durchführt. Der Rat möchte sich aus christlicher Perspektive in die Diskussion des Wahlkampfthemas Bildung einmischen. Es folgen noch Gespräche zu den Themen Ganztagsschule, Mehrgliedrigkeit des Schulsystems sowie „Schule und Wirtschaft“. Näheres unter www.dioezesanrat-aachen.de .

Thomas Hohenschue


Von Diözesanrat der Katholiken im Bistum Aachen

Unveröffentlicht

Test