Kirche in der Region Mönchengladbach
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Für die frisch renovierte Citykirche in Mönchengladbach wurde ein spezieller Vorhang entwickelt

Günter Terstappen (2. v. l.) zeigt den Architekten Axel Maria Schlimm und Mathias Paulssen sowie den Vertretern vom Bauverein (v. l.), wie robust der Vorhangstoff ist.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 36/2013

i-Tüpfelchen im Kirchenraum

Für die frisch sanierte Citykirche Mönchengladbach wurde ein ganz spezieller Vorhang entwickelt

Die letzte Woche vor der Eröffnung der Citykirche Mönchengladbach war besonders hektisch. Schreiner, Maler, Elektro-Installateure und Innenausstatter gaben dem Innenraum den letzten Schliff. Zur Abgrenzung des Altarraumes wurde ein spezieller Vorhang gefertigt. Ein Werkstattbesuch.

Schlussspurt vor der feierlichen Eröffnung an diesem Wochenende. Jede Hand wird gebraucht. Petra Gill, sonst für die Büroarbeit verantwortlich, hat ihren Schreibtisch verlassen und steht nun am Bügeltisch. 21 Stoffbahnen müssen faltenfrei gebügelt werden. Zusammen werden sie in der Citykirche den Vorhang bilden, mit dem der Altarraum vom Rest der Kirche abgeteilt werden kann. Das Licht, das durch die Kirchenfenster einfällt, macht den Stoff transparent, so dass vom Geschehen hinter dem Vorhang ein Schattenspiel zu sehen sein wird – als Verbindung zum Rest des Kirchenraums.

Sieben Jahre wurde die Citykirche am Alten Markt von außen saniert, im Juni vergangenen Jahres wurde sie geschlossen. Seitdem wird der Innenraum saniert. Zur Eröffnung zeigt sich die Kirche hell und freundlich: Die Säulen und Wände wurden gesäubert und neu gestrichen, neue Rohre für die Heizungsanlage und Leitungen für die technische Ausstattung des Gebäudes verlegt. Im Boden sind Glasplatten eingelassen, unter denen die bei den Arbeiten gefundenen Relikte von 800 Jahren Kirchengeschichte ausgeleuchtet sind. Der Vorhang ist das i-Tüpfelchen bei der Gestaltung der Citykirche.

Einer ganzen Liste von Anforderungen muss der Vorhang genügen: Neben der Raumtrennung ist er ein gestalterisches Element, er soll nicht dominant sein, sondern sich harmonisch in den Raum einpassen. Dazu pflegeleicht sein, robust, leicht zu handhaben und natürlich gut aussehen. Architekten und Bauherren haben sich entschieden, eine Stahlkonstruktion in den Raum zu setzen, an der an mehreren Schienen Stoffbahnen hängen. Dafür haben sie eine Idee von Studenten der Hochschule Niederrhein weiterentwickelt. Die Studenten hatten in einem Konzeptbuch mehrere Lösungsvorschläge erarbeitet.

 

Der Vorhang soll robust, praktisch und schön sein

„Wir spielen bei dieser Lösung mit der Dreidimensionalität“, erklärt Raumausstatter Günter Terstappen. In seinem Betrieb wird der Vorhang gefertigt. „Wir setzen eine zwölfläufige Flächentechnik ein. Normalerweise hört man bei maximal fünf Läufen auf.“ So ist es möglich, die Stoffpaneele ganz individuell anzuordnen. Künstler können sie in ihre Ausstellungen mit ein- beziehen, der Vorhang kann ganz geöffnet werden, oder es werden nur einzelne Bahnen in den Raum gezogen.

Oliver Terwedo näht im Akkord. Die Maschine rattert im gleichmäßigen Takt durch den kleinen Raum. Auf 24 Bahnen halten schnurgerade Nähte Säume und Tunnel für die Gewichte zusammen. Weil die Konstruktion in der Citykirche über 20 Meter breit ist und sich selbst tragen muss, darf der Stoff nicht allzu schwer sein. Für Terwedo heißt das: Jede Unregelmäßigkeit in der Naht ist in dem dünnen Gewebe sofort zu erkennen. Mit ruhiger Hand lässt der Raumausstatter Bahn für Bahn über die Nähmaschine gleiten. Weich fältelt sich der Stoff auf der anderen Seite des Tisches. Unerwünschte Knicke bügelt Petra Gill wieder aus. Derweil bereiten drei Mitarbeiterinnen von Terstappens Team in der Kirche schon die Schienen vor. Abstände werden ausgemessen, Schienen auf Länge geschnitten und Rollen angebracht, mit deren Hilfe die Stoffbahnen ganz leicht hin und her gleiten. Der Arbeitsplatz der drei Raumausstatterinnen ist in luftiger Höhe. Nichts für Menschen mit Höhenangst. Die Arbeit für die Citykirche hat auch für Günter Terstappen eine besondere Bedeutung. „Als Kind bin ich mit meinen Eltern immer in die Kirche gegangen, die nur ein paar Schritte von der Werkstatt in der Altstadt entfernt liegt. Früher haben wir hier ja auch gewohnt“, erinnert sich Terstappen, dessen Großvater das Unternehmen gegründet hat.

 

Kinder können sich hinter den Bahnen verstecken

Aber auch die Dimension des Vorhangs ist ungewöhnlich. Nur einmal hat er einen Kirchenraum mit noch größeren Stoffbahnen ausgestattet: In St. Marien Rheydt wurden die Fenster mit zwölf Meter hohen Paneelen abgehängt, jede mit einer Breite von vier Metern. „Aber die in der Citykirche müssen beweglich sein und verschiedene Nutzer aushalten“, sagt Terstappen. „Kinder können sich zum Beispiel dahinter verstecken, und sie werden das auch tun.“

Im Winter wird das Heizsystem Wärmewalzen durch den Kirchenraum pusten, die Spiel in die Vorhangbahnen bringen. Damit die knapp 80 Quadratmeter Stoff aber nicht unkontrolliert im Kirchenraum umherflattern, wird jede Bahn mit einer Gewichtstange ausgestattet, die in den unteren Saum eingezogen wird. Den Stoff, der so viel aushalten muss, hat Terstappen vor einigen Wochen den Architekten und den Vertretern des Bauvereins Hauptpfarrkirche Mönchengladbach vorgestellt. Zur Probe wurden zwei Bahnen von unterschiedlicher Farbe in den Raum gehängt, um einen ersten Eindruck zu bekommen. „Die Konstruktion ist doch größer geworden, als wir dachten“, sagte Dirk Heinemann, erster Vorsitzender des Bauvereins, angesichts des schwarzen Eisenbalkens, der von einer Wand zur anderen läuft.

Die Befürchtung, dass Hängekonstruktion und Vorhang zu dominant werden könnten, teilt Architekt Mathias Paulssen nicht. Zusammen mit seinem Kollegen Axel Maria Schlimm zeichnet er für die Pläne verantwortlich. Vielmehr hätten ihn die archäologischen Funde überrascht, durch die der Zeitplan der Sanierung immer wieder in Gefahr geriet. „Der Vorhang hat sich sogar als luftiger aussehend erwiesen als gedacht“, freut sich Andreas Römer, Mitarbeiter im Büro Paulssen und Schlimm. „Die dreidimensionale Staffelung macht die Fläche nicht so wandig, sondern durchlässig.“ Zur Eröffnung an diesem Wochenende können sich die Besucher davon überzeugen.


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 08.09.2013

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