Kirche in der Region Mönchengladbach
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Jugendliche aus der Region Mönchengladbach beteiligten sich an einem Bauprojekt in der Ukraine

Ein Haufen Schutt in einer Gebäudehülle: So lernten die Jugendlichen das Haus kennen.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 32/2012

Hoffnung aufbauen

OMI-Jugendliche auf Begegnungstour in der Ukraine

Elf Tage begleitete Pater Felix B. Rehbock OMI, Leiter des Nikolausklosters in Jüchen, zwölf Jugendliche aus ganz Deutschland zu einem Bauprojekt in Tyvriv/Ukraine. Die Reisegruppe half mit, ein Jugendzentrum aufzubauen.

Seine Eindrücke und die Erlebnisse der Jugendlichen schildert der Oblaten-Mönch in diesem Reisebericht.

„Die Ukrainer sind wirklich verrückt. Eigentlich ist Tyvriv ein Projekt, dass unter den gegebenen Umständen kaum zu realisieren ist“, war mein erster Gedanke, als ich inmitten einer Kirchenruine stand, umgeben von Staub und Schutt. Mit einer Gruppe Jugendlicher aus ganz Deutschland bin ich elf Tage in die Ukraine geflogen, kofinanziert wurde die Reise durch die Organisationen Jugendhaus Düsseldorf und Renovabis. Die Unterstützung eines inzwischen internationalen Projektes, der Wiederaufbau einer zerstörten Kirche als Jugendzentrum, diente uns als Ansporn. Es waren die Jugendlichen selbst, die vor vier Jahren dieses Vorhaben in Gang gebracht hatten. In Tyvriv haben sie einen Ort gefunden, an dem sie sich treffen, an dem sie durch Gebet, Katechese, diverse Veranstaltungen und Konzerte Gott näher kommen können.

Der dortige Jugendseelsorger Pater Rafal OMI führte uns durch die riesige Baustelle, auf der er selbst wohnt. Dabei lebte der sonst so stille und bescheidene Ordensmann regelrecht auf. Zu den Dingen, die bereits erneuert und umgebaut wurden, zählen unter anderem Schlafzimmer für Jugendliche, eine Küche und eine kleine Kapelle. Aber dies ist nur ein kleiner Anfang. „Dort sollen zukünftig ein Gebetsraum für über 500 Jugendliche entstehen sowie mehrere Tagungsräume“, erklärt der Geistliche. Pater Rafal weist in einen verfallenen Teil der ehemaligen Kirche. Trotz aller Vorstellungskraft fiel es uns schwer, seine Visionen nachzuvollziehen, denn vor uns waren lediglich die Mauern des Hauses und überdimensionale Berge von Geröll zu sehen.

 

Man spürte die Hoffnung an diesem trostlos wirkenden Ort

Dennoch spürte man, dass dieser nach außen hin trostlos wirkende Ort von Hoffnung und Leben erfüllt ist. „Hier steckt jeder seine Kraft und Zeit rein, ob nun Menschen aus dem Dorf oder von weiter weg, ob katholisch oder dem Glauben fern Stehende“, versuchte Angelika Vettermann aus Frankfurt am Main ihre Eindrücke in Worte zu fassen. „Eigentlich ist es unbeschreiblich, was da vor sich geht. Hier weht ein besonderer Geist, der Unmögliches möglich macht.“ Carolin Raub (Warendorf) pflichtete ihr bei: „Obwohl die Menschen vor Ort so wenig haben, bringen sie sich engagiert in dieses Projekt ein.“ Für die Einwohner von Tyvriv ist dieser Wiederaufbau des einstigen Wallfahrtsortes tatsächlich hoffnungstragend und zukunftsweisend. Sie spüren, dass hier etwas in Bewegung kommt. Die in Zeiten des Kommunismus zerstörte und als Kunststofffabrik dienende Kirche wird nun für sie ein Ort, an dem Begegnung möglich wird, auch über die Grenzen des Dorfes und der näheren Umgebung hinaus. Mit Schubkarren und Muskelkraft bauen die Ukrainer an ihrer Hoffnung und Zukunft.

Der Weg zur Verwirklichung der Vision kann jedoch nur mit vielen kleinen Schritten gegangen werden. Begrenzte Mittel, fehlende Arbeitsmaterialien und korrupte Behörden stellen die Oblaten, die das Projekt der Jugendlichen betreuen und unterstützen, immer wieder vor neue Probleme. Umso mehr freut es die Menschen vor Ort, Zuspruch und Unterstützung insbesondere von Europäern zu erhalten.

Für Pater Rafal ist es wichtig, den Bau voranzubringen. Noch zentraler erscheint ihm die Vermittlung des Glaubens an die jungen Menschen. Die Mentalität der Bevölkerung ist immer noch geprägt von der jüngsten politischen Vergangenheit. Das zeigt sich unter anderem daran, dass in der Ukraine nur circa ein Prozent Katholiken leben. Um den Glauben den Menschen näherzubringen, findet seit vier Jahren ein ukrainisches Jugendfestival in Tyvriv statt. An ihm haben auch wir dieses Jahr teilgenommen. Neben Eucharistiefeiern, Katechesen und Gebetszeiten stehen vor allem Begegnungen und Austausch im Vordergrund. „Es ist toll, mit den vielen verschiedenen Menschen in Kontakt zu kommen, trotz der unterschiedlichen Sprachen“, sagte Franziska Christ aus Mainz. Ähnlich ging es Lukas Abels aus Jüchen: „Die meisten Jugendlichen sprechen nur Ukrainisch, Polnisch oder Russisch. Aber die Verständigung funktioniert trotzdem, notfalls auch mit Händen und Füßen.“

„Eines der intensivsten Erlebnisse war für mich die Einsetzung der Reliquie des seligen Papstes Johannes Paul II. Er ist für mich ein großer Brückenbauer zwischen den unterschiedlichen Kulturen und Förderer der Jugend. Deshalb ist es für mich sehr schön, dass ein Teil von ihm an diesem Ort ist“, erklärte eine junge Ukrainerin. Während des Festivals und der restlichen Tage waren wir in Gastfamilien untergebracht. So haben wir das Leben der Menschen aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt. Die große Gastfreundschaft hat uns über die Einfachheit der Gegebenheiten hinweggeholfen.

 

Dusche mit Regenwasser im Garten, die Straßen voller Schlaglöcher

„Die Dusche im Garten, die mit Regenwasser betrieben wird, ist zwar anfänglich gewöhnungsbedürftig, aber dennoch hat sie ihren Zweck erfüllt“, befand Angelika Vettermann. Auch Straßenverhältnisse und Infrastruktur entsprachen nicht dem deutschen Standard. So gab es beispielsweise in der katholischen Gemeinde von Tyvriv nur vier Autos und die sogenannten Straßen, die eher ausgebauten Feldwegen in Deutschland ähnelten, führten stundenlang über Unmengen an Schlaglöchern. Trotz der vorherrschenden, von Armut geprägten Verhältnisse strahlten die Menschen Freude und tiefe Zufriedenheit aus.

Auch weiterhin wird die Verwirklichung des Projektes steinig sein. Aber die Menschen haben uns gezeigt, dass sich dieser Weg zu gehen lohnt. „Für mich ist Tyvriv ein Ort der Hoffnung geworden. Wenn gelebter Glaube erfahrbar werden kann, dann hier“, zog Carolin Raub ihr persönliches Fazit.


Von Pater Felix B. Rehbock

Veröffentlicht am 10.08.2012

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