Kirche in der Region Mönchengladbach
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Beim Vater-Kind-Kochkurs der Familienbildungsstätte in Mönchengladbach

Jetzt muss der Spätzleteig geschabt werden: Kritisch prüft Katharina die Spätzle, die ihr Vater Daniel Aretz produziert hat.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 50/2012

Heute nur mit Papa!

Kochkurs der Familienbildungsstätte für Kinder und Väter

Um zehn Uhr haben sie mit dem Kochen angefangen. Um elf duftet es bereits verführerisch im ersten Stock des Anna-Ladener-Haus in Rheydt. Sieben Väter mit acht Kindern nehmen am Kochkurs „Heute nur mit Papa“ teil, den die Familienbildungsstätte vier bis fünfmal im Jahr anbietet.

Die Apfelmuffins für den Nachtisch sind im Ofen, die Martin Meyer mit seinem Sohn Dave vorbereitet hat. Die beiden kochen gern zusammen und haben schon dreimal an so einem Samstagskurs teilgenommen, der bis 13 Uhr geht und mit einem gemeinsamen Essen endet. „Wir wollen das dann zuhause immer weiter führen, aber das klappt nicht“, sagt der Vater. Sein Sohn legt auf die gleiche Art wie er die Stirn in Falten und schüttelt bedauernd das Haupt. Die ersten Samstage nach dem Kurs dächten sie noch daran, später gerate das Vorhaben dann in Vergessenheit.

Kursleiterin Manuela Stroschän hat für alle Familien ein Rezeptheft ausgedruckt, jede widmet sich selbstständig einem Bestandteil des Menüs. Dabei achtet die Ernährungsberaterin auf Ausgewogenheit und bringt Lebensmittel auf den Plan, die in die jeweilige Saison passen. Junia und ihr Papa Michael Brechtel mühen sich gemeinsam, den Lebkuchenteig auszurollen. „Wir sind ein Team“, sagt der Papa. Später werden sie ihn in Stiefelform ausstechen und ausbacken. „Das ist eine An- regung für Nikolausgebäck“, sagt Stroschän. Michael kann zwar kochen, „aber das ist den Kindern meist zu deftig“, sagt er.

Wenn Norbert Ochotta zuhause kocht, „dann Pfannekuchen“, sagt seine Tochter Sonja. Sie legt gedünsteten Spinat in die Spaghetti-Nester, die Bruder Tobias in kleine Puddingförmchen gelegt hat. Anschließend schöpft sie Tomatensauce darauf und Tobias gibt geriebenen Käse darüber. Papa Norbert spült derweil schon den Nudeltopf und wischt die Arbeitsflächen ab. Auf die Idee, Spaghetti mit Spinat zu machen, würde die Familie nie kommen und Sonja bevorzuge auch eher die süße Variante: Nudeln mit Zimt und Zucker.

 

Aus dem Spätzleteig werden so komische Knubbel im Wasser

Auch Brian und Christian Wienendts sind schon fertig mit ihrer Suppe, aus der der Rosmarin köstlich duftet. Die Würstchen, die zum Schluss noch hineinkommen, stehen in gleichmäßige Scheiben geschnitten in einer Schüssel daneben, alles ist gespült und Brian macht sich schon mal daran, den Tisch zu decken.

Derweil hat Daniel Aretz ein bisschen Stress mit dem Spätzle-Teig. Beim Versuch, ihn durch die Presse in kochend heißes Wasser zu drücken, entstehen seltsame Knubbel. Ratlosigkeit auch im Gesicht von Manuela Stroschän. „Es ist das Rezept, das immer genutzt wird.“ Vermutet wird, dass der Teig – warum auch immer – zu zäh ist. Daniel Aretz rührt also Wasser darunter, immer mehr, immer länger, denn es braucht eine ganze Weile, bis sich Mehl und Wasser verbinden, und allmählich steht ihm der Schweiß auf der Stirn. Er hat zuhause wenig Zeit, sich beim Kochen einzubringen. „Und wenn wir uns das vornehmen, kommt immer etwas dazwischen“, sagt er. Hier können Vater und Tochter mal allein was zusammen machen.

Dabei kann seine Tochter Katharina momentan gar nicht helfen und sie schaut mal bei Jule vorbei, die zusammen mit ihrem Papa André Segatz Pizzataschen fabriziert. Der Papa hat die kleinen Teigfladen ausgerollt, Jule legt Gemüse darauf, ein Löffel Sauce, bröselt Käse drüber, klappt sie zu und drückt die Ränder mit einer Gabel fest aufeinander.

Jule und ihr Papa waren auch schon öfter beim Kochkurs und werden sicher noch öfter daran teilnehmen. „Endlich mal allein mit Papa“, sagt sie darüber, was das Schönste für sie ist, an diesem Tag. Zuhause übernimmt meist die Mama den Part des Kochens und es ist für Vater und Tochter schwierig, mal Zeit alleine zu verbringen. Wenn Katharina ihr jetzt bei den Pizzataschen hilft, macht ihr das jedoch nichts aus.

Sammy und Günter Hess fabrizieren das Putengulasch für den Hauptgang. Sammy rührt bedächtig in der dickflüssigen Masse. Günter holt einen frischen Löffel aus der Schublade, es geht ans Probieren. Die beiden sehen sich tief in die Augen. „Lecker?“ fragt Papa Günter, Sammy nickt. Er wäscht den Löffel ab, steckt ihn erneut in den Topf und nun darf er probieren. Sammy ist ganz gespannt auf sein Urteil – auch er nickt. Vater und Tochter sind zufrieden.

 

Die Mägen knurren, Hunger macht sich breit, die Vorfreude wächst

Der Spätzle-Teig von Daniel Aretz schlägt inzwischen Blasen. Ein gutes Zeichen dafür, dass er korrekt abgearbeitet wurde. Er tritt an den Topf, befüllt erneut die Spätzle-Presse und versucht, den Teig hindurch zu drücken. Wieder bilden sich die komischen Knubbel. „Es ist auch die gleiche Presse wie sonst“, sagt Manuel Stroschän ratlos. Dann drückt sie ihm ein Holzbrettchen in die Hand. „Schaben“, heißt nun das Gebot der Stunde. Daniel lässt den Teig auf das Brett gleiten, nimmt ein Messer und trennt damit dünne Streifen ab, die er ins siedende Wasser schubst. „Katharina“, ruft er und seine Tochter ist sofort zur Stelle, steigt auf einen Hocker, schnappt sich den Schaumlöffel und schöpft die Spätzle, die oben aufschwimmen, heraus, gibt sie in einen Durchschlag, damit das Wasser ablaufen kann. „Komische Form“, stellt sie nebenbei fest. „Das ist nicht so schlimm“, sagt die Kursleiterin. „Das schmeckt trotzdem.“

Martin und Dave holen gerade die Muffins aus dem Ofen und stellen sie auf ein Rost zum Auskühlen. „Können wir den Ofen jetzt haben?“ fragt Michael Brechtel. Vater und Sohn nicken und Brechtel schiebt den dunklen Lebkuchenteig in die heiße Backröhre. Auch die Spaghetti-Nester von Norbert, Tobias und Sonja wandern in den Ofen und Tobias rettet die restlichen Käseraspel vor dem Verderben, indem er sie isst. Alle strahlen, aber Magenknurren macht sich allmählich breit. Wenn Katharina die letzten Spätzle aus dem Topf geschöpft hat, gibt es Essen!


Von Susanne  Böhling

Veröffentlicht am 13.12.2012

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