Kirche in der Region Mönchengladbach
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Pfarrer Albert Damblon

Albert Damblon kam als Pfarrer 2003 von Herrenshoff nach Gladbach-Stadtmitte.

Vollbild Pfarrer Albert Damblon Galerie Pfarrer Wolfgang Bußler Wolfgang Funke ist in der City-Seelsorge an der Citykirche Mönchengladbach engagiert. Eugen Godoj, PAstoralreferent in St. Albertus Mönchengldabch

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 22/2013

Unterschiedliche Strömungen einen

Eine Bilanz über vier Berufsleben in der Kirche – Zweiter Teil

Zum Ende ihrer Amtszeiten in der Pfarrei St. Vitus trafen sich die Pfarrer Wolfgang Bußler und Albert Damblon sowie die Pastoralreferenten Wolfgang Funke und Eugen Godoj im Lesecafé und zogen eine Bilanz ihrer Arbeit.

Im zweiten Teil des Gesprächs sagen sie, welche Rolle der interreligiöse Dialog spielt und welche Baustellen ihren Nachfolgern bleiben.


Welches Ereignis hat Sie bei Ihrer Arbeit besonders beeindruckt?

Albert Damblon:  Positiv für mich war die Cityseelsorge, die ich als Dekan mit einstielen konnte. Deren Entwicklung verknüpfe ich vor allem mit der Arbeit von Wolfgang Funke. Wir hatten die Chance, dass wir dafür einen fast verfallenen Kirchenraum nutzen konnten. Dass die Gemeinde auf diesen Raum verzichtet hat und diese Kirche jetzt in neuem Glanz erscheint, ist toll.

Wolfgang Bußler: In deiner Zeit hast du mit dem Münster sogar zwei Kirchen renoviert.

Albert Damblon: Ja, mit der Unterstützung der Gemeinde. Dass man mit Laien so viel bewegt, ist eine gute Erfahrung.

Wolfgang Bußler: Ich habe mir nicht vorstellen können, dass es eine Fusion gibt und Kirchen leer stehen sollen. Ich bin froh, dass in St. Vitus alle Kirchen noch da sind und eine eigene Bedeutung haben. Heute würde ich sogar sagen, der Bischof müsste alle GdGs fusionieren.

Wolfgang Funke: Es begann mit dem Aufbruch der Kirche durch das Konzil, mit  dem wir vier in unsere Berufe eingestiegen sind. Eugen Godoj und ich gehören zu den dienstältesten Pastoralreferenten. Die gab es vor 1977 noch gar nicht. Im Bistum Aachen gab es 800 Priester und keine Gemeinde- oder Pastoralreferenten. Heute sind es 110 Pastoralreferenten und 220 Gemeindereferenten. Die Zahl der Priester liegt, je nachdem wie man zählt, bei 250. Ich habe hier in der Cityseelsorge sehr frei arbeiten können und kann mit großer Dankbarkeit auf die Zeit sehen. Ich habe festgestellt, dass es sehr gut geht, wenn man die Mitarbeiter eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten lässt.

Eugen Godoj: Bei allen Schwierigkeiten, die es gab, hatten wir mit den Ehrenamtlichen und dem Pastoralteam das Gefühl, dass wir jetzt aufbrechen müssten – auch wenn es uns am Anfang gegrämt hat. Eine schreckliche Erfahrung für mich war, dass fünf Leute im Bistum alles entscheiden. Als die Finanzkrise kam, hatten wir einige Gespräche, aber es gab keine Beteiligung. Als mündige Christen hatten wir keine Möglichkeiten, mit zu entscheiden. Jetzt gibt es wieder ein zartes Pflänzchen des Aufbruchs und es wird versucht, besonders von Bistumsseite, innovative Ideen zu fördern. Synergien haben sich gebildet und wir merken, dass wir mit Partnern Projekte finanziell stemmen können, die wir alleine nie geschafft hätten. Ein Beispiel ist die Jugendkooperation Mönchengladbach-Mitte, kurz Jukomm. Für die Jugendkooperation haben wir uns mit dem städtischen Jugendheim Step und der Jugendarbeit der evangelischen Christusgemeinde zusammen getan.

Wolfgang Funke: Wir haben versucht, uns für die nächsten zehn Jahre aufzustellen und damit das Feld für die Zukunft zu bereiten. Die kommende Generation muss die Dinge dann weiter entwickeln.

Albert Damblon: Obwohl ich sehr gelitten habe, als uns die Regionalstellen zugemacht wurden, war das nicht so eine Erfahrung, dass ich abgeblockt hätte – weil jetzt die positiven Dinge überwiegen. Dass hier eine ökumenische Zusammenarbeit entstanden ist, dass der Dialog mit den muslimischen Gemeinden hier gepflegt wird, ist mir wichtig. Das finde ich schön.

Wolfgang Funke: Der interreligiöse Dialog ist noch singulär im Bistum. Wenn wir in der Citykirche Gottesdienst feiern und dabei rezitiert der Hodscha der Moschee die Sure aus dem Koran, in der von der Geburt Jesu erzählt wird: Das ist neu. Vom Bischof bekommen wir Rückenwind, wenn wir so experimentieren. Im Grunde genommen könne wir heute keine christliche Theologie mehr betreiben ohne gleichzeitig interreligiös zu denken.

Gibt es offene Baustellen, die Sie hinterlassen?

Eugen Godoj: Zum Abschluss gibt es noch zwei Baustellen: erstens die neue Jugendkirche St. Albertus. Sie sollte ein neues Angebot für die Jugend von St. Vitus und der Region Mönchengladbach sein. Hier wird ein vollkommen neues Angebot für die Region geschaffen. Es ist zwar alles gut vorbereitet, aber die Neuen, die kommen, müssten jetzt das Feld weiter bearbeiten. Die zweite Baustelle ist die Zukunft der Kirche im Bistum Aachen, eine ehrenamtliche Kirche. Das wird ein großer Bereich zukünftiger Arbeit sein. Es geht darum, Verantwortung zu übergeben und zuzulassen, dass ehrenamtliche Mitarbeiter diese Verantwortung übernehmen, sie auszubilden und zu befähigen. Ich glaube, Kirche wird Laien in der Verantwortung brauchen. Es geht nur so, weil wir weiterhin, auch mit sehr wenig Priestern, in der Fläche Angebote für Kinder und Senioren vor Ort brauchen. Wir machen hier in St. Vitus mit ehrenamtlichen Mitarbeitern sehr gute Erfahrungen. Hier zwei Beispiele: Die Gemeindebüros werden alle ehrenamtlich betrieben, ebenso Küsterdienste in zwei Kirchen unterstützt.

Wolfgang Funke: Es ist so: Wo sich in der Pfarrei niemand mehr einsetzt, da geht auch nichts mehr.

Albert Damblon: Es ist sehr schön, zu sehen, wie sich die unterschiedlichen Strömungen in der Pfarrei ertragen. Es gibt konservative und freiere Gemeinden, aber sie haben sich gegenseitig die Freiheit gegeben, sich einzubringen.

Wolfgang Funke: Ich glaube, für eine lebendige Gemeinde geht es nicht anders, als möglichst viel zuzulassen und unterschiedliche Charismen zu wollen.

Die Fragen stellte Garnet Manecke.


Veröffentlicht am 02.06.2013

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