Kirche in der Region Mönchengladbach
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Ökuemenische Akzente bei der diesjährigen Mönchengladbacher Heiligtumsfahrt

Pfarrerin Antje Brand (r.) und Veronika Beck legen das Abendmahlstuch in die Vitrine.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 25/2014

Gelebte Ökumene des Herzens

Erstmalig beteiligen sich die evangelischen Christen in Mönchengladbach aktiv an der Heiligtumsfahrt

Vor gar nicht allzu langer Zeit wäre es undenkbar gewesen, dass sich Protestanten an der katholischen Heiligtumsfahrt beteiligen. Mit Reliquienverehrung tun sich die evangelischen Christen traditionell schwer.

 Aber die Alt-Gladbacher Gemeinden haben in den vergangenen Jahren zu einem ökumenischen Miteinander gefunden, das von Herzlichkeit und Respekt geprägt ist. So ist in Mönchengladbach vieles möglich, was anderswo noch nicht funktioniert. Es ist eine Revolution, die sich da mit leiser Selbstverständlichkeit vollzogen hat. Am Eröffnungsgottesdienst der Heiligtumsfahrt nehmen evangelische Presbyterinnen und Presbyter teil. Pfarrerinnen und Pfarrer sind im Talar gekommen. Auch an der Präsentation des Abendmahlstuchs ist eine evangelische Pfarrerin beteiligt.

Es gibt einen ökumenischen Pilgertag, an dem im Gladbacher Münster eine ökumenische Trinitatisvesper stattfindet. Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Gladbach-Neuss hält eine leidenschaftliche Predigt, die die Einheit aller Getauften beschwört. Am Abend ist mit Präses Manfred Rekowski der oberste Repräsentant der evangelischen Kirche im Rheinland zu Gast im Münster und spricht über die Ökumene der Umkehr. In der anschließenden Diskussion wird deutlich, wie weit die ökumenische Zusammenarbeit der katholischen und evangelischen Innenstadtgemeinden in Mönchengladbach schon ist.

 

Respekt vor Traditionen des anderen gelernt

Im Miteinander der Konfessionen habe sich so viel geändert, sagt eine Teilnehmerin und erinnert an die gar nicht ferne Zeit, in der sich Katholiken und Protestanten lustvoll bekriegten und am Feiertag des jeweils anderen Jauche fuhren und Wäsche heraushängten. „Jetzt sind wir ungeduldig“, sagt sie. „Wir wollen die Einheit auch leben.“ Und jenseits der weiter bestehenden theologischen Gegensätze, die sich vor allem im Ämterverständnis manifestieren, ist die enge Vernetzung gelebte Realität. „Vom Erleben und Gefühl her sind wir ganz nah beieinander“, sagt Wolfgang Hess, Pfarrer der evangelischen Christuskirchengemeinde. „Wir arbeiten mit den katholischen Kollegen längst in einem großen Team.“

Bemerkenswert sei die Herzlichkeit im Umgang miteinander und der Respekt vor den Traditionen des jeweils anderen. „Das ist ein beidseitiger Lernprozess“, meint er. „Wenn die katholischen Gemeinden bei der Heiligtumsfahrt das Christuszeugnis in den Mittelpunkt rücken, können die Protestanten gut daran teilnehmen.“ Ebenso werde das Reformationsjubiläum 2017 als Christusfest geplant, damit auch die Katholiken mitfeiern können. Alt-Propst Albert Damblon sagt: „Es ist eigentlich ganz banal: Wenn in der Familie ein Bruder oder eine Schwester feiert, dann feiere ich mit. So ist es auch zwischen den evangelischen und katholischen Gemeinden. Wir Christinnen und Christen müssen zusammenhalten.“

 

Ökumene ist inzwischen an der Basis angekommen

Damit die ökumenische Zusammenarbeit über Personen hinaus eine dauerhafte Form hat, haben die Gladbacher Gemeinden vor zwei Jahren eine ökumenische Erklärung unterzeichnet und einen gemeinsamen Ökumeneausschuss ins Leben gerufen. „Damit wird die ökumenische Zusammenarbeit unabhängig von Personen strukturell verankert“, sagt Veronika Beck vom Vorbereitungsteam der Heiligtumsfahrt. Wichtig ist ihr, dass die Ökumene an der Basis angekommen ist. „Sie ist Selbstverständlichkeit und Verpflichtung.“ Die Autorin ist Mitglied im Presbyterium der evangelischen Christuskirchen-Gemeinde in Mönchengladbach.


Von Angela  Rietdorf

Veröffentlicht am 20.06.2014

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