Kirche in der Region Mönchengladbach
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Podiumsdiskussion Bleiben oder Gehen – zur Krise der römisch-katholsichen Kirche in Mönchengladbach

Unter der Leitung von Barbara Krause (M.) diskutierten Lioba Zodrow, Thomas Wystrach, Elisabeth Hartmann-Kulle und Ute Lindemann-Degen (v. l.) im Saal des katholischen Forums.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 49/2011

Gehen oder bleiben?

Die Krise in der Kirche war Thema einer Podiumsdiskussion

In einer sehr kontroversen Diskussion erörterten vier Gläubige, ob die römisch-katholische Kirche noch Heimat für die Gläubigen sein kann. Dabei wurden sowohl Argumente für einen Austritt als auch die Notwendigkeit des anhaltenden Engagements ausgetauscht.

Unter der Leitung der Gesellschaftswissenschaftlerin Barbara Krause, die bis März 2010 an der Katholischen Hochschule NRW Aachen lehrte, schaltete sich auch das Publikum rege in die Diskussion ein.

 Lioba Zodrow sah ihre Existenz bedroht. Die promovierte katholische Theologin hatte sich aktiv an den Protesten gegen die Aufnahme der Pius-Gemeinschaft in die Kirche engagiert. Das hatte Konsequenzen. „Ich bekam einen Tipp von einer befreundeten Professorin, dass ein Disziplinarverfahren eingeleitet und mir die Missio entzogen werden sollte“, erzählt Zodrow. „Das hätte bedeutet, dass ich meinen Beruf nicht mehr hätte ausüben und nicht mehr hätte publizieren dürfen. Damit wäre meine Existenzgrundlage weg gewesen.“ Sie zog Konsequenzen und fand in der evangelischen Kirche eine neue Heimat. „In einer Kirche, die meint, den Glauben gegen die vermeintlich amoralische Außenwelt verteidigen zu müssen und die einem willkürlich die Existenz nehmen kann, ohne dass man irgendeine rechtliche Handhabe hat, kann ich nicht sein“, sagt Zodrow heute.

„Gehen oder bleiben? Die Kirche in der Krise“ lautet der Titel der Podiumsdiskussion, zu der das katholische Forum in Mönchengladbach einlud. Dass es an vielen Stellen in der katholischen Kirche Optimierungs- und Reformbedarf gibt, sieht auch Elisabeth Hartmann-Kulla. Auch sie stoße manchmal auf Widerstände, die einfach „zum Davonlaufen seien“, sagt die Lehrerin. „Aber trotz aller Schwierigkeiten bin ich überzeugt: Es lohnt sich, zu bleiben.“

Kirche sei für sie nicht die übereinander gemauerten Steine eines Gotteshauses oder die Institution mit ihren Hierarchien. „Meine Glaubensgeschichte ist mit der Kirche verbunden“, betont Hartmann-Kulla. Dabei sei ihr bewusst, dass sie eigentlich etwas Verbotenes mache, wenn sie von ihren Schülern zu deren Konfirmation eingeladen werde und dort am Abendmahl teilnehme. „Aber was kann ein Religionslehrer besseres machen, als seinen Schülern zu zeigen: Ich nehme mit euch an dem Augenblick der Gemeinschaft teil?“, fragt sie in die Runde.

 

Mut zum Widerstand wird auch in der Kirche immer wieder gebraucht

Dass auch in der Kirche immer wieder Mut zum Widerstand gebraucht werde, stellt Moderatorin Barbara Krause fest. „Auch daraus kann etwas Positives wachsen.“ Als Beispiel nennt sie Donum Vitae, die Schwangerschaftskonflikt-Beratung, die katholische Laien ins Leben gerufen haben, nachdem sich die Kirche aus der Beratung schwangerer Frauen zurück gezogen hatte.

Den Mut zum Widerstand sieht Thomas Wystrach allerdings oft nicht gegeben. „Es gehört eine Lebenskunst der Verdrängung dazu, um es in der römisch-katholischen Kirche auszuhalten“, sagt Wystrach. „Es gibt eine mehr oder weniger reflektierte Sehnsucht, von der Kirchenleitung anerkannt zu werden. Ziel ist es, dass Mutter Kirche oder der Heilige Vater einem bestätigen: ,Du bis doch noch gut katholisch.‘“ Dass Priester sich kaum laiisieren lassen könnten, wenn sie sich doch entschieden zu heiraten, dass Frauen nicht zum Priesteramt zugelassen seien, dass der Zölibat verpflichtend sei: Das sind nur drei Punkte auf einer Liste, die Thomas Wystrach anführt. Für ihn bedeutete deshalb die logische Konsequenz den Austritt aus der römisch-katholischen Kirche und seine Hinwendung zu den Alt-Katholiken.

Ein Schritt, der für Ute Lindemann-Degen nicht infrage kommt. „Ich weiß die Dinge zum Teil nicht“, sagt sie. „Und was ich weiß, nehme ich mit Grummeln im Magen zur Kenntnis. Mag sein, dass ich da auch eine gewisse Blindheit habe.“ Trotzdem merke sie, dass sie die Umstände nicht davon abbrächten, was sie hautnah vor Ort als Kirche erlebe. Verheiratet mit einem Protestanten wäre sie zum Beispiel in anderen Bistümern nicht eingestellt worden, berichtet die Religionslehrerin. „Dass ich nicht beim evangelischen Abendmahl dabei sein darf und er nicht bei der Eucharistie interessiert mich nicht. Das ist nicht meine Lebenswelt.“ Die Frage des Konvertierens allerdings habe sich ihr auch einmal gestellt – vor 30 Jahren, als sie ihren Mann heiraten wollte. „Allerdings von der evangelischen Seite aus, nicht von der katholischen“, berichtet sie. „Auch in anderen Kirchen ist nicht alles so frei, wie es von außen scheint.“

Dass Lindemann-Degen der römisch-katholischen Kirche treu bleibt, hat noch einen anderen Grund, wie das Publikum erfährt. „Es ist diese Kirche, die mir das Wort Gottes interpretierend beigebracht hat“, sagt Lindemann-Degen. Sie werde sich weiter in ihrer Gemeinde engagieren.

 


Von Garnet  Manecke

Veröffentlicht am 03.12.2011

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