Kirche in der Region Mönchengladbach
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Brigitte Oltmanns begleitet in Mönchengladbach Menschen in Schwieirgkeiten

Brigitte Oltmanns hat viele ergreifende Schicksale kennengelernt: „Humor hilft, respektvoll mit sich und anderen umzugehen.“

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 27/2015

Entschlossen, engagiert, hartnäckig

Als Gemeindesozialarbeiterin unterstützt Brigitte Oltmanns Menschen dabei, eine Perspektive zu finden

In der Ruhe liegt die Kraft: Für Brigitte Oltmanns stimmt das Sprichwort. Wer sie trifft, erlebt eine ruhige, fast zurückhaltende Frau. Der Eindruck täuscht: Wenn es drauf ankommt, lässt die 45-Jährige nicht locker, bis sie ihr Ziel erreicht hat.

Die Integral-Rechnung führte dazu, dass Brigitte Oltmanns nach dem Abitur ihren beruflichen Weg in Richtung soziale Arbeit beschritt. Nicht dass sie Probleme mit Zahlen und
Formeln gehabt hätte. „Ich schwankte zwischen einem Mathematik-Studium und einer Arbeit mit Menschen“, erinnert sie sich.

Deshalb besuchte sie eine Mathematik-Vorlesung an der RWTH Aachen. „Die Integralrechnung war das Einzige in der Schule, was ich nicht mochte“, sagt Oltmanns. „Und bei der Vorlesung fing die Rechnung links oben an der Tafel an und ging bis rechts unten.“ Sie beschloss, die Entscheidung während eines Freiwilligen Sozialen Jahres zu überdenken.
2001 trat Oltmanns beim Caritasverband Region Mönchengladbach eine Stelle mit dem Themenschwerpunkt Armut an. Das beinhaltete auch viel politische Arbeit. „Als 2005 die Hartz IV-Gesetze kamen, war ich Sprecherin der AG Armutskonferenz“, erzählt sie. In verschiedenen Projekten ging sie der Frage nach, was Armut mit Menschen macht. Ab 2011 rückte die politische Arbeit wieder in den Hintergrund und Oltmanns widmete sich verstärkt der Begleitung von Menschen, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden.


Sie trägt dazu bei, dass Neues entsteht

„Seit 2014 ist die Flüchtlingsarbeit ein großes Thema“, sagt sie. In Mönchengladbach hilft die Gemeindesozialarbeiterin engagierten Initiativen und Freiwilligen, Strukturen für die Hilfe vor Ort aufzubauen. Wo nichts ist, trägt sie dazu bei, dass Neues entsteht und sich gut entwickeln kann. Sie stellt Kontakte her und gibt wertvolle Tipps bei Fragen.


Bildung ist wichtig für ein selbstbestimmtes Leben

Dass sie einmal so weit kommen würde, war nicht vorauszusehen. Schon für ihren Schulabschluss musste die älteste von drei Geschwistern kämpfen. „Im Grunde komme ich aus ärmlichen Verhältnissen“, sagt sie. Nach der Grundschule besuchte sie die Hauptschule. So war es damals üblich. Ihre Sehnsucht aber galt der Realschule. Mit Fleiß und Hartnäckigkeit schaffte sie nach zwei Jahren den Sprung. „Am ersten Tag auf der Realschule war ich stolz“, erinnert sie sich an das gute Gefühl, ihr Ziel erreicht zu haben.
„Bildung habe ich immer als einen wichtigen Baustein gesehen, um später ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, sagt sie zu ihrer Motivation. Was damals für sie galt, gilt heute auch für die Flüchtlinge. Durch ihre eigenen Erfahrungen kann sie sich in die Bedürfnisse der Menschen sehr gut einfühlen: Während ihres Studiums der sozialen Arbeit an der Fachhochschule Niederrhein ging sie für ein Auslandssemester nach Italien – und erlebte, wie es ist, auf sich gestellt in einem fremden Land zu leben, dessen Sprache man nicht versteht. „Ich war komplett auf der anderen Seite: orientierungslos, sprachlos und überfordert“, sagt sie. „Eine wertvolle und prägende Erfahrung, von der ich heute noch profitiere.“

 

 


Von Garnet Manecke

Veröffentlicht am 02.10.2015

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