Kirche in der Region Mönchengladbach
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Auf Schloss Rheydt wird demnächst der Kunstschatz des Mönchengladbacher Münsters St. Vitus ausgesstellt.

In den Vitrinen der Münsterschatzkammer waren die Kunstwerke lange Zeit im Dunkel verborgen. Bald erstrahlen sie in neuem Glanz.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 15/2013

Projekt Münsterschatz

Im Museum Schloss Rheydt werden die Kunstwerke ausgestellt

Im September wird im Museum Schloss Rheydt der Münsterschatz zum ersten Mal in einer öffentlichen Ausstellung gezeigt. Dafür werden die Kunstwerke restauriert, Studenten der Heinrich-Heine- Universität katalogisieren die Objekte wissenschaftlich und dokumentieren deren Herkunft.

Es ist jetzt fast zwei Jahre her, dass Karl-Heinz Wiegmann, Direktor des Museums Schloss Rheydt, zum ersten Mal in der Münster-Schatzkammer stand. Für eine Ausstellung wollte sich der Kunsthistoriker einige Stücke ausleihen. Und was er in dem kleinen, dunklen Raum hinter den staubigen Vitrinen sah, hat ihn beeindruckt. „Für ein Museum ist der Kunstschatz von Wert“, sagt Wiegmann. „Aber historisch gesehen ist er von großem Wert, weil damit die Gründung der Stadt verbunden ist. Einige Reliquien sind ja viel älter als die Stadt.“
Der Legende nach fanden der Kölner Erzbischof Gero und der Mönch Sandrad auf der Suche nach einem geeigneten Ort für die beabsichtigte Gründung eines Klosters im Abteiberg die Reliquien des heiligen Vitus. An diesem Ort wurde das Kloster gegründet, um das in den nachfolgenden Jahrhunderten eine Stadt entstand.
Rund 150 Reliquien werden in Behältern des Münsterschatzes aufbewahrt. Der umfasst etwa 150 Objekte: Tragaltäre, Monstranzen, Ostensorien, Hostienschatullen, Heiligenfiguren und Bilder gehören dazu. „Die Schatzkammer ist sehr bemerkenswert“, urteilt der Kunsthistoriker. „Eine Stadt wie Mönchengladbach hat so etwas normalerweise nicht.“ Dabei ist nur ein Teil des ursprünglichen Schatzes der Mönchengladbacher Abtei erhalten geblieben. Als Napoelon mit seinen Truppen den Niederrhein besetzte, blieb auch die Abtei nicht verschont. „An den Reliquien hatten die Besatzer weniger Interesse, dafür aber am Edelmetall der Behälter, in denen die Reliquien aufbewahrt wurden“, berichtet Wiegmann. 1802 wurde die Abtei aufgelöst, die Besatzer nahmen einen großen Teil des Schatzes mit und machten ihn zu Geld.


Ein Stück des Abendmahltuchs wird in der Schatzkammer aufbewahrt

Aber noch im 19. Jahrhundert habe die Bevölkerung mit viel Aufwand und Geld aus Spenden dafür gesorgt, dass neue Behältnisse für die Reliquien angeschafft werden konnten, berichtet Wiegmann. Unter den Reliquien ist neben Knochenfragmenten des heiligen Vitus auch ein Stück des Tuchs, das beim Letzten Abendmahl auf dem Tisch gelegen haben soll. Das Tuch wird zwar nicht gezeigt, weil das nur alle sieben Jahre zur Heiligtumsfahrt präsentiert wird, aber der mittelalterliche Tragaltar, in dem es aufbewahrt wird, ist eines der Glanzstücke der Ausstellung. Das Tuch selbst können die Gläubigen dann im kommenden Jahr sehen. Auch ein byzantinisches Elfenbeinkästchen ist eine der ältesten Preziosen der Schatzkammer.
Die Historie und all die Geschichten rund um die Schätze sollten nicht im Dunkeln der Münsterschatzkammer versteckt bleiben, meinte Wiegmann nach seinem ersten Besuch. Denn die Münsterkammer kann zwar im Prinzip jeder besuchen, aber nur nach Terminabsprache. Eine permanente Öffnung ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Als Leiter des Museums war für ihn eine Ausstellung im Schloss Rheydt nahe liegend.


Die Geschichten rund um die  Schätze sollen erzählt werden

Auch Propst Albert Damblon war von der Idee gleich angetan. Allerdings zeigte sich schon sehr bald, dass die Ausstellungsstücke vor der Präsentation gereinigt und zum Teil restauriert werden mussten. Für die Gemeinde St. Vitus wäre das fachlich wie finanziell allein nicht zu machen gewesen. Zahlreiche Anträge für Fördermittel und viele Gespräche zur Sponsorensuche später steht das Projekt jetzt auf einem festen Fundament.
Zwei Schritte führen die Organisatoren zum Ziel. „Im ersten Schritt müssen die Objekte gereinigt und zum Teil restauriert werden“, erklärt Wiegmann. Dafür erhält das Gladbacher Team kompetente Unterstützung von Birgitta Falk, Leiterin der Essener Domschatzkammer. Unter ihrer Leitung bessern professionelle Restauratoren schadhafte Stellen aus, bringen Farben und Metalle zu neuem Glanz. „Und im zweiten Schritt, muss man ja auch etwas über die Objekte wissen, um sie zeigen zu können“, sagt Wiegmann. „Aber über viele Stücke wissen wir nichts.“ Das wird sich bald ändern. In der Kunsthistorikerin Andrea von Hülsen-Esch und ihren Studenten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat er dafür die richtigen Mitstreiter gewonnen. Sie übernahmen die wissenschaftliche Untersuchung der Exponate. In zwei Semestern haben sie nach der Herkunft der Objekte und ihrer kunsthistorischen Einordnung geforscht. „Sie recherchieren nach Quellen, um das Material datieren und sie kunsthistorischen Vorlagen oder bestimmten Werkstätten zuordnen zu können“, sagt Wiegmann.
Zudem haben Fachleute des Landschaftsverbandes Rheinland verschiedene Expertisen zu den Werken aus Metall, Holz und Textil erstellt. Die Ergebnisse all dieser Forschungsarbeit werden in einem Katalog zur Ausstellung zu lesen sein. Dafür werden die Ausstellungstücke nach der Restaurierung fotografiert, bevor sie in den Räumen des Renaissance-Schlosses für vier Monate Gladbacher Stadt- und Kirchengeschichte erzählen.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 11.04.2013

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