Kirche in der Region Mönchengladbach
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Die Leiter der Pfarre St. Vitus ziehen mit Ausscheiden von Pfarrer Wolfgang Bußler und Propst Albert Damblon BIlanz

Im Lesecafé zogen Wolfgang Bußler, Eugen Godoj, Wolfgang Funke und Albert Damblon (v. l.) eine Bilanz ihrer Zeit in St. Vitus.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 21/2013

Nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen

Eine Bilanz über vier Berufsleben in der Kirche – Erster Teil

Die Pfarrgemeinde St. Vitus in Mönchengladbach gilt als Vorbild in Sachen gelungener Fusion. Vier Mitarbeiter, die die Pfarrei seither mitgeprägt haben, werden im Laufe diesen Jahres verabschiedet. Dies ist der richtige Zeitpunkt, in einem Gespräch Bilanz zu ziehen.

 Die Pfarrer Wolfgang Bußler und Albert Damblon sowie die Pastoralreferenten Eugen Godoj und Wolfgang Funke trafen sich dafür im Lesecafé. Im ersten Teil des  Gesprächs sagen sie, warum der Weg hart war und welche Rolle Religion heute spielt.

Sie werden sich in diesem Jahr von St. Vitus verabschieden, nachdem Sie viele Jahre die Pfarrei geprägt haben. Wie sah die Pfarrei aus, als Sie hier angefangen haben?

Eugen Godoj: Als ich 1980 in Mönchengladbach als Jugendpfleger angefangen habe, da gab es diese Pfarrei noch gar nicht. Nach acht Jahren bin ich in die Gemeinde in Eicken gewechselt und habe dort acht Jahre gearbeitet. Darauf folgten acht Jahre Stadtteilarbeit in der Altstadt. In dieser Zeit habe ich auch die gesamte Entwicklungsphase zum Leitungsmodell Gemeindeleitung in Gemeinschaft mitgemacht und auch in der Gemeinde mitgearbeitet. Die letzten acht Jahre in St. Albertus waren von der GdG-Bildung und der Fusion geprägt.
Albert Damblon: Für mich war das Verrückte, dass ich nach 19 Jahren in Herrenshoff die Pfarrstelle in der Altstadt-Gemeinde übernommen habe, weil ich fürchtete, dass die kleine Pfarrei Herrenshoff eines Tages aufgelöst wird. 2003 habe ich gewechselt. Und dann ging der Fusionsprozess hier los und Herrenshoff gibt es heute immer noch.

Wolfgang Bußler: Im Sommer 2003 bin ich von Neuwerk hierher gekommen. Das war eine ganz normale Versetzung, weil ich bereits 19 Jahre in Neuwerk war. Ich habe hier ein Team vorgefunden. Die Zusammenarbeit aus allen fünf Gemeinden war von Anfang an gut. Die Eickener Gemeinden haben ja auch auf der Verwaltungsebene schon zusammengearbeitet. Deshalb habe ich das Zusammengehen bei der Fusion auch als relativ einfach empfunden. Die Gemeinden haben das akzeptiert, auch weil sie ihr eigenes Profil erhalten konnten.

Eugen Godoj: Ich glaube, dass siehst du etwas romantisch. Ich erinnere mich an so manche heftige Auseinandersetzung, die ich zum Beispiel mit jemandem aus dem Team „Gemeindeleitung in Gemeinschaft“ hatte. Ich war der Meinung, wir sollten den Prozess zur GdG bewusst mitgestalten, aber die Gemeinden wollten eigentlich nicht zusammensein. Das war der erste größere Konflikt, den ich hier hatte.

Wolfgang Bußler: Aber die Zeit ab 2005 ist ja was anderes. Dass die Fusionen kommen würden, war ja schon klar. Aber als es hieß, es müssten Kirchen aufgelöst werden, da wurde es brenzlig. Aber es gab ja schon Strukturen, auf denen wir für die neue Pfarrei aufbauen konnten.

