Kirche in der Region Mönchengladbach
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Interkulturelles Essen in Mönchengladbach-Pesch

Sparda-Filialleiterin Sabine Fruhen (2. v. l.) brachte nicht nur einen Scheck vorbei; sondern kochte gleich mit.

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Aus der KirchenZeitung. Ausagbe 27/2015

Mit Esskultur Grenzen überwinden

In der Gemeinde Herz Jesu Pesch geht Völkerverständigung und Integration durch den Magen

Jeder Mensch muss essen – unabhängig davon, wo er in der Welt lebt. Über diese Notwendigkeit haben sich in der Geschichte verschiedene Esskulturen entwickelt. Zusammen zu speisen, bringt Menschen einander näher. Das nutzt die Gemeinde Herz Jesu Pesch in ihrem Kochprojekt.

Wie es war, als sie 1984 nach Deutschland kam, weiß Maria Kregelin noch ganz genau. Damals war sie 32 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines vierjährigen Kindes. „Ich konnte 600 Wörter Deutsch“, erzählt die gebürtige Rumänin. Gerade so viel, dass sie ein paar einfache Sätze wie „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ sagen konnte. Kregelin kennt die Verzweiflung, wenn man sich alleine fühlt, niemanden kennt, die Sprache und Gerüche der Heimat vermisst. Sie hatte Glück, schnell eine Arbeit als Putzkraft und in der Altenpflege zu finden – weil ihr jemand geholfen hat. Heute hilft die 59-Jährige in der Gemeinde Herz Jesu Pesch Flüchtlingen, in Deutschland anzukommen. Eine von vielen Aktionen ist das monatliche Kochprojekt, das sie mit einem Team von Ehrenamtlichen organisiert.

Zum ersten Mal wurde im März diesen Jahres gekocht. Die Ehrenamtler luden die in der Gemeinde lebenden Flüchtlinge zu einem Überraschungsessen ein. „Wir haben etwas vegetarisches gemacht, weil unter den Flüchtingen viele Muslime sind“, erzählt Kregelin. Das Team war sich unsicher, wie da genau die Regeln zum Fleischkonsum sind. Nur eins war klar: Kein Schweinefleisch. Als die Gäste kamen, hatten die acht Ehrenamtler Ratatouille, Reis, gemischten Salat und zum Dessert einen Obstsalat zubereitet. 20 Frauen, Männer und Kinder, die aus ihrer Heimat geflüchtet waren, nahmen die Einladung an.

Am Ende des Abends folgte eine Gegeneinladung: Die syrischen Männer wollten kochen. „Das war so lecker“, schwärmt Kregelin noch heute. „Die können kochen, die syrischen Männer.“ Einen Monat später, im Mai, folgte ein Grillabend, zu dem alle etwas mitbrachten. „Das war ein schöner internationaler Abend“, berichtet Kregelin. „Wir haben viel verkostet und Spaß gehabt.“ Und ganz nebenbei lernen die Flüchtlinge dadurch Deutsch. „Kochen ist sehr kommunikativ“, stellt Kregelin fest. Das fängt beim Einkaufen an. Sie begleitet dabei oft Familien. So lernen die Frauen und Männer, wie die Lebensmittel heißen. An der Kasse lernen sie zählen, wenn sie etwas nicht finden, Hemmungen zu überwinden und zu fragen. Beim Kochen wird geredet und natürlich am Tisch beim Essen.


Zusammenarbeit mit der evangelischen Gemeinde

Finanziert wird das Projekt über Spenden. „Als alles anfing, haben wir Leute angesprochen“, sagt Kregelin. „Inzwischen kommen sie auch zu uns, um uns etwas dafür zu geben.“ Besonders gefreut hat sich die Gruppe über die Spende der Sparda-Bank. Den Scheck über 750 Euro hat die Filialleiterin Sabine Fruhen persönlich vorbeigebracht. „Als sie gesehen hat, wie das bei uns ist, hat sie gleich mitgekocht“, freut sich Kregelin. Von dem Geld soll unter anderem ein Besuch im Odenkirchener Tierpark am Ende der Sommerferien bezahlt werden. Das Kochprojekt ist Teil des Seniorennetzwerks in Herz Jesu Pesch, zu dem insgesamt zwölf Gruppen gehören. Gekocht wird in Räumen der evangelischen Gemeinde. „Die haben mehr Platz“, sagt Kregelin. „Wir helfen uns immer gegenseitig aus.“ Auch bei der Betreuung der Flüchtlinge wird ökumenisch zusammen gearbeitet.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 02.10.2015

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