Kirche in der Region Mönchengladbach
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Die Bischöfliche Marienschule in Mönchengladbach beherbergte Weltjugendtags-Teilnehmer

Ankunft in der Bischöflichen Marienschule, die für eine Woche Jugendherberge ist.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 31/2013

Von wegen Ferien: Schule als Herberge

Eine Woche war die Bischöfliche Marienschule Gastgeber

Während die anderen Schulen in Mönchengladbach schon im Sommerschlaf lagen, war die Bischöfliche Marienschule noch voller Leben. In der ersten Ferienwoche war hier der Weltjugendtag@ Home (WJT) zu Gast.

 Jugendliche, die nicht in Rio dabei sein konnten, trafen sich in Mönchengladbach zu einem Fest des Glaubens mit viel Spaß. Die Schule war ihre Herberge. Der Schulhof liegt verlassen in der Mittagssonne. Bäume werfen ihre Schatten über Tischtennisplatten und Bänke, an der Wand zum Schulgebäude sind in einer Reihe Autos geparkt. Schüler sind keine in Sicht. Kein Wunder, es sind Ferien. Und wer kommt da schon freiwillig zur Schule? Das helle Lachen, das da aus dem Foyer der Bischöflichen Marienschule herüber klingt, passt deshalb hier nicht her. Falsche Zeit, falscher Ort.

Doch wer näher kommt, merkt schnell: Die Schule lebt auch in der ersten Ferienwoche. Im Foyer steht auf einem Tisch ein Laptop, auf dessen Bildschirm die Übertragung aus Rio de Janeiro flimmert. 65 Jungen und Mädchen im Alter von zwölf bis 25 Jahren sind nach Mönchengladbach gekommen, darunter elf Jugendliche aus Toledo (Spanien). Die Marienschule wurde dafür kurzerhand zur Jugendherberge umfunktioniert. Wo im Alltag Schülerköpfe über Matheaufgaben, Lateinvokabeln und philosophische Fragen brüten, haben die Gäste mit Isomatten und Schlafsäcken ihre Schlafstellen eingerichtet. In der Turnhalle wird geduscht, die Mensa hat geöffnet.

 

Weltjugendtag: nicht ernst, sondern ein Erlebnis mit viel Spaß

Mensa-Chef Daniel Schiffers (23) und sein Team haben kurzerhand ihre Ferien um eine Woche verschoben. Auf die Gäste sind sie gut vorbereitet: Würstchen, Schnitzel und Kroketten lagern in den Kühlhäusern. Für die Lunchpakete bei den Exkursionen liegen Müsli-Riegel bereit. Gleich nebenan stapeln sich die Kisten mit Mineralwasser. Früh morgens werden hunderte Scheiben Brot mit Butter beschmiert und mit Käse und Wurst belegt. Auf ihren Ausflügen bekommen die Gäste Lunchpakete mit. Dem Ansturm sehen der Jungunternehmer und seine Mutter Brigitte gelassen entgegen. 65 Personen zu verköstigen ist angesichts einer Schülerzahl von gut 1.100, die die Schule jedes Jahr besuchen, ein Klacks. „Wir haben alles vorbereitet“, sagt Schiffers.

Zur Begrüßung hat Gerhard Nellessen, Projektreferent Weltjugendtag im Bistum Aachen, die Position des Empfangschefs eingenommen. Er steht im Schulfoyer, ein Tisch dient ihm als Rezeption. Darauf sind die Pilgerbücher gestapelt, Bändchen in Grün und Violett liegen fein säuberlich aufgereiht, im Karton stapeln sich die Prayer-Boxen mit Rosenkranz, Weihwasser und Kreuz. Auf der Bühne hinter der Rezeption warten die Pilgerhüte und Stadtpläne darauf, ausgeteilt zu werden. Nellessen hat alle Hände voll zu tun. Gerade sind die Gäste aus Spanien gekommen.

Nadja (16) und ihre Freundin Gina (17) haben sich direkt entschlossen, beim WJT@Home mitzumachen, als sie davon gehört haben. „Mein Opa hatte mal zwei Australierinnen zu Gast, als der Weltjugendtag in Köln war“, erzählt die 17-Jährige. Daher weiß sie, dass ein Glaubensfest keine ernst-trockene Angelegenheit ist, sondern durchaus ein Erlebnis mit viel Spaß. Der fängt schon bei der Anreise an. Mit vier weiteren Mädchen plus Betreuerin werden die beiden sich einen Klassenraum als Schlafsaal teilen. In der Ecke unter dem Fenster haben sie ihre Schlafsäcke ausgerollt. Betreuerin Verena (20) hat sich ein Feldbett in den Raum gestellt. „Ich bekomme sonst Rückenschmerzen“, sagt sie und lacht. Sie betreut diejenigen, die einzeln anreisen und noch Anschluss finden müssen.

 

Das Foyer wird Forum für Diskussionen und Ort der Katechese

Den finden die Jugendlichen leicht – die vielseitigen Möglichkeiten in der Schule helfen dabei. Der Schulhof ist schnell zum Volleyball-Feld umfunktioniert, das Foyer dient als Forum für Diskussionen mit allen Teilnehmern im großen Kreis, als Kino oder als Fläche für Gemeinschaftsspiele und Tänze. „Die Schule ist toll. Alles ist möglich“, schwärmt Ingrid Beschorner, Referentin Kirchliche Jugendarbeit in der Region Mönchengladbach und Heinsberg. Sie kennt sich aus, es ist nicht das erste Mal, dass sie eine große Zusammenkunft für Jugendliche organisiert.

Mit ihrer Lage nahe am Stadtzentrum und ihren großzügigen Räumen ist die Bischöfliche Marienschule ideal als Herberge für die Alternative zum großen Weltjugendtag in Rio. „Wir wollen zeigen, was es hier in unserer Heimat gibt und wie wir kirchliche Jugendarbeit machen“, sagt Beschorner. Die Albertuskirche, die gerade zur Jugendkirche umgebaut wird, liegt nur wenige Gehminuten entfernt, ebenso das Münster, zu dem am letzten Abend die Lichterprozession führt. Der Kreuzweg am vierten Tag führt die Jugendlichen von der Marienschule über sechs Stationen wie das Krankenhaus Maria Hilf und den Alten Markt schließlich in den Bunten Garten – die Schule als Ausgangspunkt zu einem spirituellen Stadtrundgang.

Dass auch Gäste aus Spanien gekommen sind, freut die Veranstalter besonders und unterstreicht den internationalen Anspruch, den der WJT@home auch in Gladbach hat. Erste Kontakte zu den spanischen Gästen wurden 2011 beim Welt- jugendtag in Madrid geknüpft. Seitdem seien die Beziehungen und Partnerschaften weiter ausgebaut worden, berichtet José Manuel aus Toledo.

 

Um die halbe Welt wird eine Brücke direkt nach Rio geschlagen

Wer die Jugendlichen in diesen Tagen beobachtet, wird Zeuge, wie aus Fremden eine Gemeinschaft wird. Pausen werden für einen kleinen Plausch im Schatten der Bäume auf dem Schulhof genutzt, im Foyer treffen sich Jungen und Mädchen, um im Internet zu surfen und Kontakt mit der Heimat aufzunehmen. „Gruppen- und Sprachbarrieren sind schnell gefallen. Die Durchmischung ist sehr gut“, freut sich Erik Pühringer, Regionaldekan für die Region Eifel. Und mit Hilfe von Fernsehübertragungen wird von hier um die halbe Welt eine Brücke direkt zum Weltjugendtag in Rio geschlagen.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 02.08.2013

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