Eugen Godoj: Ja, da hast du Recht. Die erste Entscheidung war eigentlich, dass das Team zusammenkommt. Aber auch das war nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Im Nachgang aber war es ein guter Prozess, der zwar hart, aber produktiv war. Über die zehn Jahre haben wir ein gutes Verhältnis miteinander gefunden.

Albert Damblon: Der Team-Prozess war sehr wichtig. Ich kam hier in eine Situation hinein, in der es sehr lebendige Gemeindemitglieder gab. In der Gemeinde der ehemaligen Hauptpfarrei waren viele Leute in kreativen Gruppen engagiert, die die Gemeinde noch lange hätten aufrechterhalten können.

In der öffentlichen Wahrnehmung sind Kirchen wie die Citykirche oder das Münster sehr präsent, andere wie St. Albertus fast gar nicht. Hat sich durch die Fusion die Bedeutung der Kirchen verschoben?

Wolfgang Funke: Schon in der Erarbeitungsphase des Pastoralkonzepts ging es um eineDifferenzierung und Spezialisierung der pastoralen Arbeit und der Kirchen, auch wenn zum Beispiel von einer Grabeskirche noch nicht die Rede war. St. Mariä Himmelfahrt ist heute die Gladbacher Citykirche, St. Albertus wird jetzt zur Jugendkirche, das Münster ist Pfarrkirche geworden. Alle ehemals selbstständigen Pfarreien mussten ihre Pfarrkirche aufgeben und die schönste Kirche ist Pfarrkirche geworden.

Albert Damblon: Die übrigens vorher nie Pfarrkirche war.

Eugen Godoj: Deshalb gab es auch keine Dominanz einer bestimmten Kirche, eines bestimmten Patronates. So wurden Angebote für die Gemeinde geschaffen, aber auch solche, die für die ganze Stadt da sind.

Wolfgang Funke: Wenn der Bischof von geistigen Zentren spricht, dann kann das nur so gelingen – und St. Vitus ist dabei auf einem guten Weg.

Herr Bußler, Sie geben die Leitung der Pfarrei ab. Wer wird Ihr Nachfolger?

Wolfgang Bußler: Ich gebe zwar am 30. Juni die Leitung ab, werde aber auch danach noch in der Pfarrei tätig sein. Der Bischof hat Albert Damblon und mich gebeten, weiter mitzuarbeiten. Aber das wird anders als jetzt sein: Wir werden Gottesdienste leiten und Sakramente spenden.

Wolfgang Funke: Pater Wolfgang wird der leitende Pfarrer werden und er ist dann der Chef mit der Gesamtverantwortung. Seine neue Aufgabe müssen wir ihm so leicht wie möglich machen.

Albert Damblon: Ich werde noch beim Projekt Heiligtumsfahrt bis 2014 mitmachen. Mit dem Direktor vom Museum Schloss Rheydt, Karlheinz Wiegmann, werde ich eine Schatzkammer-Dokumentation zur kommenden Ausstellung herausgeben. Das ist auch etwas Symbolisches, denn die Schatzkammer zeigt etwas von der säkularen Welt. Sie ist heute eine Welt, in der Kirche und Religion nicht mehr die Rolle spielen wie vor vielen Jahren.

Wolfgang Funke: Da muss man unterscheiden zwischen Kirche und Religion. Irgendwie religiös sind heute viele Menschen. Aber Jesus Christus hat für viele eine immer geringere Bedeutung.

Eugen Godoj: Wobei ich merke, dass diese Grundsituation auch auf mich wirkt. Als ich 1976 in der Kirche angefangen habe, gab es eine große Aufbruchstimmung. Es wurden heiße Themen diskutiert. Es gab den großen Wunsch nach einer intensiven Auseinandersetzung. Das gibt es nicht mehr. Wir haben uns ein bisschen institutionalisiert.

Wolfgang Bußler: Die Gesellschaft hat sich verändert und mit ihr die Rolle, die Bedeutung der Kirche.

Garnet Manecke stellte die Fragen. Den zweiten Teil lesen Sie in der kommenden Ausgabe der KirchenZeitung.


Veröffentlicht am 26.05.2013

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