Kirche in der Region Mönchengladbach
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Die Seelsorge an den Maria Hilf-Kliniken geht neue Wege

Die Krankenhausseelsorger Herbert Schimanski, Jürgen Schmitz und Andreas Kamphausen planten das Projekt gemeinsam mit Designer Johannes Jansen.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 07/2014

Kirche kommt ans Krankenbett

Im Projekt „Kirche macht Station“ geht die Krankenhausseelsorge der Kliniken Maria Hilf neue Wege

Der Ausbau des Krankenhaus St. Franziskus zur Großklinik nimmt immer mehr Form an. Das hat auch Nachteile: Für die Patienten sind die Wege zur Kapelle zu lang geworden.

Deshalb kommt die Kirche nun zu ihnen ans Krankenbett. Die Kapelle liegt nur 500 Meter von der Onkologie entfernt. Für viele der krebskranken Patienten im Krankenhaus St. Franziskus aber ist sie praktisch unerreichbar. „Wegen ihrer Krankheit schaffen sie es nicht, den Weg zu bewältigen“, sagt Krankenhausseelsorger Jürgen Schmitz. Dabei ist die Strecke vergleichsweise kurz. Bis zu 1800 Meter trennt die Kapelle von den verschiedenen Abteilungen in der Klinik im ladbacher Norden.

Zusammen mit seinen Kollegen hat Schmitz deshalb das ökumenische Projekt „Kirche macht Station“ entwickelt. Mit einem mobilen Ambo gehen die Seelsorger direkt zu den Patienten, um mit ihnen einen Gottesdienst zu feiern und ins Gespräch zu kommen. Die Idee der mobilen Kirche kam auf, als durch die Erweiterung der Klinik der Kapellenstandort von der Zentrumslage immer mehr zur Randlage in dem Gebäude-Ensemble wurde. Um die Patienten weiterhin zu erreichen und ihnen einen Raum für Gottesdienste zu ermöglichen, entschied sich das Seelsorge-Team für eine mobile Kirche. Vorbild war ein Projekt in einer Neusser Klinik.

Für die mobile Kirche wird im Foyer des St. Franziskus eine reliefartige Wandfläche aus weißen Quadraten gestaltet. „Die Quadrate kommen unterschiedlich weit aus der Wand, so dass deren Schattenwurf ein Kreuz skizziert“, erklärt Johannes Jansen von der Gesellschaft für Objekt- und Raumgestaltung Freimeister. Rund eineinhalb Jahre hat der Designer mit dem Seelsorger-Team an dem Projekt gefeilt. Auf einem Vorsprung in der Wand wird eine Figur des heiligen Franziskus stehen, davor ein Ambo in Form eines Franziskuskreuzes. „Unsere ursprüngliche Idee war es, eine Kirche auf Rädern zu gestalten“, erzählt Herbert Schimanski, evangelischer Seelsorger bei den Kliniken Maria Hilf, zu denen das Krankenhaus St. Franzikus gehört. Schimanski kannte Jansen schon lange, da lag es nahe, den Freimeister für die Planungen anzusprechen.

 

Das Anliegen so umsetzen, dass es ein Ritual wird

„Wenn man eine Kernidee hat, ist die Frage, wie man das Anliegen so umsetzt, dass es ein schönes Ritual ist“, fasst Jansen die Grundbedingungen zusammen. Bei den Gesprächen sei es viel um Würde und die Wertigkeit von Materialien gegangen. Die sollten in der neuen Klinik einen Kontrast zu den hochglänzenden Flächen, den geraden Linien und rechten Winkeln bilden. Ein Blickfang, der aber auf keinen Fall protzig werden durfte. Deshalb wurde für den Ambo brüniertes Messing gewählt. „Das sieht ein wenig verwittert aus“, sagt Jansen. „Die Wirkung von hochglänzendem Messing wäre mit der franziskanischen Bescheidenheit nicht vereinbar gewesen.“

 

Drei fertige Entwürfe wurden wieder verworfen

Mit seinem Blick von außen regte Jansen neue Ideen und einen Planungsprozess an, in dessen Verlauf drei umsetzungsreife Entwürfe wieder verworfen wurden. Für die Krankenhausseelsorger eine neue wie auch zeitweise frustrierende Erfahrung. So mussten sich die Planer aus Brandschutzgründen von der Idee des Holzaltars verabschieden. Wichtig war dem Team, dass eine Möglichkeit der Kommunikation zwischen Patienten, Angehörigen, Besuchern und den Seelsorgern enstand. „Zuerst schwebte uns ein Briefkasten vor“, erzählt Andreas Kamphausen vom Seelsorge-Team. Auch diese Idee wurde weiter entwickelt. Inspiriert von der Klagemauer, in die Gläubige kleine Zettel mit ihren Wünschen, Hoffnungen, Sorgen und Fürbitten stecken, sollte auch in der Wand eine solche Möglichkeit bestehen.

 

Der Ambo als neue Form der Klagemauer

Die zuerst favorisierte Lösung mit einem rollenden Stein wurde aus Kostengründen verworfen. „Jetzt ist der Ambo wie ein Briefkasten“, erklärt Jansen. Auf der Oberfläche liegt ein Zettelblock, auf den die Besucher ihr Anliegen schreiben können. Den Zettel können sie dann in den Ambo stecken. „So können wir die Themen bei unseren Besuchen auf der Station aufnehmen“, sagt Jürgen Schmitz. Knapp 20000 Euro wird das Projekt kosten, finanziert wird es zum größten Teil aus Spenden, einen Teil der Kosten übernimmt die Klinik. Die Einsegnung ist in der Fastenzeit geplant.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 14.02.2014

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