Kirche in der Region Mönchengladbach
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Ellen Weitz, Gemeindereferentin für Gierath und Bedburdyck

Das Bild mit dem Kirchenfenster liegt Ellen Weitz besonders am Herzen. „Es sieht so aus, als würde das Licht aus der Kirche heraus in die Welt strömen“, findet sie.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 31/2012

Neues ausprobieren

Ellen Weitz ist seit fast zehn Jahren Gemeindereferentin in Gierath

Über Umwege fand Ellen Weitz ihren Beruf. Heute sagt sie: „Der Glaube ist in jeder Faser meines Körpers“. Diese Begeisterung teilt sie gerne mit anderen. Besonders die Arbeit mit Erwachsenen und Menschen, die sich von der Kirche entfernt haben, liegt ihr am Herzen.

Seit fast zehn Jahren ist Ellen Weitz Gemeindereferentin für Gierath und Beburdyck.

Ellen Weitz braucht nicht lange zu überlegen, warum sie so gerne mit Erwachsenen arbeitet. „Mit einem Menschen, der schon Brüche im Leben erlebt hat, ist es noch einmal etwas ganz anderes über den Glauben zu sprechen“, sagt die Gemeindereferentin. Das merkt sie besonders in der Kommunions- und Firmvorbereitung für Erwachsene, zu der auch durchaus Gläubige kommen, die bereits gefirmt wurden. „Aber bei den Gesprächen gibt es immer wieder neue Aspekte, die wir dabei entdecken“, sagt die 53-Jährige. „Krumme Wege, die finde ich interessant.“

Auch sie selbst musste Krisen überstehen. Als Kind hatte sie einen Unfall, dessen Folgen auch später noch medizinische Eingriffe nötig machten. Schon damals hat ihr Glaube ihr geholfem die schweren Zeiten zu meistern. „Ich habe mich schon früh für religiöse Fragen interessiert und schon damals von Gott beschützt gefühlt“, sagt sie heute. Und auch im späteren Lebenslauf war der Glaube für sie eine Stütze, der ihr in Lebenskrisen geholfen hat. Dass sie auch mal mit Gott gehadert hat, gehörte dazu. „Wer mit Menschen arbeitet, muss seine eigenen Krisen aufarbeiten, sonst kommt es irgendwann hoch“, ist sie überzeugt. Pilgerreisen, Exerzitien und Bibel-Teilen sind solche Gelegenheiten, sich selbst zu reflektieren. Besonders das Bibel-Teilen ist für sie ein Mittel, das sie gerne in der Kommunionsvorbereitung einsetzt. Die Antworten, die die Teilnehmer dabei auf ihre Fragen finden, bringt Ellen Weitz gerne in ihrer Ansprache bei der Erstkommunionfeier ein.

Obwohl sie sich immer für Religion interessiert hat, kam Ellen Weitz erst spät auf den Gedanken, Theologie zu studieren. Im Erstberuf ist sie Lehrerin für Spanisch und Geschichte der Sekundarstufen I und II. „Ich habe mich schon immer für Sprachen interessiert, konnte sehr gut Englisch, Französisch, Latein und ein bißchen Italienisch“, erzählt sie. Nur Spanisch konnte sie nicht – trotzdem entschloss sie sich dazu, die Sprache zu studieren. Entsprechend schnell musste sie die Sprache lernen. Eine Episode, die charakteristisch für Ellen Weitz ist. „Ich probiere gerne Neues aus“,sagt sie.

