Kirche in der Region Mönchengladbach
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Neuenhovener Wallfahrtsoktav nutzen viele Pilger als Exerzitien

Pfarrer Lothar Wingender zeigt die Monstranz mit den Reliquien der 14 Nothelfer. Sie ist Mittelpunkt der Wallfahrtsoktav in Neuenhoven.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 29/2015

Seine Heimat im Glauben finden

Die Verehrung der 14 Nothelfer bei der Wallfahrtoktav in Neuenhoven nutzen viele Pilger als Exerzitien

Seit über 600 Jahren machen sich Pilger auf den Weg zur Wallfahrtsoktav in Neuenhoven. Den landwirtschaftlichen Markt, der bis in die 1960er Jahre vor den Toren der Kirche St. Georg stattfand, gibt es schon lange nicht mehr. Die kraftspendende Wirkung der 14 Nothelfer ist geblieben.

Für einen kurzen Augenblick stand die Verwirrung im Raum. „Hat er es etwa vergessen?“, fragten sich die Besucher des Eröffnungsgottesdienstes zur Wallfahrtsoktav in Neuenhoven. Mit der Verehrung der Reliquien-Monstranz sollten die Gläubigen in den sommerlichen Abend entlassen werden. Auf einem Seitenaltar stand die Monstranz bereit, aber Pastor Lothar Wingender hatte den Kirchenraum schon verlassen. Aber vergessen hat er das Ritual nicht. Der Geistliche weiß, dass es den Gläubigen viel bedeutet, die Monstranz zu berühren. In ihr werden die Reliquien der 14 Nothelfer aufbewahrt. „Heimat“ ist das zentrale Thema des Eröffnungsgottesdienstes. „Woran machen wir Heimat fest?“, fragte Regionaldekan Ulrich Clancett in seiner Predigt. Ist es das Dorf, das einem aus Kindertagen noch so vertraut ist? Ist es die Kirche, die Straße, das Blumenbeet oder gutes Essen? Oder sind es Gefühle wie Sicherheit und Geborgenheit, die Heimat ausmachen?

 

Der Verlust der Heimat ist ein aktuelles Thema

„Als schlimmes Unglück galt es nach dem Krieg, seine Heimat verlassen zu müssen, vertrieben zu sein“, sagte Clancett. Ein Gefühl, das Menschen auch heute erleben. „In unserer Nachbarschaft müssen Menschen ihre Heimat verlassen, um unserer Energiewirtschaft Tribut zu zollen“, zieht der Regionaldekan eine Parallele zur Gegenwart. Angesichts der Flüchtlingsströme aus Kriegs- und Krisengebieten werden die Menschen hierzulande Zeugen, wie viele Kinder, Frauen und Männer ihre Heimat zurücklassen müssen. Auch die Legenden der 14 Nothelfer erzählten davon, dass die Heiligen unterwegs waren, weil sie ihre Heimat verlassen mussten. Doch sie fanden im Glauben eine Heimat, die ihnen niemand nehmen konnte. „Jesus zeigt, dass Wunder nichts mit Hokuspokus zu tun haben“, betonte Clancett. „Wo kein Glauben ist, da können auch keine Wunder im Glauben geschehen.“ Auch Jesus sei in seiner Heimat abgelehnt worden. „Aber er verspürte seine Heimat bei seinem Vater“, stellt Clancett fest. „Darin tun es ihm die 14 Nothelfer gleich. In diese Heimat sind wir als Christen alle berufen.“

Die Wallfahrt könne jedem dabei helfen, den Heimatbegriff tief in seinem Herzen neu zu ordnen. Wie wichtig das auch in der modernen Zeit ist, zeigt die Verehrung der Reliquie nach dem Gottesdienst. Die Gläubigen berühren nur für Sekunden die Monstranz, in denen die Knochensplitter der Nothelfer aufbewahrt werden. Aber diese Sekunden geben ihnen Kraft. Eine Kraft, die Gläubige in Neuenhoven schon seit über 600 Jahren schöpfen. Seit dem 14. Jahrhundert hat sich die Gemeinde St. Georg als Pilgerstätte einen Namen gemacht. Obwohl der älteste Beleg dafür von 1385 stammt, sind die Reliquien erst im 19. Jahrhundert nach Neuenhoven gekommen. 1856 wurde die Kirche zur Pfarrkirche. Ein Pfarrer ließ die Reliquien der 14 Heiligen, nach Neuenhoven bringen und ein Gnadenbild anfertigen.

 

Kein Großereignis, aber ein großer Kraftspender

Bis in die 1960er Jahre war die jährliche Wallfahrt ein großes Ereignis, bei dem ein landwirtschaftlicher Markt vor der Kirche stattfand und in deren Zeit das Vertragsschlussdatum für Landübertragungen fiel. Heute erinnert noch das Pfarrfest zum Abschluss der Oktav daran. Die Wallfahrt ist kein Großereignis mehr. Viele Pilgergruppen nutzen sie als Exerzitien im Alltag, um neue Kraft zu tanken.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 15.07.2015

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