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Eine-Welt-Laden Jüchen lädt mit KFD-Gruppe zum Kaffeeklatsch mit fairem Kaffee ein

Ursula Klaff, Elisabeth Broich und Anneliese Helpenstein (v. l.) gehören zum Team des Eine-Welt-Ladens in Jüchen. Dort verkaufen sie Kaffee, Schokolade, Schmuck und viele andere Produkte, die aus fairem Handel stammen.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 39/2012

Fairer Kaffeeklatsch

Katholische Frauen informierten über die Organisation „Fairtrade“

Ein Kaffeeklatsch hat eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Als Treffpunkt bei Kaffee und Kuchen dient er der Pflege sozialer Beziehungen und dem Austausch von Nachrichten. Dabei geht es nicht zwingend darum, zu tratschen.

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (KFD) Diözesanverband Aachen hat im Café A3 im Marienheim Jüchen zu einem „fairträglichen“ Kaffeeklatsch eingeladen.

Als ihr der Räuber die geliebte Kaffeemühle aus den Händen reißt, fällt Kasperls Großmutter vor Schreck und Kummer in Ohnmacht. Mit dem Kaffeemühlenraub beginnt die Geschichte um den Räuber Hotzenplotz. Solange die Mühle weg ist, muss die Großmutter schweren Herzens auf das geliebte Heißgetränk verzichten. „Meine Oma hat früher immer mit der Kaffeemühle auf dem Schoß da gesessen und gemahlen“, erzählt Anneliese Helpenstein gerade ihrer Tischnachbarin. Kaffee – das aromatische Getränk wurde einst von den Türken nach Zentraleuropa gebracht. In vielen Ländern wird es heute genossen, die Zubereitung ist von Land zu Land verschieden, die Begeisterung aber immer gleich hoch. Auch im fairen Handel spielt Kaffee eine große Rolle. Beim „fairträglichen“ Kaffeeklatsch stehen das Heißgetränk und andere fair gehandelte Produkte im Mittelpunkt.

Die Gabel sinkt weich in der Schokoladenschicht ein. Die drei Zacken trennen ein Stück von dem dunkelbraunen Kuchen ab. Auf der Zunge entfalten Glasur und Kuchen ihr volles Schokoladenaroma. So also schmeckt Fairness. Die rund 30 Gäste im Café A3 testen das Kuchenangebot, das in Form von Schokoladen-Rotwein-Kuchen, Cashew- und Cocosschnitten, Kirsch-Sahne-Kuchen und Streuselplatte zeigt, welcher Genuss Fairness sein kann. Dabei gilt der Kaffeeklatsch nicht nur der Verkostung süßer Leckereien. Die Gäste interessieren sich auch sehr dafür, wann Produkte mit dem Fairtrade-Siegel gekennzeicnet werden dürfen. Am Beispiel von Kaffeebauern berichtet Christine Baumeister, Referentin bei Transfair, über die Bedingungen im fairen Handel.

 

Der faire Handel garantiert Mindestpreise für die Erzeugnisse

„1,4 Milliarden Menschen auf der Welt müssen von 1,25 US-Dollar pro Tag leben“, berichtet Baumeister. „Der faire Handel garantiert den Kaffeebauern einen Mindestpreis für ihre Erzeugnisse.“ Gerade die Kaffeepreise schwanken auf dem Markt sehr, mit dem festen Mindestpreis, der in einem langfristigen Vertrag festgelegt wird, haben die Kaffeebauern Planungssicherheit für ihre Familien. Von einem Kaffeebaum können zwischen zwei bis vier Kilo Kaffeekirschen geerntet werden. Um 500 Gramm Kaffee herzustellen, wird etwa die Kaffeekirschen-Ernte eines Baumes gebraucht.

100 bis 200 Pfund Kaffee kann ein Pflücker pro Tag auf den Plantagen ernten. Dabei reicht der faire Handel weit über die Preisgestaltung hinaus. Keine illegale Kinderarbeit, keine Versklavung, eine Schulausbildung für die Kinder der Kaffeebauern und nachhaltiger Anbau sind weitere Punkte, die den fairen Handel ausmachen. „Rund 75 Prozent der Ernte sind aus biologischem Anbau. Schon weil sich die Kaffeebauern Pestizide gar nicht leisten können“, sagt Baumeister. Das komme nicht nur dem Verbraucher sondern auch den Arbeitern auf den Feldern zugute. „Die Flugzeuge lassen die Pestizide einfach ab, auch wenn unter ihnen gerade Menschen arbeiten“, berichtet die Transfair-Referentin. Der Hautkontakt und die eingeatmeten Gifte verursachen bei den Arbeitern Krankheiten.

 

Die Gäste haben viele Fragen zum Leben der Kaffeebauern

Auch zur richtigen Zubereitung des Kaffees gibt es einige Tipps. „Fair gehandelter Kaffee ist in der Regel Qualitätskaffee, der anders geröstet wird als konventioneller Kaffee“, sagt Baumeister. Während handelsüblicher Kaffee bei über 600 Grad nur wenige Sekunden geröstet werde, zeichneten sich Qualitätskaffees durch eine Langzeitröstung bei 200 Grad aus. „Dadurch können sich die Aromen besser entfalten“, weiß Baumeister. „Und er ist bekömmlicher.“

Dass fair gehandelter Kaffee nicht nur gut schmeckt, sondern auch mit reinem Gewissen genossen werden kann, weiß Anneliese Helpenstein schon lange. Zusammen mit Ursula Klaff und Elisabeth Broich gehört sie zum Team des Eine-Welt-Ladens in Jüchen. Neben Kaffee gibt es hier auch Schokolade, Honig, Backzutaten, Modeschmuck oder Accessoires aus fairem Handel. Getreu dem Motto: „Ein kleiner Beitrag und die Welt wird freundlicher.“


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 01.10.2012

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