Kirche in der Region Mönchengladbach
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KirchenZeitung begleitete Aufbau der Ausstellungsobjekte in Schloss Rheydt

Mit einem Akku-Schrauber befreit Christine Adolphs den Schrein aus der Kiste.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 39/2013

Schweres Gerät an filigraner Kunst

Das Museum Schloss Rheydt zeigt den Münsterschatz

Am Sonntag, 29. September, wird die Ausstellung „Dem Himmel ein bisschen näher“ im Museum Schloss Rheydt eröffnet. Gezeigt werden rund 150 Skulpturen, Bilder, Kleider und Reliquiare aus dem Münsterschatz. Die Kirchenzeitung durfte beim Aufbau der Ausstellung dabei sein.

Vorsichtig rückt Dr. Karlheinz Wiegmann, Direktor des Museums Schloss Rheydt, das Podest gerade. Es muss mit den zwei benachbarten Podesten eine Flucht bilden, hier finden die Heiligenbüsten ihren Platz. Während Wiegmann die Abstände genau ausmisst, widmet sich Christine Adolphs, Restauratorin der städtischen Museen in Mönchengladbach, den weißen Transportkisten. Flink dreht sie die Schrauben ab, hebt vorsichtig ein weißes Päckchen heraus und stellt es in die bereit stehende Glasvitrine. Vorsichtig werden die Klebebänder von dem Papier gelöst, sie finden auf der Schürze von Adolphs vorübergehend einen neuen Platz.

„Wenn ich die nicht ganz abnehme, dann kann es passieren, dass sie an dem Kästchen kleben bleiben“, erklärt die Restauratorin. Das wäre eine Katastrophe, denn das Elfenbeinkästchen ist, wie die anderen Ausstellungsstücke, gerade erst gereinigt und restauriert worden. Jetzt zaubern seine feinen Schnitzereien wieder ein Lächeln in das Gesicht des Betrachters.

 

Für den Katalog wurden die Stücke schon ins richtige Licht gerückt

Gut drei Wochen dauert der Aufbau der Ausstellung „Dem Himmel ein bischen näher – Die Schatzkammer der Münsterkirche in Mönchengladbach“. Dafür wurden im Vorfeld Podeste gebaut und Wände gestellt, die in einem dunklen neutralen Ton gestrichen sind. Die Wahl der Farbe war schon eine eigene Herausforderung, erzählt Wiegmann. „Zum einen musste er zu dem roten Boden passen, aber gleichzeitig die Stücke besonders gut zur Geltung bringen“, erklärt er.

Erst zwei Tage zuvor wurden die restaurierten Objekte angeliefert. Schon vorher waren sie einmal ausgepackt und ins rechte Licht gerückt worden, um für den Katalog fotografiert zu werden. Beim Ausstellungsaufbau wird die Beleuchtung erst ganz zum Schluss optimal eingestellt. Aber schon jetzt glänzt das dunkle Holz des St. Nikolaus, im Arbeitslicht blinken Gold und Silber, Edelsteine funkeln. Auf den Podesten liegt Folie, damit keine Kratzer entstehen. Wie ein roter Teppich ist eine Folienbahn auf dem Boden ausgerollt, darauf reihen sich die Monstranzen aneinander. Um die Schultern von St. Vitus und St. Laurentius ist weißes Papier wie eine Stola drapiert.

 

Vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert führt die Austellung

In vier Räumen wird die Ausstellung präsentiert. Die Organistoren haben dafür eine chronologische Reihenfolge vom Mittelalter über die frühe Neuzeit bis zum 19. Jahrhundert gewählt. Im ersten Raum begenet der Besucher den Reliquien der Heiligen. Viele Holzreliquiare sind hier zu sehen. „Die haben die Zeit unter Napoleon überstanden“, erzählt Wiegmann. Während die Gegenstände aus Gold und Silber von Soldaten geraubt und eingeschmolzen wurden, um das wertvolle Material zu verkaufen, hatten die Holzgegenstände für die Plünderer keinen Wert. Die Reliquien aber blieben erhalten. Christine Adolphs greift zum Akku-Schrauber.

Die große Kiste auf der Euro-Palette wird nun aufgemacht. Sie birgt den Abendmahlsschrein, in dem sich ein Stück des Tischtuchs vom letzten Abendmahl befindet. Während der Heiligtumsfahrt im kommenden Jahr wird das Tuch den Gläubigen eine Woche lang gezeigt. Der Schrein ist der optische Mittelpunkt der Ausstellung. Der Akku-Schrauber sirrt, schnell hat Adolphs den Schrein von seiner Umhüllung befreit. Wie frisch poliert glänzt das goldene Dach. Viele der Reliquiare sind erst im 19. Jahrhundert entstanden. „Dafür haben die Bürger gespart und gespendet. Sogar Arbeiter haben in den Fabriken zusammengelegt, um die Arbeiten zu finanzieren“, berichtet Wiegmann. Nachdem die Stücke alle richtig auf ihren Podesten positioniert sind, werden die Vitrinen darüber gebaut. Die sollen vor allem davor schützen, dass die Objekte von Besuchern berührt werden. Denn Schweiß und Fett der Haut würden die Ausstellungsstücke schädigen. So können die Besucher den Münsterschatz ohne Fingerspuren in seiner ganzen Pracht bewundern.

Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 29. September, um 15 Uhr. Bis 27. April, ist sie di-fr 11 bis 17 Uhr, sa und so 11 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. www.schlossrheydt.de


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 27.09.2013

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