Kirche in der Region Mönchengladbach
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Klaus Bongartz arbeitet seit 25 Jahren für die Kirche in der Aids-Prävention

Mit Lehrern und Kooperationspartnern spricht Klaus Bongartz Termine und Aktionen in den Schulen ab.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 37/2013

Pionier in der Aids-Prävention

Im Auftrag der Kirche spricht Klaus Bongartz seit 25 Jahren mit Jugendlichen über Liebe und Sex

Seit der HIV-Virus in den 1980er Jahren für Hysterie in Deutschland gesorgt hat, ist Klaus Bongartz in der kirchlichen Aids-Prävention aktiv. Schon früh beschloss der 59-Jährige, sich für Menschen einzusetzen, denen das Schicksal hart mitspielt.

Der Soldat mit der Pickelhaube und dem geschulterten Gewehr schiebt jeden Tag seinen Dienst vor dem Büro von Klaus Bongartz. „Am Anfang habe ich gezweifelt, ob ausgerechnet ich die Figur hier stehen haben sollte“, erzählt der Pädagoge. Schließlich hat er lange ehrenamtlich für das Bistum Aachen in der Beratung für Wehrdienstverweigerer gearbeitet. Aber weil der Holzsoldat ein Geschenk von Jugendlichen einer Werkstatt war und er außerdem witzig aussieht, ist Bongartz zu dem Schluss gekommen, dass die Figur kein Widerspruch zu seiner Haltung ist.

Aufgewachsen ist Bongartz in Brüggen, sein Vater war Finanzbeamter und wollte, dass der Filius Steuerberater wird. Aber als Kind der wilden 1960er Jahre hat sich auch Bongartz gegen die Verhältnisse aufgelehnt. „Wir wollten einiges anders machen als die Generation unserer Eltern“, erinnert er sich heute. „Uns gegen das Establishment und die Etikette auflehnen.“ Und er wollte etwas Besonderes machen. Also entschloss er sich, Sonderpädagogik zu studieren, sein Studium finanzierte er als Taxifahrer.

 

Auflehnen gegen Etikette und Establishment

In seiner täglichen Arbeit wollte sich der Student denjenigen widmen, denen das Schicksal nicht so gute Karten in die Hand gegeben hat. Mit behinderten oder verhaltensauffälligen Kindern wollte er arbeiten. „Ich hatte einen Professor, der im internationalen Austausch und in der Integration sehr engagiert war“, erzählt er. Über ihn lernte er eine junge Frau kennen, die im Rollstuhl saß und aufgrund von Missbrauch in der Kindheit schwere psychische Probleme hatte. Das Schicksal dieser Frau hat ihn berührt, und sein Entschluss stand fest. Seine erste berufliche Station fand er in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Kempen.

 

Eine Chance, als Kirche Stellung zu beziehen

Als Bongartz vor 25 Jahren in die Caritas-Beratung an Schulen zur Aids-Prävention einstieg, haben ihn Freunde und Bekannte oft gewarnt. Wie sollte das in einer katholischen Kircheneinrichtung gehen? „Aber Pfarrer Edmund Erlemann, der beim Verein Wohlfahrt war, der damalige Jugendpfleger Eugen Godoj und Pfarrer Christoph Simonsen, damals Krankenhaus-Seelsorger in Neuwerk, haben das maßgeblich forciert“, erinnert sich Bongartz. „Sie sahen darin eine Chance, dass Kirche da ganz klar Stellung beziehen kann.“ Denn Mitte der 1980er Jahre sorgte der HIV-Virus für eine mediale Hysterie. Noch heute kann sich Bongartz gut an die Schlagzeile in einer großen Boulevardzeitung erinnern: „Bald 3 Millionen Aids-Tote in Deutschland“.

In der Berichterstattung seien ganz absurde Fälle zu den Ansteckungswegen konstruiert worden. Aufklärung wurde also gebraucht. Zumal HIV-Infizierte stigmatisiert wurden. Ein Problem, das auch heute noch besteht – auch wenn das Testergebnis „HIV-positiv“ heute nicht mehr das Todesurteil ist. Heute könne man kaum noch Betroffene dazu bewegen, darüber öffentlich zu sprechen. Bongartz muss andere Wege finden, das Thema in das Bewusstsein der Jugendlichen, mit denen er arbeitet, zu bringen.

 

„Ich war früher immer klein und schüchtern“

Auch in Zeiten des Internet ist die Verunsicherung bei Jugendlichen groß, wenn es um die erste Liebe und Sex geht. Da hilft es dem Pädagogen, sich an die eigene Jugend zu erinnern. „Ich war immer klein und schüchtern und wusste nicht, wie man Mädels anspricht“, erzählt er. „Mein Freund dagegen war der Checker.“ Aber das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich Jungen heute konfrontiert sehen.

 

Auch Jungen folgen heute Schönheitsidealen

Auch Jungen sehen sich zunehmend Schönheitsidealen gegenüber, denen sie nacheifern. „Dadurch haben sie einen Stress, den wir damals so nicht kannten“, sagt Bongartz. Um zu wissen, was die Jungen bewegt, interessiert sich Bongartz für die Jugendkultur, schaut schon mal die Sendungen, die gerade auf dem Schulhof hoch gehandelt werden, und ist im Internet in Jugendforen und auf Social-Media-Plattformen unterwegs. Das Gespür für die Jugendlichen zu erhalten, ist ihm wichtig – nicht nur, um seinen Job gut zu machen. Dabei scheint es mit der aufbegehrenden Jugend erst einmal vorbei zu sein: „Ich habe den Eindruck, die Jugendlichen denken wieder konservativer.“


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 13.09.2013

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