Kirche in der Region Mönchengladbach
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In Mönchengladbach gibt es eine gute Kultur der Toleranz

Im Bündnis „Aufstehen“ haben sich mehrere Initiativen, Kirchen, Parteien und Gewerkschaften zusammengeschlossen.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 20/2015

Mit scharfem Gegenwind rechnen

Wer in Gladbach mit fundamentalistischen Ansichten punkten will, stößt auf Widerstand

Demonstrationen von rechten Gruppen, die ausländerfeindliche Parolen herausschreien, sind in diesen Tagen in vielen Städten zu beobachten. Auch Mönchengladbach bleibt davon nicht verschont. Aber zur NPD-Demo zeigte sich, dass der Gegenprotest stark ist – auch in der Kirche.

Eine Rede hatte Regionaldekan Ulrich Clancett nicht vorbereitet. Wie denn auch? Sein Auftritt bei der Gegen-Demo zur NPD-Demonstration am 1. Mai war ja gar nicht geplant. Aber als Ferdi Hoeren vom Mönchengladbacher Bündnis „Aufstehen“ ihn auf die Bühne holte, sagte er dann doch etwas. „Mönchengladbach muss bunt bleiben“, sagte Clancett. „Was wäre Borussia ohne Menschen, die von außen kommen? Wir haben viele verschiedene Nationalitäten hier, und das ist bereichernd.“

Ob Salafisten, Pro NRW oder jetzt die NPD: Wer in Gladbach mit fundamentalistischen Ansichten Land gewinnen will, der muss mit scharfem Gegenwind rechnen. Bei der Frage, woran das liegt, stößt man schnell auf die große Solidarität, die sich in der Stadt immer wieder zeigt. Wenn Hilfe gebraucht wird, sind die Gladbacher da. Obwohl sie sich selbst oft den Ruf geben, alles erst mal schlecht zu reden und gut Funktionierendes garantiert in den Ruin zu treiben. Dass da das Selbstbild mit der Realität nicht übereinstimmt, zeigen viele eindrucksvolle Beispiele. Da ist zum einen die Katholische Soziallehre, die in Mönchengladbach ihre Wurzeln hat.

Eines der erfolgreichsten Beispiele gelebter Solidarität ist der Volksverein. Der heutige Verein hat seine Wurzeln im „Volksverein für das katholische Deutschland“, der von 1890 bis zu seinem Verbot durch die Nazis 1933 bestand. Gegründet von katholischen Unternehmern und Geistlichen, ermöglichte er Arbeitern Zugang zu Bildung und Kultur. Seit seiner Neugründung im April 1983 kümmert er sich um die Bedürfnisse von Langzeitarbeitslosen. Heute bietet er dieser Gruppe nicht nur Qualifizierungsmaßnahmen und Beratung an. Aus dem Volksverein ist ein Unternehmen mit unterschiedlichen Abteilungen geworden, das Menschen beschäftigt und ausbildet. Seinen Anspruch als Sozialunternehmen hat es dabei nie aufgegeben.


Das Helfen wird als bereichernd empfunden

Auch der lebendige interreligiöse Dialog in Mönchengladbach dürfte zu der starken Solidarität beitragen. Das zeigt sich gerade bei der Betreuung der knapp 1800 Flüchtlinge, die hier leben. In allen Stadtteilen haben sich Initiativen gegründet, die den Menschen auf unterschiedliche Weise helfen – und das als bereichernd empfinden. Und so kommt es, dass 150 NPD-Demonstranten gut 2000 Gegendemonstranten gegenüberstehen.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 14.05.2015

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