Kirche in der Region Mönchengladbach
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Seniorenwallfahrt der SMB-Wickrath

Eindrücke vom Herbst 2014

Was ist das an diesem Donnerstagmorgen im September? An den Anblick der Marktbeschicker zu früher Stunde gewöhnt, wundert sich der zum Bahnhof Eilende über die Geschäftigkeit vor der Kirche.

Quirlige Frauen und Männer, 18 an der Zahl, die Koffer hinter sich herziehend, warten darauf, sie dem Begleitpersonal zur Verladung in die Büschen übergeben zu können. Kaum sind die Hände frei, folgt eine Umarmung der anderen, ob der Freude, sich wiederzusehen.

Ihre Munterkeit, das schicke Wanderoutfit, Rucksäcke sowie Stöcke, kennzeichnen sie als Trierpilger und manche tragen gar eine Medaille um den Hals - hierzu später mehr.

Die Fahrzeuge, weiters bestückt mit Mineralwasser, Obst, Kuchen und kleinen Süssigkeiten, bleiben die nächsten drei Tage bzw. die zurückzulegenden 75 Gehkilometern stets bei den Wallfahrern.

Nach dem Wortgottesdienst zum Auftakt geht es zu Fuß zum Matthias-Bildstock am Priorshof, vor langer Zeit von der SMB-Rheindahlen errichtet und anschließend auf vier Rädern Richtung Eifel.

Die Zeit der Busfahrt nutzen die Altpilger für ein Nickerchen, die Neuen in der Gruppe denken im Stillen „Auf was haben wir uns eingelassen?“.

Kurz vor Ripsdorf, nahe Blankenheim, macht sich Redseligkeit breit, denn alle freuen sich auf den wärmenden und kreislaufanregenden Kaffee.

Dann wird es ernst: „Langsam fertig machen!“ sowie „Kreuz voran!“ - wie immer ist es blumengeschmückt - lässt sich jetzt und noch unzählige Male auf dieser Pilgertour der Brudermeister - erkennbar am ebenfalls dekorierten Brudermeisterstab - vernehmen.

Für die Neupilger eine Premiere, für die Altpilger ein liebgewordenes und vertrautes Bild: Unser Pilgerkreuz im Lampertstal. Wanderer auf dem Eifelsteig, der von Aachen nach Trier verläuft, finden hier eines der vielen Richtungsschilder und  Hinweise auf Nachtquartiere in Mirbach. Die dortige sehenswerte Erlöserkirche, ist eine Erwähnung wert. Sie thront auf einer kleinen Anhöhe über dem Ort , stammt aus den Anfängen des 20. Jh. und bereits im 13. Jh. stand an gleicher Stelle ein Gotteshaus. Zurück ins Heute. Die Vorstellungsrunde folgt und an den kommenden Tagen wechseln rosenkranzbeten, meditieren, schweigen, singen und sich austauschen ab. Hierbei sind die Mittags- und Kaffeepausen willkommene und gern angenommene Unterbrechungen, sie stählen den Körper und das Sitzen tut gut.

Die Fahrer freuen sich unterwegs über den ein oder anderen „Fußlahmen“, sorgt er doch während des Wartens auf die muntere Schar für nette und abwechslungsreiche Unterhaltung „an Bord“, etwa mit dem Neuesten aus Wickrath und den Meldungen der Tageszeitung von Mittwoch.

Dann wird es jedoch Zeit, an die Bänke und Tische hand anzulegen um alles für die jeweiligen  Zwischenstops vorzubereiten, bei denen Getränke, kleine Stärkungen sowie ggfls. die mitgeführten Schirme für den aufziehenden  Regen ausgegeben werden.

Vor den Abendessen in Daun und Hupperath beenden ein Schlussgebet oder eine Betrachtung sowie ein lautes „Gelobt sei Jesus Christus ...“ den anstrengensten Teil des Tages.

Die in sich aufgenommene vielfältige Eifellandschaft mit ihren typischen kleinen Seitentälern, den tollen Weitblicken, kleinen Bächen, saftig grünen Wiesen - aufgelockert von Baumgruppen  nebst Kühen, die an Saufschalen ihren Durst löschen -  den abgebrochenen Ästen - die interessante Gebilde hervorbringen, wie kein Künstler sie zu schaffen vermag - den „eingepackten“ Heuballen, die auf den Abtransport zu einem mitunter einsam gelegenen  Bauernhof warten, Hochständen, den  leider immer mehr aufgestellten Windkrafträdern und vereinzeltem Klatschmohn am Wegesrand sowie das Miteinander-unterwegs-sein, die vertraulichen Gespräche, geistigen Impulse und das herzhafte Lachen lassen alle froh und dankbar recht bald einschlafen. Ein viel zu laut klingelnder Wecker beendet brutal am nächsten Morgen die Nachtruhe.

Weitere  Stationen möchte ich dem Leser nicht vorenthalten:

Da ist zum einen die Weinfelder Kapelle am Totenmaar, oberhalb Dauns mit dazugehörigem Friedhof - den Eifelkennern  als „Friedhof ohne Dorf“ bekannt - in der wir stets Gottesdienst feiern. Zur Freude der Ankommenden, hängt sich das Begleitpersonal zum Läuten mächtig in die Seile und die stets offene Tür lädt Beter und Wandersleut’ zum Eintreten und Verweilen ein.