 

Gemeindearbeit ist auch Teamarbeit: Viele gestalten in Gierath mit

Neue Wege ist sie auch in der Gemeindearbeit gegangen, seit sie die Aufgaben 2003 von ihrem Vorgänger Manfred Schmitz übernommen hat. Schon vorher war sie in ihrer praktischen Ausbildung in der Gemeinde Gierath aktiv. Vor neun Jahren hat sie eine Musikgruppe ins Leben gerufen, die aus dem Kinderliturgiekurs entstanden ist. „Die Gruppe entstand aus dem Wunsch heraus, dass in den Familienmessen wieder mehr gemeinsam gesungen wird“, erzählt Ellen Weitz. Heute singt die Gruppe in den Messen mit der Gemeinde. Auch bei der Nacht der offenen Gotteshäuser hat die Gruppe, deren Mitglieder heute aus dem Kinderliturgiekurs und aus der Frauenarbeit kommen, bei der Gestaltung des Abends tatkräftig mitgewirkt. „Das Schöne ist, dass in der Musikgruppe so eine starke Solidarität untereinander entstanden ist“, freut sich die Gemeindereferentin. Dass Gemeindearbeit auch Teamarbeit ist, ist Ellen Weitz wichtig. „Ich habe das Glück, dass sich hier viele Menschen engagieren“, sagt sie. Schon als sie sich entschloss, Theologie im Fernstudium zu studieren, begegnete sie während des Studiums vielen engagierten Menschen, die ihre Begeisterung für ihr Tun bereitwillig mit ihr teilten. Noch heute spricht sie von dem Tutorium im Katholischen Forum für Erwachsenen- und Familienbildung Mönchengladbach. „Von dem Kurs mit Waltraud Baumeister-Hannen zehre ich immer noch“, sagt sie. „Manchmal suche ich mir sogar die Mitschriften heraus und lese darin.“

Auch der Entschluss, Theologie zu studieren, reifte in einer persönlichen Krise. Nach ihrem Studium auf Lehramt in den 1980er-Jahren fand Ellen Weitz keine Stelle. Mitten im Bewerbungsprozess bekam sie ihren Sohn. So gab sie in der Erwachsenenbildung Spanisch-Kurse. „Damals habe ich gemerkt, dass ich gerne mit Erwachsenen arbeite“, sagt sie. Mit einem Lächeln erinnert sie sich an ihren Schüler beim Bundessprachenamt Hürth, der sich drei Monate auf seinen Einsatz als Militär-Attaché in Madrid vorbereitete.

 

Für das Pilgerwochenende für Jugendliche meldete sich keiner an

Je weiter sie ihren Weg geht, umso mehr stellt sie fest, dass die beiden Ausbildungszweige sich immer wieder verknüpfen. In ihrer Prüfung als junge Referendarin wählte sie für den Spanisch-Unterricht ein religiöses Thema aus. Im vergangenen Jahr beim Besuch der Kolumbianischen Delegation in Jüchen anlässlich der 50-jährigen Kooperation stellte sie ihre Sprachkenntnisse zur Verfügung und übersetzte bei den Gesprächen für Bischof José Figueroa Gómez von Granada. „Das waren unheimlich interessante Gespräche“, sagt sie. Diese Gespräche möchte sie bei der Studien- und Begegnungsreise des Pastoral-Personals nach Kolumbien im November noch vertiefen. „Ich glaube, es ist noch etwas anderes, wenn man in dem Land selbst ist, dort Projekte kennenlernt und mit den Menschen spricht“, sagt sie. Außerdem freut sie sich darauf, ihre Sprachkenntnisse wieder anwenden und neu auffrischen zu können.

Für die kommenden Monate hat sie schon weitere Pläne gemacht. Neue Aufgaben warten, sie möchte wieder neue Ideen für die Gemeindearbeit entwickeln und ausprobieren. Auch wenn nicht alle Ideen zünden – wie das Schnupper-Pilgerwochenende für Jugendliche, das sie 2010 angeboten hat. „Da hat sich kein einziger angemeldet“, sagt sie. Ein Flop ist das Wochenende dennoch nicht geworden. Ellen Weitz hat daraus einfach ein Frauen-Pilgerwochenende gemacht. Im vergangenen Jahr hat sie es wiederholt. Nur in diesem Jahr wird die Zeit etwas knapp. Sie hat noch so viel vor.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 03.08.2012

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