Kirche in der Region Mönchengladbach
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Pfarrer und Propst Edmund Erlemann ist gestorben

Für die gute Sache setzte sich Eddi Erlemann an die Kasse eines Drogeriemarktes. Die Kunden standen Schlange, damit er für die Arbeit des Volksvereins Spenden sammeln konnte.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 46/2015

Trauer um einen leisen Kämpfer

Die Region Mönchengladbach verlor einen großen Menschen: Edmund Erlemann starb mit 80 Jahren

Edmund Erlemann ist tot. Er hinterlässt nicht nur in seinem persönlichen Umfeld eine Leerstelle. Der 80-Jährige gehörte zum Mittelpunkt der Gesellschaft in Mönchengladbach – gerade weil er nie im Mittelpunkt stehen wollte.

Für die KiZ-Sonderbeilage zum 75. Geburtstag von Bischof Mussinghoff besuchte ich Edmund Erlemann. Es war unsere letzte Begegnung. Erlemann erzählte, dass er den Bischof sehr geschätzt habe und wie es während der großen Krise im Bistum dazu kam, dass sich die beiden entzweiten. Er berichtete, dass er Fehler gemacht habe. Ihm war wichtig, dass er sich mit Heinrich Mussinghoff vor der Heiligtumsfahrt im vergangenen Jahr versöhnt hatte. Edmund Erlemann konnte um Verzeihung bitten und selbst verzeihen.

Seine herzliche Wärme brachte Edmund Erlemann jedem unvoreingenommen entgegen. Das Wohl der Menschen war ihm wichtiger als Regeln. Deshalb hat er den Ritus in seinen Gottesdiensten schon mal der Situation angepasst. Er sprach die Menschen an, bei ihm durfte auch gelacht werden. Das öffnete die Herzen von Kindern wie von Erwachsenen. Besonders Armen und Schwachen gab er Halt. Gerade ihnen, den „kleinen Leuten“, Größe zu geben, war ihm das wichtigste Anliegen. Dafür hatte er die Gründung des Volksvereins 1983 angeregt. Mit den Steyler Missionsschwestern schaffte er im Treff am Kapellchen das Kunststück, Menschen mit unterschiedlichem sozialen Status auf Augenhöhe zusammenzubringen. Als leiser Kämpfer in einer lauten Welt bewies Edmund Erlemann eindrucksvoll, dass man nicht schreien muss, um gehört zu werden. Er suchte nicht das Rampenlicht, nicht die erste Reihe, nicht die Nähe von Prominenz. Aber er scheute sie auch nicht, wenn es der Sache diente. Edmund Erlemann war ein Mann mit Rückgrat, der sich für andere einsetzte und seine Meinung offen vertrat. In vielen Punkten war er mit seiner Amtskirche nicht einig: Er votierte dafür, den Pflicht-Zölibat abzuschaffen und Frauen für Priesteramt und Diakonat zuzulassen.

 

Ein Mann mit Rückgrat, der sich einsetzte

Lange bevor Franziskus Papst wurde, prangerte er an, dass sich die Kirche zu weit von den Menschen entfernt habe. Vor allem von denen, die in Not sind und Hilfe brauchen. „Kirche sollte für alle da sein und besonders für diejenigen, die arm dran sind“, sagte er. Dabei machte er keine Unterschiede, ob die Menschen unverschuldet oder durch eigene Fehler in Not geraten waren. „Brauchen die Menschen weniger Hilfe, wenn sie an ihrer Situation selbst schuld sind?“, fragte er bei einem Treffen vor einigen Jahren. Am 4. November ist Edmund Erlemann unerwartet verstorben. Dass zur Totenwache im Brandts Kapellchen Mütter ihre Kinder mitbrachten, dass lächelnd auf die Babys in den Tragen geschaut wurde und vor der Kapelle sogar Lachen erklang, hätte ihm sicher gut gefallen. Seine letzte Ruhe hat Edmund Erlemann, den alle liebevoll Eddi nannten, neben Franz Brandts, dem Gründer des historischen Volksvereins, gefunden. Er bleibt an seiner Wirkungsstätte. Danke für alles, Eddi!


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 10.11.2015

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