Ein kurzer Ausflug in die Geschichte. Die Kapelle war lange Zeit die Pfarrkirche von Weinfeld, das heute vom Erdboden verschwunden ist. Nur das kleine Gotteshaus, das zu den ältesten christlichen Kirchen der Eifel zählt, steht noch. Rückblick: Im 16. Jahrhundert schleppten Kriegsvölker eine pestartige Krankheit in die „Rheinlanden“ ein und richteten damit „große Verheerungen“ an, die die Leute schnell und massenweise sterben ließ. Auch Weinfeld wurde nicht verschont. 1562 verließ der letzte Bewohner, Pastor Peter von Mehren, das Dorf und zog wie viele andere ins benachbarte Schalkenmehren. Nach und nach verschwanden die Häuser, doch das Kirchlein blieb und das Ewige Licht erlosch erst 1726. „Ihre Kapelle“ ganz verfallen zu lassen brachten die Schalkenmehrener nicht übers Herz, sammelten Spenden und ließen sie 1887 wieder einsegnen.

Und zum anderen die 1135 unweit Manderscheids errichtete Zisterzienser Abtei Kloster Himmerod, die rasch reich wurde. Im 15 Jh. verfügte die Bibliothek über stattliche 2000 Bücher. Nach Aufhebung des Ordens durch napoleonisches Gesetz im Jahre 1802 benutzten Bürger und Bauern die Gebäude als Steinbruch. 1919 bauten Mönche aus Bosnien über dem alten Grundriss die Abtei wieder auf und 1952 entstand die Kirche neu. Die Bibliothek ist heute wieder eine Kostbarkeit und die an der vorbei fließenden Salm betriebene Fischzucht trägt u.a. zur finanziellen Absicherung bei. Klosterkirche und -cafe sind feste Größen am zweiten Tag.

So vergehen die Tage mit Sonnenschein, einzelnen Schauern oder gar starken Regengüssen, tollen Wolkenbildern, dem ein oder anderen gesehenen Stück Wild und das Ziel, die Benediktiner Abtei in Trier, rückt näher. „Wie schnell die Zeit bis heute verging, nun sind wir schon bald da.“ stellt eine Pilgerin fest, als der Parkplatz Weishaus, oberhalb der Stadt, erreicht wird. Recht lebhaft geht es zu, aber auch Wehmut schwingt mit: Das Ende des Höhepunkts im Pilgerjahr ist absehbar.

Bevor die letzte Stunde Fußmarsch folgt, geben sich alle nochmals einem selbstgebackenen Kuchen und „eßbaren Herzen“ hin und ein Tablett „Pilgerwasser“ macht die Runde. Feierlich wird es immer, wenn dem Brudermeister die Aufgabe zukommt, den Neupilgern ein Sträußchen anzustecken, um sich hierdurch  beim Einzug in St. Matthias abzuheben.

Schweigend geht es am Moselufer entlang. So kann der Einzelne den hinter sich gebrachten Weg Revue passieren lassen, die Ehepaare fühlen sich auf diesem Stück besonders verbandelt.

Beeindruckt vom Glockengeläut – nur für uns -, vom Abholen auf dem Freihof durch den Pilgerpater, vom Einzug in die Abteikirche unter „Großer Gott ...“ - zu ergriffen sind einige um mitzusingen - ,vom Berühren der Füße „des steinernen Apostels“ – wie viele Hände mögen wohl schon diesen Kontakt gesucht haben - und von den Worten und  Gebeten des Paters sind nun alle erleichtert, angekommen zu sein. Die Erstpilger tragen mit großem Stolz jetzt auch die ihnen zuvor überreichten Pilgermedaillen.

Noch herzlicher als Donnerstagmorgen fallen jetzt die Umarmungen aus und das ein oder andere Tränchen ist noch nicht abgewischt. Beim Gruppenfoto vor der Eingangspforte sind alle Strapazen vergessen und nur glückliche Gesichter schauen in die Kamera.

Das dritte, festlichere Abendessen steht bevor und die kommende Nacht ist recht kurz. Das Erlebte, Gesehene und Gehörte bietet reichlich Gesprächsstoff und der Rest der Welt wird wieder wahrgenommen.

Mit dem Besuch des sonntäglichen Hochamtes, das die Mönche mit ihrem gekonnten und oft dargebotenen Chorgesang bereichern, der Übergabe einer großen Kerze von Seiten unserer Bruderschaft als Zeichen der Verbundenheit mit dem Konvent, der Verabschiedung durch Pater Athanasius mit dem Satz „Nach der Wallfahrt ist vor der Wallfahrt!“ endet der Aufenthalt in der ältesten Stadt Deutschlands.

Sind das Gepäck verräumt und die Busplätze eingenommen, geht es zurück ins heimatliche Wickrath. Manches Auge fällt zu und verschließt dem Schlafenden das ein oder andere Sehenswerte.

Die Ankunftsandacht setzt den Schlusspunkt. Unter dem Zuruf „Bis zum nächsten Jahr.“ gehen alle auseinander und jeden erwartet zu Hause sein persönlicher Alttag.


Von Gisela Pruß

Veröffentlicht am 10.10.2014

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