Kirche in der Region Mönchengladbach
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Pastoralreferent Christoph Rütten

Berufung: Freude an der Arbeit mit jungen Menschen.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 24/2013

Gut, am richtigen Ort zu sein

Gemeindereferent Christoph Rütten möchte die Menschen auf ihrem Lebensweg begleiten

Montagmorgen. Auf dem Weg zum Hausbesuch für eine Beerdigung schaue ich im Auto noch schnell die Post durch: Werbung – kann weg! Noch eine Anmeldung für das Versöhnungswochenende der Erstkommunionkinder – sehr schön!

Ein Brief vom PWB (Päpstliches Werk für geistliche Berufe) mit der Bitte um meine Berufungsgeschichte zum Jahr des Glaubens – kommt später auf den Stapel „nicht ganz so wichtig“!Die Wochen vergehen, der Brief liegt immer noch auf dem Stapel. Eine E-Mail von Pfarrer Ludwig Kröger, Direktor des PWB, erinnert mich wieder an diesen Brief, und mir geht ein Gedanke durch den Kopf: Was sollte eigentlich wichtiger sein als meine Berufung? Und so krame ich den Brief wieder hervor. Wie war und wie ist das mit meiner Berufung ?
Das klassische Berufungserlebnis – wenn es so etwas denn überhaupt gibt – hatte ich nicht. Aufgewachsen in einer gut katholischen Familie spielten Kirche und Glauben von Kind an immer eine Rolle. Und wenn ich auf diese frühe Zeit zurückschaue, kann ich wohl sagen: eine besondere Rolle. Es verging kein Sonntagnachmittag, an dem nicht der morgendliche Gottesdienst im Kinderzimmer nachgespielt wurde. Vielleicht zeigte sich schon in diesen Jahren die Begeisterung, die Faszination, die innere Verbundenheit zur Eucharistie, die heute immer noch gegenwärtig ist.
Ich fieberte dem Moment entgegen, endlich Messdiener werden zu dürfen. So begann im Grundschulalter das, was man vielleicht als klassische Kirchenlaufbahn bezeichnen könnte: Messdiener, Gruppenleiter, Ferienfahrt-Teamer, Jugendvertreter im Pfarrgemeinderat und so weiter.
Was ich als „Berufung“ bezeichnen würde, war und ist ein ganz starkes Gefühl der Beheimatung. Zunächst eher räumlich – als Jugendlicher verbrachte ich mit Sicherheit mehr (Frei-)Zeit in der Kirche und im Pfarrheim als zu Hause.
Mit der Zeit wuchs aber auch das Gefühl einer inneren Heimat. Die Kirche, die Liturgie, der Glaube an einen menschenfreundlichen Gott – das alles war verbunden mit dem guten Gefühl, am richtigen Ort zu sein.


Für die Sache Jesu begeistern

Eine wichtige Rolle spielten zu dieser Zeit ohne Zweifel auch zwei außergewöhnliche Priester, die in Mönchengladbach-Windberg ihren Dienst taten: Bernd Otten und Harald Josephs. Der eine, Bernd Otten, mit der Fähigkeit, auf eine ganz besondere Art und Weise Liturgie zu feiern und so, immer wieder aufs Neue, Himmel und Erde zu verbinden. Der andere, Harald Josephs, mit großem Engagement für uns Jugendliche und der Gabe, uns – ganz nach dem Motto des Liedes von Peter Janssens und Alois Albrecht – für die Sache Jesu zu begeistern.
Zwei Bibelstellen fallen mir ein, die mir seitdem sehr am Herzen liegen: Die Emmausgeschichte und die Verse aus Psalm 23: „Er stillt mein Verlangen, er leitet mich auf rechten Pfaden, [...] ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir“. Die Hoffnung und der Glaube an einen Gott, der mit uns geht, der bei uns ist und uns leitet, daraus kann ich immer wieder Kraft schöpfen.
Nach Abitur und Zivildienst leitete ER meine Pfade dann Richtung Paderborn. An der Katholischen Fachhochschule studierte ich Religionspädagogik. Im Rückblick auf die Zeit des Studiums sehe ich so manch eine Weggabelung, die eine Entscheidung für die eine oder andere Richtung erforderte: Da tauchte zu Beginn immer mal wieder ein Weg in Richtung Medizin auf, den ich während meiner Zeit als Zivi im Rettungsdienst schon kennenlernen durfte. Doch ich blieb der eingeschlagenen Richtung treu.
Ein zweiter Weg führte jedoch in die ähnliche Richtung. Während des Studiums kreuzte sich oft der Weg der Religionspädagogen mit dem der Priesteramtskandidaten. Er lief immer mal für ein Stück des Weges parallel, wenn wir gemeinsame Veranstaltungen hatten. Und so kamen neue Fragen: Welchen der beiden Wege nimmst du? Welcher ist für dich der richtige?


Seelsorger werden, mit eigener Familie

„Er stillt mein Verlangen“, heißt es in Psalm 23. Je mehr ich mich damals mit den beiden möglichen Wegen beschäftigte, desto klarer wurde mir, was mein Verlangen war: Ich wollte Seelsorger werden. Und ich wollte nicht auf eine eigene Familie verzichten! Zwei ganz bewusste Entscheidungen, die mir die Suche nach dem weiteren Weg nun leicht machten!
Knapp 15 Jahre später arbeite ich als Gemeindereferent; ich selber sage lieber: als Seelsorger – alle Kollegen mögen mir diesen berufspolitisch eher schwammigen Begriff verzeihen. Und auch wenn manch ein Bischof bei dieser Bezeichnung für einen Laien Bauchschmerzen bekommt, trifft er doch den Kern meiner Arbeit: Die Sorge um den Menschen und den Dienst am Wort Gottes, welches den Menschen (hoffentlich) in seiner Seele berührt.
Die Emmausgeschichte ist mir in meiner Arbeit treuer Begleiter, denn genauso wie damals Jesus möchte ich die Menschen auf ihrem Weg begleiten, ein offenes Ohr für sie und ihre Sorgen und Anliegen haben, ihnen mit Gottes Wort Hoffnung und Perspektive für ihr Leben geben und gemeinsam mit den Menschen IHM begegnen – in den Zeichen von Brot und Wein.

Der Autor ist als Gemeindereferent in der Pfarrei St. Vitus Mönchengladbach tätig.


Veröffentlicht am 14.06.2013

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